Der Mann korrigiert mein Manuskript

Regelmässige Leser dieses Blogs wissen Bescheid, ich schreibe einen Reiseführer über Schottland. Es wird kein gewöhnlicher Reiseführer, ich nenne ihn ein Reise-Inspirations-Buch und der Mann steuert die Fotos bei. So weit, so gut. Das Manuskript ist bereits fertig und ich bin mitten in der Korrekturphase während der Mann Bilder zusammenstellt zu einem Text, den er nicht lesen kann, weil er auf Deutsch geschrieben ist. Natürlich lernt er gerade Deutsch aber für ein Buch reicht es noch nicht. Er hat noch nicht mal mein Buch über mein Leben bei ihm gelesen. 

Abeteuer Highlands book promo

Also fragt er kürzlich mit unschuldigem Augenaufschlag: Kannst du den Reiseführer nicht auch auf Englisch schreiben?

Puh! Klar kann ich. Gar kein Problem. Sind ja nur 322 Seiten. Ich denke nach. So schlimm wird es nicht werden. Es gibt ja Google translate.

Ich verbringen einen Tag damit, das Manuskript Seite für Seite in Google Translate einzugeben und das Ergebnis dann in ein anderes Dokument einzufügen. Am Ende des eintönigen Tages habe ich dann ein deutsches Manuskript und ein englisches. Naja, eine Google-Englisches. Was auf den Bilder zu sehen ist, ist die unbearbeitete Google Übersetzung. 

Ich schicke es also dem Mann, damit er es durchliest und mich auf die Fehler im Inhalt und gerne auch der Rechtschreibung hinweist. Ich muss es ja auch noch einmal durcharbeiten aber er darf zuerst, dann hat er schon eine Orientierung für die Fotos.

Noch immer im Lockdown und mit wenig Arbeit, um sich abzulenken, legt der Mann in den Highlands los und schickt mir noch am selben Abend das erste Kapitel korrigiert zurück.

Schon bei der ersten Anmerkung muss ich laut lachen. Da steht nur ein eh? was dem deutschen häh? entspricht und fast genauso klingt. Je mehr ich seine Anmerkungen studiere, desto amüsierter bin ich.

A screech owl? What’s a screech owl? Fragt er sich zu Recht. Es ist der Schrei einer Eule, keine Schreieule.

Und ein sea hole ist in Wirklichkeit ein sea Loch. Da stiftet das deutsche Wort Loch Verwirrung. Pech, wenn ein und dasselbe Wort in zwei unterschiedlichen Sprachen zwei unterschiedliche Dinge bedeutet.

„Er trug die Farben des Stuart Clans“ wird auch falsch übersetzt. He wore the Stuart paints??? fragt der Mann nach. Da ist Farbe im Sinne von Wandfarbe, gemeint ist aber Farbe im Sinne von Flagge oder Uniform, also colours nicht paints. Niemand trug Farbeimer durch die Highlands,

Der Mann ist verwirrt. Ich lache.

Und natürlich kann ein Tippfehler die ganze Übersetzung ruinieren. Fehlt auch nur ein y an der entscheidenden Stelle, dann positionierte Alexander einen Arm (arm) statt einer Armee (army) auf dem Hügel und der Mann fragt sich zu recht, warum.

Bildschirmfoto Manuskript

Ein echtes Highlight: His first daughter gave birth to his mother’s maid (Seine erstgeborene Tochter gebar die Dienstmagd seiner Mutter), was den Mann in tiefe Verwirrung stürzte. Hier waren die Possessiv-Pronomen und damit die gesellschaftlichen Beziehungen durch das Verb durcheinander gekommen. Er zeugte vielmehr eine erstgeboren Tochter mit der Dienstmagd seiner Mutter.
Kleiner aber feiner Unterschied.

Was dem Mann ganz besonders gefallen hat ist die Übersetzung von vogelfrei, also einer, der für vogelfrei erklärt wird. Die korrekte Übersetzung wäre outlaw, Google hat es mit bird-free wörtlich übersetzt. Weil der Mann Frauen gerne als birds bezeichnet, hat ihn diese Übersetzung laut lachen lassen. Der arme Rob Roy war frauenfrei.

Und wenn Margaret Forbes dachte, dass ihr Ehemann und seine Männer zurückkehrten, dann waren es nicht her husbands and his husbands es waren her husband and his men. Soo verheiratet war ihr heimkehrender Ehemann dann doch nicht. Auch wenn der Mann husbands, and husbands, and husbands anmerkt. 

Und ja, Cullen Skink ist eines der berühmten Gerichte in Schottland aber die Fischsuppe hat nun ganz und gar nichts mit Justizia zu tun. Ein Suppengericht ist eben kein Amtsgericht, zumindest nach meinem Urteil.

Wir haben noch einige Kapitel durchzuarbeiten und ich freue mich so richtig darauf. Denn wenn’s schon beim Korrigieren Spaß macht, dann kann es doch nur ein Bestseller (Verkaufsschlager) werden!

 

P.S. Keine Sorge, ab nächsten Sonntag geht es wieder weiter mit der Foto Challenge. Eure Bilder sind nicht verloren gegangen! 😊

4 Gedanken zu “Der Mann korrigiert mein Manuskript

  1. Liebe Nellie,

    herrlich wenn der Sonntag mit Lachsalven beginnt, vielen dank dafür.

    Ja, so ein Übersetzer kann schon zu Verwechslungen führen, was aber dem Spass keinen Abbruch tut, und du hast den Mann, der mit schottischen Humor, alle bei Laune hält

    Jetzt schlürfe ich meinen Tee und überlege mir was das Gegenstück zu dem Mann seiner Aussage zu, “ Frauen sind Vögel “ Sind. Wenn Frauen Vögel sind können Männer nur Kater sein 😂😂😂

    Ich wünsche euch einen schönen Sonntag und viel Spaß beim arbeiten am Seelen Buch. Grüß mir den Mann.

    Liebe Grüße
    Kar

  2. Guten Morgen Nellie,

    Ja,, best decision ever – das neue Buch auch auf Englisch herauszubringen.

    Wobei ich immer noch der Meinung bin, dass sich auch „Abenteuer Highlands“ in englischer Form gut machen würde.
    Also falls Dir hier mal die Arbeit ausgeht, das Wetter sehr lange sehr schlecht ist oder wir längere Zeit nicht mehr nach Deutschland können… 😉
    Aber bitte zuerst noch den zweiten Teil von Deinen Abenteuern herausbringen…

    Frag doch mal Deinen Liebsten was die Schotten gegen ca. 250 juckende Midgesbisse machen? Hoffentlich nicht mit Whisky einreiben…. wobei ich sogar den opfern würde…

    VG von einem der schönsten Plätze auf der Welt..
    Andy

  3. Liebe Nellie,
    Google Translate ist nur für eines gut … um zu lachen. Wesentlich besser und auch kostenfrei ist DeepL.
    Aber viel schöner finde ich die false friends. Mit denen hat mich mein letzter Lehrer „gequält“. Leider konnte ich mir nicht alles merken – habe leider kein Ohr für Fremdsprachen – aber nun weiß ich wenigstens, warum mich die Schotten manchmal ein weniger schräg angeschaut haben. Wobei die meisten ja sehr höflich sind, aber das Zucken der Mundwinkel verrät sie dann doch wieder.
    Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespannt, was alles noch zwischen den kleinen (mühsam übersetzen) Leseproben steht. Ich freue mich jetzt schon darauf!

    LG
    Britta

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