Buchende Baroninnen

Wie kürzlich berichtet habe ich mir spontan eine ungeplante Auszeit gegönnt und einen Flug nach Schottland gebucht. Zwei Woche Highlands und das noch vor Weihnachten. Glücksgefühle pur!

Scottish Highlands in winter

Weil ich dieses Mal British Airways fliege, lade ich also eine weitere App aufs Smartphone und sortiere sie neben denen von Ryanair und Lufthansa ein und weil ich gerade dabei bin, will ich auch meine Buchung vervollständigen mit Anschrift, Passnummer und so weiter.

Schon nach dem ersten Menüpunkt kann ich nicht mehr weiter machen vor Lachen. Ich muss meinen Titel angeben. Bei Lufthansa ist das überschaubar, bei Ryanair (das sind Iren) auch. Nicht aber, wenn man mit British Airways fliegt.

Hier hat man die Wahl zwischen 14 Titeln, wobei Mr und Mrs für Herr und Frau und das MS für ich-möchte-nicht-angeben-ob-ich-verheiratet-bin-oder-nicht noch die einfachsten sind.

Dann wird es skurril: Captain, Rabbis, Baronness, Viscountess, Lady oder vielleicht Dame? Das ist als würde man durch einen Adels Almanach scrollen und fühlt sich dann schon fast ein wenig beschämt beim simplen MS anzuhalten.

Eilean Donan Castle

Wie viele Baroninnen sind denn so im Schnitt auf einem BA Flug an Bord frage ich mich. Und buchen die auch ihre Sitze mit mehr Beinfreiheit? Wieviel Freifrauen und was weiß ich noch, ich kann nicht mal alle Titel ordnungsgemäß ins Deutsche überzetzen. Was möglicherweise auch daran liegt, dass ich keine Gala lese aber das nur nebenbei.

Bei Loganair, das ist die schottische Fluglinie, gab es keine Adelstitel auszuwählen. Das fällt nur der offiziellen Fluglinie des Vereinigten Königreichs mit Sitz in London ein. Und während ich noch die langweiligen Daten wie Adresse und Passnummer eingebe, fühle ich mich fast schon fürstlich, wie ich so auf der edlen App unterwegs bin.

Buchen Baroninnen BA und checken auf der App ein? Ich stelle mir die Queen vor, wie sie mit weißen langen Handschuhen versucht auf ihrem iphone den Sitzplatz zu ändern. Aber wahrscheinlich macht das ohnehin der Butler.

Wer hätte gedacht, dass eine App solche Bilder in meinem Kopf erzeugen kann.

„We are quite amused.“ denke ich mit royaler Gelassenheit. Wir sind in der Tat sehr amüsiert.

 

 

6 Gedanken zu “Buchende Baroninnen

  1. Guten Morgen Nellie – aus dem wunderschönen Schottland…

    Deine Geschichte erinnert mich an meine Zeit in Passau, wo es sehr viele Österreicher gibt. Diese legen ja bekanntlicherweise extrem viel Wert auf ihre Titel. Die Stammkunden dort zu bedienen und denen was zu verkaufen war durch die Nutzung ihrer Titel sehr erfolgreich.😂

    Ich finde es auch noch ganz lustig mal über österreichische Friedhöfe zu gehen und die Grabsteininschriften zu bewundern. „Hier liegt Oberkaminkehrer Georg Huber und sein Sohn Amtsrad Konrad“

    Jaaa, Endlich bin ich zu Hause. Nach ereignisreichen Tagen (vor allem die Anreise) finde ich die Ruhe und den Seelenfrieden den es scheinbar nur hier in Schottland gibt..

    Jetzt habe ich auch festgestellt dass nicht nur Radfahren in München sondern auch Autofahren in Schottland nicht ohne sind. 10 km (nach 1936) vor dem Ziel fahre ich gemütlich um eine Linkskurve, als dort plötzlich ein überbreiter Lkw aus der Gegenrichtung kommt.

    Ich habe zwar super schnell reagiert und da ich auch sehr gemächlich unterwegs war konnte ich einen Frontalzusammenstoß vermeiden, allerdings war zum Ausweichen nach links nicht genügend Platz.

    Das Resultat: die komplette Beifahrerseite hinüber, der rechte Außenspiegel abgerissen und durch die Beifahrerscheibe auf meinen Kopf geflogen, einige tausend Glassplitter im Auto verteilt (und später auch mit der Pinzette aus dem Gesicht entfernt). Beide Türen rechts eingedrückt, so dass man sie nicht mehr öffnen konnte..

    Eine freundliche Polizei, die sich weigerte zur Beweisaufnahme vorbeizukommen (es gab ja schließlich keine ernsthaften Verletzten und man solle es doch mit den Versicherungen selbst klären).

    Am nächsten Tag eine dreistündige Diskussion in Glasgow mit Six, die noch nie den Fall hatten, dass ein Deutscher mit einem deutschen Sixt-Fahrzeug einen Unfall in Schottland hat und dort das Fahrzeug tauschen möchte:

    „Oh, das ist aber ein schönes Auto… War sicherlich sehr teuer!“
    „Ja laut Vertrag 110.000 £ und ja, der ist erst drei Wochen alt und hat jetzt 4000 km drauf!
    Aber trotzdem fahre ich jetzt mit diesen Schrotthaufen keine 2000 km nächste Woche zurück! Und danke der Nachfrage mir geht es gut im Gegensatz zum Auto!
    Der Sachbearbeiter für Schäden in Deutschland hat gesagt ich bekomme hier ein Neues!“

    „Das ist aber ein Problem, was wollen wir mit einem Auto was das Lenkrad auf der falschen Seite hat?“

    „Was hat das damit zu tun? Wollen Sie das jetzt weitervermieten hier??? Da reicht Politurcreme nicht mehr!!!“

    Der gute Mann und sein Boss haben dann versucht in Deutschland jemanden zu erreichen (es war Feiertag in der Gegend um Potsdam wo die Schadensabteilung ist).
    Der Notdienst sprach erstens kein Englisch und hatte zweitens sowieso keine Ahnung weil er so einen Fall noch nicht hatte:

    Ich habe dann versucht für einen Berliner und zwei Typen aus Glasgow, die sowas ähnliches wie englisch sprachen zu übersetzen
    „Wieso haben Sie denn kein Flugzeug genommen?“
    „Weil ich keinen Frachtflieger mieten wollte! ich hatte das ganze Auto voller Einrichtungsgegenstände!“
    “Dann nehme ich jetzt mal den Unfall auf“
    „Das wurde gestern schon gemacht – ich will ein Auto!“
    „Die müssen Ihnen ein Auto geben, Sie sind unlimited Kunde“
    „Die haben hier aber keine Ahnung wie sie verfahren sollen!“
    „ Ja, ich auch nicht, wir sind eine externe Dienstleistung und alle Ansprechpartner die eine Ahnung haben könnten sind heute nicht da weil Feiertag ist! Ich kann aber den Unfall noch mal aufnehmen..“

    “Was hat der Mann gesagt?“

    “Er hat klar gesagt, das kommt ständig vor. Sie müssen mir sofort ein Auto geben. Da kommt nächste Woche jemand aus Deutschland vorbei und holt das kaputte Auto ab. sie werden die nächsten Tage von der Schadenabteilung aus Deutschland über die genaue Vorgehensweise informiert. Wo ist der Schlüssel?“

    Auf der Heimfahrt zum Cottage bin ich dann gemütlich bei Nacht und Regen gemütlich mit 70 km/h heimgetuckert, als ich irgendwie eine komische Vorahnung hatte und kurz bevor ich eine Rechtskurve passiert habe, hatte ich auf rund 50 Km/h abgebremst. Dann kam mir auf der rechten Seite ein LKW entgegen, der mit Lichthupe geblinkt hat, als dann auf einmal auf meiner Spur ein großer Pick-up entgegenkam der versuchte, die Kolonne hinter dem LKW zu überholen.😳

    Der Geisterfahrer hatte dank Halloween mehr getankt als sein Auto…

    Als er mich sah, ist er auf meine linke Seite ausgewichen, in die Botanik geschleudert und dann irgendwo hinter mir auf die Straße gekippt. Da ich versucht hatte – soweit es ging – nach rechts auszuweichen – ohne in den Gegenverkehr zu krachen – und dank der nassen Fahrbahn herumschleuderte, war ich derweil beschäftigt zu vermeiden, ein weiteres Auto von Sixt zu zerstören.
    Immerhin, es gelang mir ohne einen Kratzer mehr oder weniger souverän das Auto zum stehen zu bringen – zwar mit dem Heck voran in meiner Fahrtrichtung – aber mein letztes Fahrtraining liegt auch wohl 25 Jahre zurück.

    Weitere 3 Stunden später war ich zu Hause…

    Momentan versuche ich das Autofahren hier zu vermeiden. Es gibt hier zu viele dämliche LKW-Fahrer und besoffene Pick-up Fahrer.

    Ich wandere eh viel lieber als, dass ich Verkehrsmittel benutze…

    Jetzt genieße ich weiterhin meine Tasse Tee und freue mich über den Frieden hier.

    Dir einen schönen Sonntag

    Andy

    • Lieber Andy,

      Oh mein Gott, was machst du denn für Sachen?!

      Das ist ja unfassbar, irgendwie ziehst du aber das Unglück geradezu magisch an in letzter Zeit, oder?

      Ich bin froh zu lesen, dass du dieses Mal nicht im Krankenhaus gelandet bist aber das klingt nach einer schrecklichen Odysee. Wie schön, dass du jetzt ein paar Tage in deinem neuen zu Hause in Argyll genießen kannst.

      Pass auf dich auf. Wunderbare Tage in Schottland wünsche ich dir.

      Liebe Grüße,

      Nellie

      • Oh ach, mir passieren solche Missgeschicke häufiger.

        Aber ich hab meistens Glück und ein bisschen Action schadet nicht😉. Vielleicht sollte ich auch mal einen Blog über meine täglichen Abenteuer machen. Ein Katastrophen Thriller..

        Schade dass man hier keine Fotos veröffentlichen kann, hier vom Garten aus die Sonne zu genießen ist traumhaft. Ich überlege gerade warum ich Überhaupt wieder nach München zurückfliege…

        Dir auch schöne und erholsame Tage in unserem Lieblingsland

        Andy

  2. Andy! Das schlechte Karma musst Du doch bitte in Deutschland lassen!

    Wünsche Dir für die restliche Zeit entspannte und nüchterne Autofahrer, die auch rechts von links unterscheiden können und immer in der richtigen Spur bleiben! Genieße die Zeit!

    Liebe Nellie, vielleicht hättest Du es mal mit einem der Titel versuchen sollen. Gibt bestimmt ein Upgrade in die First-Class 😉 Außerdem, die Queen kann nicht BA fliegen, weil es „Her Majesty“ wahrscheinlich dann als Titel nicht gibt 😉

    Euch noch einen entspannten Sonntag … ohne gemeingefährlichen Gegendverkehr!

    LG
    Britta

  3. Hallo Britta,

    Sagen wir mal so, in der Regel passieren hier weniger Missgeschicke als in Deutschland. Und da ich es ja gewohnt bin trifft es mich nicht unvorbereitet. Und der Vorteil ist dass die Touristen Zeit jetzt vorbei ist und die meisten Schotten ja Die richtige Straßenseite benutzen. Außer die vierbeinigen Schafe, die nutzen alle Fahrspuren.

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