Kein Königreich dank eines Pferds

Im Jahr 1286 sollte ein Pferd eine entscheidende Rolle in der Geschichte Schottlands spielen. Es war Mitte März und die Nächte lang und kalt. König Alexander III saß gemütlich mit ein paar Höflingen in Edinburgh und ließ es sich gut gehen, er tafelte und trank und dann fühlte er sich ziemlich allein.

Der König war in Roxburgh geboren und saß auf dem Thron, seit er sieben Jahre alt war.  Er war nicht nur der älteste Sohn des Königs Alexander II, er war auch der Enkel des Königs William the Lion. Er heiratete, wie man es von ihm erwartete. Seine Frau war Margaret, Tochter des englischen Königs. Er zeugte drei Kinder, Margaret, Alexander und David. Die Tochter Margaret heiratete den König von Norwegen und starb. Die Söhne Alexander und David starben beide bevor sie alt genug waren, Nachkommen zu zeugen. Auch seine Frau starb, nachdem sie die drei Kinder geboren hatte. Es blieb nur die Tochter seiner Tochter, das Baby Margaret in Norwegen als Erbin übrig.

Alexander hatte (und das würde sich wie ein elender Leitfaden durch die schottische Geschichte ziehen) keinen direkten Erben mehr. Was in einem Land passierte, das keinen König hat oder einen König, der noch nicht alt genug war, das Land zu regieren, das hatte er selbst erfahren. Vierzehn Jahre lang war Schottland ohne regierenden König, bis Alexander im Alter von 21 Jahren die Regierung übernahm. Das Land war zerrissen von den Machtkämpfen der rivalisierenden Adligen im Namen des minderjährigen Königs.

Also machte Alexander sich daran, weitere Nachkommen zu zeugen und heiratete die schöne Gräfin Yolande de Dreux aus der Bretagne. Mit einer deutlich jüngeren Frau aus gutem Haus sollte es doch möglich sein, einen Erben zu stellen. Er wollte nicht der letzte König der gälischen Linie sein.

In diesem Sinne zurück also zu dem feuchtfröhlichen Abend in Edinburgh Castle und König Alexander, der plötzlich seine junge Ehefrau furchtbar vermisste und beschloss, sie noch in derselben Nacht aufzusuchen. Sie waren frisch verheiratet und die Königin war nicht in Edinburgh sondern in Kinghorn, dem Sitz des Paars auf der anderen Seite des Firth of Forth, den im 13. Jahrhundert natürlich noch keine Brücken überspannten. Es gab nur eine Fähre.

Der König war nicht mehr zu halten, die Höflinge versuchten es aber ohne Erfolg. Vom Alkohol bestärkt machte sich Alexander auf den Weg. Ein Sturm braute sich zusammen und der Fährmann wollte ihn erst nicht übersetzen. Doch der König ließ seine royalen Muskeln spielen und bestand auf der Überfahrt. In North Queensferry angekommen, nahm er sich ein frisches Pferd und ritt weiter. Der Name dieses Pferdes ist nicht überliefert aber es hatte einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den weiteren Verlauf der schottischen Geschichte. Alexander ritt Erlkönig gleich durch den Sturm zu seiner jungen Frau und das so schnell, dass er den Kontakt zu seinen Wachen verlor, die ihren König selbstverständlich begleiteten. Während dieses halsbrecherischen Ritts über den Klippenpfad nach Findhorn nun ereignete sich die Tragödie. Nur etwas mehr als einen Kilometer von seiner Burg und der schönen Frau entfernt, stürzte er ab. Das Pferd muss im Dunkeln den Tritt verloren haben und fiel mit dem Reiter in die Tiefe.

Der König war tot. Diener fanden seinen Leichnam am nächsten Morgen am Strand. Er hatte sich das Genick gebrochen. Alexander II war erst 44 Jahre alt. Als die junge Königin am Morgen aufwachte, war sie Witwe. Der 19. Mai  war ihr Geburtstag

Schottland war wieder ohne Herrscher aber Alexander hatte vorgesorgt und seine Enkeltochter, die kleine Margaret von Norwegen als Erbin bestimmt. In der gälischen Kultur herrschte nicht die direkte Erbfolge (Primogenitur) sondern vielmehr die erweiterte, die über den Großvater kam und für alle Nachkommen gleichermaßen galt.

Die Dreijährige, die sogenannte Maid of Norway war selbstverständlich zu jung, um zu regieren. Sie hatte die Mutter verloren und eine Reise wie die nach Schottland kam zunächst nicht in Frage. Erst als sie sieben Jahre alt war sollte sie die Reise nach Schottland antreten. In der Zwischenzeit regierten sechs Männer das Land.

Zwei der mächtigsten, Balliol und Bruce, hatten an geschworen, das Mädchen als Königin anzuerkennen, sie hatten über eine andere Linie ebenfalls Anspruch auf den schottischen Thron. Ihr Schwur war wichtig für Sicherheit und inneren Frieden. Aber auch der äußere stand auf sehr wackeligen Füßen. Englands König bleib eine ständige Bedrohung. Alle warteten nun auf die Ankunft der jungen Prinzessin aus Norwegen. Doch sie sollte nie schottischen Boden betreten. Sie starb auf den Orkney Inseln (die im 13. Jahrhundert noch zu Norwegen und nicht Schottland gehörten). Die königliche Linie Schottlands war am Ende. Wer sollte nun das Land regieren?

Die Antwort auf diese Frage würde sich lang hinziehen und viele erbitterte Kämpfe brauchen, bis sie beantwortet war. Ein Herrscher aus der gälischen Linie würde es nicht mehr sein.

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Ardchattans Mordopfer

Ardchattan ist ein altes Kloster, das vor fast 800 Jahren von Duncan Mac Dougall, Lord of Lorn, gegründet wurde. An den Ufern von Glen Etive war es jahrhundertelang das Zentrum des kirchlichen Lebens dieser Gegend, bis Cromwells Truppen es 1654 niederbrannten. Das angrenzende Haus und der schöne Garten befinden sich in Privatbesitz. Im kleinen Friedhof wurde das wohl berühmteste Mordopfer der schottischen Geschichte beigesetzt: Colin Campbell von Glenure, the red fox, das vermeintliche Opfer des Appin Mörders James of the Glen.

Ein Opfer, dem oft  wegen der tragischen Ungerechtigkeit der Hinrichtung des mutmaßlichen Mörders, zu wenig Beachtung geschenkt wurde. Doch nur weil das Gerichtsverfahren zu seinem Mord kein gerechtes war, darf man den Preis, den er bezahlt hat, nicht ignorieren.

Sein Tod war tragisch für seine Familie, sein Mord ein politisches Schaufenster und sein Begräbnis ein sehr öffentlicher Ruf der Campbells nach Gerechtigkeit. Der Mord nahm außergewöhnliche Dimensionen an, der Trauerzug war beeindruckend. Nach der Säkularisaton ging das Kloster in den Besitz der Campbells über. Hier wurde der Rotfuchs beigesetzt.

Die Leiche des Mordopfers  wurde im Barcaldine House (heute ein Hotel, aber damals im Besitz von Colin Campbells Halbbruder Duncan Campbell) auf dem Weg zu seiner Beerdigung im Ardchattan Priory aufgebahrt.  Die Beerdigung musste verschoben werden, damit alle Verwandten genügend Zeit hatten, um anzureisen. Angeblich spukt sein Geist noch immer in dem Hotel. Zumindest ist er mehrfach gesehen worden.

Colin Campbell wurde am 26. Mai 1752 beigesetzt, wo seine Vorfahren seit dem 15. Jahrhundert beigesetzt wurden. Der Ort hat einen ganz eigenen Zauber, eine Stille und Ernsthaftigkeit, die einen Besuch lohnt.

Seinen vermeintlichen Mörder hat man hingerichtet, der wahre aber entkam.