Das zweite Gesicht

Wenn ein Schotte mit gälischen Wurzeln über das Konzept des „zweiten Gesichts“ spricht, spricht er von dà shealladh, was wirklich zwei Gesichter statt des zweites Gesicht bedeutet, und dieser geringfügige sprachliche Unterschied gilt auch für das Konzept. Die Person, die es hat, hat eine zusätzliche Sichtweise, die so stark und natürlich ist wie die andere, keine zweite und damit untergeordnete.

skull and crossbones

Menschen, die das zweite Gesicht haben, sehen die Toten als  diffuse Erscheinungen mitten unter den Lebenden, haben Vorahnungen, treffen Doppelgänger und sind Zeuge verschiedener anderer Phänomene. Sogar Tiere können in Schottland das zweite Gesicht haben, insbesondere Pferde und Hunde. Diejenigen Menschen, die es haben, sollen einen besonderen Blick in den Augen haben, Pferde und Hunde zeigen oft seltsames und fehlgeleitetes Verhalten. In der gälischen Mythenwelt sehen diese Tiere die Vorboten des  Todes, Wesen, die sich in einer Sphäre bewegen, die nur sie sehen können.

Auf der Isle of Skye haben solche Seher Hunde heulen gehört, bevor auf dem Friedhof von Kilmuir eine Beerdigung stattfand. Man glaubte diese Hunde hätten die Geister der Lebenden gesehen, tàslaich nan daoine beò.

Andere Hunde winselten in der Nacht bevor jemand in der Nachbarschaft starb. Das zu hören muss für die Beteiligten eine beängstigende Erfahrung gewesen sein.

Generell galt: Hunde bellten nachts, wenn sie Gespenster der Lebenden oder der Toten sahen. Dann blieb man besser im Haus und rührte sich nicht.

Haben die Hunde aber nicht das zweite Gesicht, dann könnte es sich um Marder, Dachse oder Einbrecher handeln. Das wäre aber die deutlich erdverbundenere Interpretationsvariante und Handlung gegebenenfalls erforderlich.

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Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland ist da. 

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Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland ist da. 

Nach Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland ist Nellie Merthe Erkenbach mit Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland ein weiteres wahres, humorvolles und herzerwärmendes Buch gelungen, in dem zwischen den Zeilen ihre tiefe Liebe für das Land ihrer Liebe durchscheint – Schottland.

Auf in neue Abenteuer Highlands, wo buchende Baroninnen und denkwürdige Dudelsackspieler den Alltag beherrschen, Poeten und tapfere Schneiderlein mit Monstern kämpfen, Moorleichen gar nicht so gruselig sind und Hexen und Geister ganz selbstverständlich. Von Extrawürsten und gefährlichen Frühstücken und der Kunst, trotz Corona und Brexit ein glückliches Leben in der Fernbeziehung hinzubekommen

Quelle: Ronald Black (ed.): The Gaelic Otherworld. John Georgson Campbell’s Superstitions of the Highlands & Islands of Scotland and Witchcraft & Second Sight in the Highlands & Islands. Edinburgh, Birlinn Origin; 2019

Herbst in den Highlands

Herbst in den Highlands (6)

Ich bin wieder zurück! Wie wunderbar und großartig, das schreiben zu können.

Es ist Herbst und es ist schon eine Weile her, dass ich im Oktober in den Highlands war. Ich hatte vergessen, mit welch intensiven Farben sich die Natur ein letztes Mal aufbäumt, bevor sie sich zur Ruhe begibt.

Es ist kühl, oft hängen die Wolken tief, Nässe durchdringt alles. Aber immer wenn die Wolken für einen Moment aufreißen und die tief stehende Sonne ein intensives Licht wirft, dann leuchtet Schottland auf als wollte es sagen „Wo warst du? Wolltest du das hier wirklich verpassen?“

Herbst in den Highlands (5)Man muß das Licht in sich aufsaugen, so sehr man kann, es gibt nicht mehr sehr viel davon. Im Sommer ist es um fünf Uhr in der Früh schon taghell und wird auch gegen Mitternacht noch nicht wirklich dunkel. Nun ist es noch immer trüb Morgens beim aufstehen und zum Abendessen ist auch nicht mehr viel Tageslicht übrig. Bald gibt es noch viel weniger Licht und Wärme und es ist als wollten die Menschen und Tiere die Wärme und das Licht noch ein letztes Mal aufsaugen bevor der Winter kommt.

Herbst in den Highlands (1)Die Brombeeren sind reif und ich nehme immer eine Handvoll mit nach Hause fürs Frühstück, wenn ich laufen gehe. Im Sommer sind es wilde Himbeeren. Farn färbt die Hänge braun, die Berge scheinen sich ebenfalls ein letztes Mal zu räkeln, bevor der Schnee sie fest friert. Rote Blätter im Gebüsch, regenglänzende Felsen am Straßenrand, grüngoldene Laubbäume strahlen im Mittagslicht. Selten sind die Highlands schöner als jetzt.

DSC_0010Doch sind sie nicht nur schöner, sie sind auch ungemütlicher, denn nun kommen die Herbststürme. Starke Regenfälle und Sturmböen sind vorhergesagt. Selten sind die Highlands wilder als im Herbst und der nächste Stromausfall ist nicht weit weg. Egal, wir haben Feuerholz, Kerzen und genügend Schokolade.

Mehr braucht man nicht im Herbst in den Highlands.