Teppich-Matrosen aus dem Fachhandel

Neulich nachts musste ich mal und machte mich auf dem Weg ins Badezimmer.

„Komisches Geräusch.“ denke ich und öffne die Tür, um Sekunden später plötzlich hellwach und völlig durchnässt vor einer großen Frage zu stehen.

„Was zum Neptun ist hier los?!“

Wir haben einen Wasserrohrbruch und das eiskalte Wasser schwappt schon in den Flur. Ich wecke den Mann, der dreht das Wasser ab, setzt sich die Kopflampe auf und sucht Werkzeug im Schuppen. Ich wische derweil eimerweise Wasser auf. Am nächsten Morgen kommt ein befreundeter Installateur und bringt uns Abklemmschrauben, die neuen Leitungen kommen tags drauf von Amazon.

Nachdem alles getrocknet ist, ist klar, der Linoleumboden muss erneuert werden. Wir fahren also am Wochenende nach Inverness zum Fachbetrieb für Bodenbeläge und finden schnell, was wir suchen. Weil ich mir nicht sicher bin, ob die Rolle in den kleinen Panda passt, frage ich vorsichtshalber nach, ob sie auch liefern?

„Klar.“ sagt der Verkäufer und stellt eine kleine Frage, die bei mir große Wirkung erzielt.

By boat?

Boote

Ich sehe ihn vor mir, den schwimmenden Teppich Händler, das stolze, weiße, Boot, das majestätisch in den Meeresarm vor unserem Haus gleitet. Die Möwen rufen und der Mann rudert hinaus durch türkisblaue Wellen und lädt kostbare Seidenteppiche und duftendes Echtholzparkett in sein Boot. Teppich-Matrosen winken mir von Deck aus zu. Ich stehe an der Mole, den Wind im Haar und die Kreditkarte in der Hand.

Ja, so muss er sein, der Teppichkauf. Ob der Kapitän zum Kassieren kommt?

Mole

No, we live on the mainland. antwortet der Mann, nichtsahnend von meinem Bootsfantasien. Nein, wir leben auf dem Festland.

Puff!

Der Traum ist futsch.

„Ah gut, das macht es billiger,“ erwidert der Teppichverkäufer, der auch nicht ahnt, was ich gerade für ein Kopfkino hatte.

Natürlich liefern die Bodenbeläge per Boot nur auf die Inseln. Zu uns käme ein schnöder Transporter. Da zwänge ich mich doch lieber neben die Linoleumrolle auf den Beifahrersitz. Wenn ich das Fenster aufmache und die Augen schließe, kann ich das Meer riechen. Immerhin!

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bodenständig wandern in Schottland

Scots pines

Ich liebe ja diese Wanderbeschreibungen in denen ein (meist männlicher) Held alleine oder in Begleitung seiner treuen Hunde (selten mit Partnerin, was möglicherweise bereits Aussagekraft besitzt) die schottische Wildnis mühelos bezwingt und sich Karten deutend und Kompass schwenkend durch die Gefahren der Highlands navigiert, während er mit freundlicher Herablassung auch gerne den weniger berufenen Wanderern  zu Seite steht und sich als vertrauenerweckende Führungsperson erweist, hinter dem es sich unwissend aber sicher hertrotteln lässt.

Das ist mir zuviel Expertentum!

summer walk

Ich will einfach nur die Bewegung in der schönen Natur genießen, deshalb wandere ich in den Sommermonaten auch nie auf den ausgewiesenen Wanderrouten, folge keinem Wanderführer, lasse meine kleinen Büchlein mit den Tipps stecken, und suche auch nicht im Netz nach Wanderanleitungen, denn überall da, wo Menschen gerne von ihren Erlebnissen berichten, sind eben Menschen, die alle auch genau diese Erlebnisse haben wollen, meist ziemlich viele und dann ist es mit dem Natur genießen für mich eben nicht mehr so schön, wie ohne sie. Ich mag die Highlands am liebsten still und verlassen.

Weg in die Stille

Ich möchte auch keine Gipfel erklimmen, von denen ich dann erzählen und die ich zählen kann. Damit könnte ich mich mit anderen erfolgreichen Wanderern messen, aber das würde mir so gar keinen Spaß machen. Das ist was für Gipfelzähler, die  haben ihre Errungenschaften gut dokumentiert. Ich habe allenfalls einen Ordner für die Fotos, die ich gemacht habe. Mir geht es um die Zeit in der Natur, nicht um Kilometer, Gipfel oder andere Elemente mit deren Hilfe man sich mit anderen messen kann.

stiller Fluss

Gipfelzähler und Dosenspaghetti

Ich möchte auch nicht tosende Gebirgsbäche durchqueren oder über Felsgrate balancieren oder vor lauter Matsch auf dem Weg nicht mehr sehen, wo ich eigentlich hinlaufe. Ich möchte auch nicht wie die Fernwanderer tagelang unterwegs sein, mich in Seen waschen und Dosenspaghetti essen.

mein Weg ist mein Ziel

Ich bin ein Flachwanderer, ein Straßenwanderer, ein Alleinwanderer, der die Sonne auf dem Gesicht mag, gerne Sandwiches auf einem Stein sitzend isst und sich mit Schafen unterhält. Ich rieche an Blüten, höre den Wildgänsen beim schnattern zu oder grusle mich über Knochenfunde, die irgendein Jäger hinterlassen hat.

Ich hatte mal wieder eine Straße gefunden, die über Meilen durch die Einsamkeit führte und am Ende zu einem gut ausgebauter Feldweg wurde, 15 Kilometer Einsamkeit, nur unterbrochen von ein paar freundlich winkenden Arbeitern des Estates mit ihren Pickups. Also alles in allem überhaupt nichts, worüber man erzählen könnte. Schottland ist nämlich überall schön, nicht nur auf den Gipfeln, finde ich.

Mein Ziel, ist der Weg. 

Scottish heather

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Fleischkäse und Fleischgetränke

Der Mann glaubt zu wissen, was der deutsche Fußball braucht. nein, er ist nicht unter die Trainer gegangen und ja, natürlich braucht der deutsche Fußball nach der Corona-Sperre vor allem wieder Zuschauer in den Stadien. Ist das erst wieder erreicht, da ist sich der Mann ganz sicher, dann braucht der deutsche Fußball unbedingt „Fleischkäse und Fleischgetränke“.

Das sagt er mir so eines Morgens wenige Sekunden nachdem der Wecker geklingelt hat und ich frage mich, was in aller Welt er denn geträumt hat. Bei dem Mann bekommt das Wort „Fleischeslust“ eine gänzlich andere Dimension.

Ich habe bereits bei unserem Besuch in einem schottischen Fußballstadium vor ein paar Jahren anklingen lassen, dass der Mann die 90 Minuten kaum durchhält, ohne pie and bovril also ohne Fleischpastete und dieses schreckliche Heißgetränk, das so eine Art Mischung zwischen brauner Soße und Fleischbrühe ist. Mir wird schlecht, wenn ich nur daran denke.

Der Mann aber denkt, die armen Deutschen, die Fußball sehen müssen, ohne diese unersetzlichen Grundnahrungsmittel genießen zu können. Er findet aber auch, dass die Deutschen mit dem Fleischkäse eine gute Alternative zum pie entwickelt haben und deshalb nur noch Brovril brauchen zu ihrem Glück, Und weil der Mann ja Deutsch lernt, hat er das auch gleich übersetzt: „Fleischgetränke“ also braucht der deutsche Fußballfan. Er hält das für eine großartige Business-Idee.

Ich schüttle mich und merke an, dass der Deutsche an sich vielmehr Bier braucht, um 90 Minuten durchstehen zu können. Bier dürfen die Schotten ja nicht im Stadion, da herrscht Alkoholverbot. Das wiederum erscheint mir nur schwer aushaltbar angesichts einiger Spiele, die ich gesehen habe, allerdings im alkoholsicheren Wohnzimmer und nicht im fleischlastigen Stadion.

Ich lasse den Mann an seiner Geschäftsidee feilen und beschäftige mich mit der Wasserkochernäheren Zukunft. Am Sonntag ist das Champions League Finale. Ich werde Chips und Bier für mich bereitstellen. Der Mann bekommt Burger mit Chips und wenn er will, dann werfe ich auch den Wasserkocher an und löse ihm einen Brühwürfel auf. Da kann er sich sogar aussuchen, ob er Rind, Huhn oder Schwein haben will. Ich kann nämlich Fleischgetränke mit verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Fleischgetränke

Prost!

 

 

Schottland Foto Challenge – Landschaft von Rolf Eckerle

Naturparadies Schottland

In Glen Affric erhascht man eine Ahnung davon, wie der ursprüngliche Wald in Schottland ausgesehen hat. In Inverness-shire gibt es noch ein durchaus beträchtliches Vorkommen, vor allem in den etwas entlegeneren und einsameren Tälern: Glen Cannich, Glen Strathfarrar und natürlich Glen Affric, das wohl berühmteste der drei Täler. Für viele ist Glen Affric sogar das schönste Schottlands. Glen Affric ist nur zu einem kleinen Teil mit dem Auto zugänglich, der Rest geht nur zu Fuß, man ist mitten in einem Naturschutzgebiet. Es ist wild und es ist romantisch, ein Fotomotiv reiht sich bei gutem Wetter an das andere, aber auch bei Regen lassen sich stimmungsvolle Bilder machen.

Vielen Dank lieber Rolf für diese sehr stimmungsvollen Bilder. Man hört förmlich den Klang der Regentropfen auf den wasserdichten Jacken. 😀 LG Nellie

 

Schottland Foto Challenge – Outlander Locations von Antje Babendererde

Und hier ist Antjes Outlander-Geschichte:
2015 waren wir unter anderem auch auf Outlanderspuren. Ich fand es faszinierend, diese Filmkulissen zu sehen, weil es so wenig bedurfte, im Film die Illusion entstehen zu lassen.
In Doune Catle traf ich auf eine Amerikanerin, die mit ihrer schottischen Reiseführerin auf Outlander-Tour war. Damals war “Outlander” in Schottland kaum bekannt, weil die Serie ja nur zu streamen war und man in Großbritannien nicht wollte, dass die Schotten die Serien vor dem Referendum zu sehen bekommen.
Ich hatte einige Schauplätze von zuhause recherchiert, aber “Lallybroch” hatte ich nicht finden können. In Culross begegnete ich den beiden Frauen wieder und erzählte ihnen, wie genervt mein Mann ist, ob meiner Schauplatzsuche. Er fand im engen Culross keinen Parkplatz … Die Reisleiterin lachte und meinte, so wie es “Golfwitwen” gibt, wären nun die “Outlander-Witwer” dazugekommen.
Und sie verriet mir, wie ich Lallybroch finde und dorthin komme. Unweit von Midhope Castle davon gibt es einen Naturkostladen, in dem muss man nachfragen. Dort bekommt man eine Erlaubnis, die muss man unterschreiben, und dann kann sich mit Wegbeschreibung auf den Weg machen.
Als ich im Naturkostladen nach Lallybroch fragte, horchen alle Mitarbeiter auf und grinsten sich an. Ich bekam die Erlaubnis Nr.79 und dann sind wir durch den Wald geirrt, bis wir es gefunden hatten. Midhope Castle steht zwar unter Denkmalschutz, wird aber als Baustofflager genutzt. Im Inneren gibt es keine Fußböden mehr … und dennoch: Ich stand davor und konnte in meiner Vorstellung die Tür öffnen und mit Jenny und Ian eintreten in das gemütliche Haus. Und natürlich konnte ich auch Jamie im Tor sehen, wie er ausgepeitscht wurde …
Von allen Schauplätzen hat mich dieser Ort am meisten berührt. Vielleicht, weil wir ganz allein dort waren.

 

Der Mann korrigiert mein Manuskript

Regelmässige Leser dieses Blogs wissen Bescheid, ich schreibe einen Reiseführer über Schottland. Es wird kein gewöhnlicher Reiseführer, ich nenne ihn ein Reise-Inspirations-Buch und der Mann steuert die Fotos bei. So weit, so gut. Das Manuskript ist bereits fertig und ich bin mitten in der Korrekturphase während der Mann Bilder zusammenstellt zu einem Text, den er nicht lesen kann, weil er auf Deutsch geschrieben ist. Natürlich lernt er gerade Deutsch aber für ein Buch reicht es noch nicht. Er hat noch nicht mal mein Buch über mein Leben bei ihm gelesen. 

Abeteuer Highlands book promo

Also fragt er kürzlich mit unschuldigem Augenaufschlag: Kannst du den Reiseführer nicht auch auf Englisch schreiben?

Puh! Klar kann ich. Gar kein Problem. Sind ja nur 322 Seiten. Ich denke nach. So schlimm wird es nicht werden. Es gibt ja Google translate.

Ich verbringen einen Tag damit, das Manuskript Seite für Seite in Google Translate einzugeben und das Ergebnis dann in ein anderes Dokument einzufügen. Am Ende des eintönigen Tages habe ich dann ein deutsches Manuskript und ein englisches. Naja, eine Google-Englisches. Was auf den Bilder zu sehen ist, ist die unbearbeitete Google Übersetzung. 

Ich schicke es also dem Mann, damit er es durchliest und mich auf die Fehler im Inhalt und gerne auch der Rechtschreibung hinweist. Ich muss es ja auch noch einmal durcharbeiten aber er darf zuerst, dann hat er schon eine Orientierung für die Fotos.

Noch immer im Lockdown und mit wenig Arbeit, um sich abzulenken, legt der Mann in den Highlands los und schickt mir noch am selben Abend das erste Kapitel korrigiert zurück.

Schon bei der ersten Anmerkung muss ich laut lachen. Da steht nur ein eh? was dem deutschen häh? entspricht und fast genauso klingt. Je mehr ich seine Anmerkungen studiere, desto amüsierter bin ich.

A screech owl? What’s a screech owl? Fragt er sich zu Recht. Es ist der Schrei einer Eule, keine Schreieule.

Und ein sea hole ist in Wirklichkeit ein sea Loch. Da stiftet das deutsche Wort Loch Verwirrung. Pech, wenn ein und dasselbe Wort in zwei unterschiedlichen Sprachen zwei unterschiedliche Dinge bedeutet.

„Er trug die Farben des Stuart Clans“ wird auch falsch übersetzt. He wore the Stuart paints??? fragt der Mann nach. Da ist Farbe im Sinne von Wandfarbe, gemeint ist aber Farbe im Sinne von Flagge oder Uniform, also colours nicht paints. Niemand trug Farbeimer durch die Highlands,

Der Mann ist verwirrt. Ich lache.

Und natürlich kann ein Tippfehler die ganze Übersetzung ruinieren. Fehlt auch nur ein y an der entscheidenden Stelle, dann positionierte Alexander einen Arm (arm) statt einer Armee (army) auf dem Hügel und der Mann fragt sich zu recht, warum.

Bildschirmfoto Manuskript

Ein echtes Highlight: His first daughter gave birth to his mother’s maid (Seine erstgeborene Tochter gebar die Dienstmagd seiner Mutter), was den Mann in tiefe Verwirrung stürzte. Hier waren die Possessiv-Pronomen und damit die gesellschaftlichen Beziehungen durch das Verb durcheinander gekommen. Er zeugte vielmehr eine erstgeboren Tochter mit der Dienstmagd seiner Mutter.
Kleiner aber feiner Unterschied.

Was dem Mann ganz besonders gefallen hat ist die Übersetzung von vogelfrei, also einer, der für vogelfrei erklärt wird. Die korrekte Übersetzung wäre outlaw, Google hat es mit bird-free wörtlich übersetzt. Weil der Mann Frauen gerne als birds bezeichnet, hat ihn diese Übersetzung laut lachen lassen. Der arme Rob Roy war frauenfrei.

Und wenn Margaret Forbes dachte, dass ihr Ehemann und seine Männer zurückkehrten, dann waren es nicht her husbands and his husbands es waren her husband and his men. Soo verheiratet war ihr heimkehrender Ehemann dann doch nicht. Auch wenn der Mann husbands, and husbands, and husbands anmerkt. 

Und ja, Cullen Skink ist eines der berühmten Gerichte in Schottland aber die Fischsuppe hat nun ganz und gar nichts mit Justizia zu tun. Ein Suppengericht ist eben kein Amtsgericht, zumindest nach meinem Urteil.

Wir haben noch einige Kapitel durchzuarbeiten und ich freue mich so richtig darauf. Denn wenn’s schon beim Korrigieren Spaß macht, dann kann es doch nur ein Bestseller (Verkaufsschlager) werden!

 

P.S. Keine Sorge, ab nächsten Sonntag geht es wieder weiter mit der Foto Challenge. Eure Bilder sind nicht verloren gegangen! 😊

Ende der Quarantäne

Ich bin wieder frei!

wandern in Schottland

Vierzehn Tage lang habe ich mich streng an die Auflagen gehalten und mich nicht vom Haus wegbewegt. Ich hatte das Pech nach Schottland zu reisen, als die Quarantänepflicht noch bestand. Wer ein paar Tage nach mir eingereist ist, der hatte Glück und konnte tun und lassen, was er wollte.

Aber nun bin auch ich frei zu tun, wonach mir der Sinn steht und der stand mir heute iohone GesundheitsdatenMorgen nach Bewegung und nun, 15 Kilometer später, schone ich meine müden Knochen und schlürfe den Kaffee im Garten. Pünktlich zum Tag der Befreiung aus der Quarantäne ist nämlich das Wetter schön geworden, ein leichter Wind und mitunter Sonnenschein und Zero Regen. Hach! Man könnte sich immer wieder aufs Neue in Schottland verlieben, wenn man dem Land nicht ohnehin schon gänzlich verfallen wäre.

Loch Cluanie

Was mir als erstes aufgefallen ist, als ich mich auf Weg zu meiner Wanderung machte – die Touristen sind zurück und das fast in der alten Anzahl, sie sind auf den Straßen, auf den Wanderwegen, an den Parkplätzen, mit Autos, Wohnmobilen, Zelten. Außer wandern ist ja im Moment auch nicht viel geboten, die meisten Sehenswürdigkeiten machen erst noch auf.

Am Anfang meiner Wanderung fallen mir mehrere Camper auf dem Parkplatz auf, einer zieht sich gerade die Hosen an nachdem er aus seinem Camper gekrochen war. Ich versuche den weiß leuchtenden Hintern zu übersehen. Er sieht mich, steigt in seinen VW Bus und fährt los. Sein Zelt lässt er stehen. Er ist wohl länger hier.

Ich bin nicht die einzige auf meiner kleinen Wanderung. Im Gegenteil. Ich lasse drei Wanderer in SchottlandEngländer an mir vorbeiziehen, die mit Pudelmütze und kurzen Hosen unterwegs sind. Ein Paar und noch eine junge Frau, die ununterbrochen redet. Ich fotografiere sämtliche Blumen und Gräser am Wegrand, bis sie außer Hörweite sind. Manche haben ein Problem mit der großen Weite und der Stille und müssen dieses Unwohlsein mit exzessivem Sprachgebrauch kompensieren. Ich mag Stille.

Orchidee

Wenig später treffe ich auf eine Vierergruppe, zwei Pärchen, die den Berg rauf und runter rennen. Die trainieren offensichtlich für einen Berglauf. Ich stelle mich ins Moor und lasse sie passieren.  Abstand in dieser großartigen Weite zu halten ist nicht weiter schwer, mutet aber etwas seltsam an. Die Schotten haben sich auf 2 Meter geeinigt und ich werde mich als Gast in diesem Land unbedingt daran halten.

Glen Loyne

Später treffe ich einen weiteren Camper, er ist Schotte und wir reden über Gott und die Welt. Ich habe ihm gleich erzählt, dass ich gerade aus meiner Quarantäne komme. Es schien sich durchaus Sorgen zu machen über die Rückkehr der Touristen. Als ich ihn später unten auf dem Parkplatz wiedersehe, reicht er mir einen Zettel mit seiner Telefonnummer. Jederzeit vorbeikommen, wenn ich mal in seiner Gegend bin, sagt er. Er lebt in der Borders. So sind sie eben, die Schotten. Sie können einfach nicht anders als freundlich und offen gegenüber Fremden zu sein. Nicht mal jetzt.

PS: Bald geht es wieder weiter mit der Foto-Challenge und euren Einsendungen. Keine Sorge 😉

Schottland Foto Challenge – ein Mann, eine Idee

Liebe Nellie,

Auch wenn ich es ursprünglich vorgeschlagen hatte, dass wir alle unseren schönsten Bilder einsenden, so war es alles andere als einfach für mich meinen Beitrag zu leisten. Es ist sehr schwer mich zu entscheiden, vor allem da ich die allerschönsten Bilder im Kopf habe und nicht als Foto… Ich kann auch leider nicht so tolle Geschichten zum Besten geben wie meine Vorgängerinnen (wieso eigentlich immer nur Frauen?? Bin ich hier der einzige Vertreter meiner Gattung???)

Ich dachte, ich erzähle einfach mal meine Geschichte wie ich zum Herzensschotten wurde…

Schon als Kind haben mich Geschichte, Burgen, wilde Landschaften und das Meer fasziniert. Bücher wie „Die Schatzinsel“, „Der seltsame Fall von Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ über „William Wallace“, „Maria Stuart“ aber später auch mal Werke von Robert Burns haben mich stundenlang gefesselt. Natürlich aber auch „Outlander“ (als Bücher verschlungen – aber auch als Film sehr genossen) Last but not least – die Geschichte über das Leben unserer Lieblingsautorin mit ihren „Abenteuern Highlands“ hat mich lauthals amüsiert.

2005 habe ich mit meiner damals neu kennengelernten Beziehung spontan meine erste Reise zu Pfingsten mit dem Auto nach Schottland gemacht. Völlig planlos nach Gefühl haben wir in Edinburgh begonnen (eine der schönsten Städte in Europa), dabei jeden Tag wo es uns gefiel quer durch Schottland in einem B & B übernachtet (oder auch mal auf Isle of Skye – wenn nichts zu finden war – im 19,99 € Discounter-Zelt bei strömenden Regen festgestellt, wie besitzergreifend Frauen um jegliche Decke im Schlaf kämpfen können – blutige Nase verursacht durch einen Tritt eines zarten Frauenfusses).

Ich habe auch gelernt, dass die putzigen „Eintagsfliegen“ dann blutsaugende Midges waren, Black Pudding nichts mit einer Süßspeise zu tun hat, Schulenglisch in Schottland – vor allem an der Westküste – soviel bringt wie Polnisch in der Mongolei und dass die Menschen dort eine Gastfreundschaft, einen Humor und eine Herzlichkeit haben, die seinesgleichen sucht.

Über 2500 km später war mir klar, dass ich meinen Herzensplatz gefunden hatte.

 

Danke lieber Andy dass du es noch geschafft hast, wenige Stunden vor Einsendeschluss deine Bilder zu schicken. Ich bin mir sicher, dass nicht nur ich mich darüber freue. Der zweite Teil kommt demnächst. 

Schottlandreise während Corona – Die letzten Meilen

Da war ich nun, endlich auf schottischen Boden. Als erstes verkrümle ich mich in die Toilette und wasche mir gründlich die Hände, was gar nicht so einfach ist in dem Land mit den zwei Wasserhähnen und Waschbecken in Kindergröße.  Das Ritual, das man sich in Deutschland seit Corona am Waschbecken antrainiert hat, muss nun den Bedingungen angepasst werden.

Waschbecken Schottland

Mit dem Mann hatte ich verabredet, dass er mich nicht im Terminal abholt, sondern im Auto draußen wartet. Als ich aus der Zollkontrolle komme, sehe ich, dass er das auch gar nicht gekonnt hätte. Man wird direkt zum Ausgang gelotst, die Halle ist dunkel, nichts hat geöffnet.

Draußen begrüßt mich zuerst der schottische Wind dann der Mann, wie schön, ihn nach fünf Monaten endlich wiederzusehen. Wir fahren gleich los, gemäß der Regularien muss ich unmittelbar zu dem Ort meiner Selbstisolation, darf unterwegs nicht aussteigen oder andere Dinge tun. Deshalb hat der Mann auch eingekauft, bevor er mich abgeholt hat. So gesehen haben die Einschränkungen auch ihr Gutes. Ich lehne mich entspannt zurück.

Kurz bevor wir aus Inverness raus sind, sehen wir, dass der Pizza Laden und das Take-Away aufhaben. Das war bislang nicht so, sagt der Mann, der sicherheitshalber Sandwiches für mich gekauft hat. Es ist schon 19 Uhr und wir haben noch zwei Stunden Fahrt vor uns, deshalb also zwei Pizzen zum Mitnehmen zum stolzen Preis von 19 Pfund. Die Kunden müssen im Freien warten. Wenigstens ist es nur windig aber der Regen kommt schnell.

Highlands

Dann essen wir mit Blick auf Loch Ness im Auto zu Abend und fahren nach Hause. Die Straßen sind sehr leer, aber sie füllen sich langsam wieder sagt der Mann. Ich hätte mehr Camper an den üblichen Touristenstellen erwartete, doch die sind weitgehend leer. Die Behörden haben alles getan, die Menschen vom wilden Campen in Schottland abzuhalten. Das Müllproblem stellt sie in Gebieten mit einem solchen Ausmaß vor große Probleme. Nur zwei Campingbusse sehen wir auf dem Heimweg.

wilde Katze

Dann sind wir zu Hause und die wilde Katze begrüßt mich mit lautem Miau. Von nun ab werde ich ihr viel Gesellschaft leisten können. Weil ich vor dem 10. Juli eingereist bin, muss ich noch 14 Tage in Selbstisolation. Ich darf nicht aus dem Haus und ich darf keinen Besuch empfangen. Auch nicht von der Familie. 14 Tage vollkommene Ruhe und der Blick aufs Meer. Schön!