for those quiet moments on Sunday afternoons

©nme promo pic Scotland for Quiet Moments
Scotland for Quiet Moments is available as ebook and paperback on Amazon.

Scotland is a country full of history, stories and secrets. Often, the three cannot be separated. That is what makes this country so wonderful and unique. The stories of this book have been discovered and gathered for Nellie Merthe Erkenbach’s blog, Graveyards of Scotland, over many years. 

Her main sources were historical travel guides from the 18th and 19th centuries, where the finds were scary, beautiful, funny, and sometimes, cruel.This unusual approach to a country’s history has produced amazing results. You don’t have to share the author’s passion for cemeteries to enjoy this book; only a small number of the stories in this collection take place in graveyards, though they do all end in them, so perhaps it helps.

The fairy hill in Inverness, a nitrate murder on Shetland, a family of left-handers, wolves, Robert the Bruce and William Wallace shown in a new light, the secret bay of the writer Gavin Maxwell, a murdering poet and so many things you didn’t know about Scotland, its clans and its history.

Scotland For Quiet Moments is available @Amazon.

Beziehungs-Crunch

Da leben wir nun, Tag ein Tag aus seit Jahren in einer glücklichen Fernbeziehung, was unmöglich scheint aber komischerweise dennoch sehr gut funktioniert. Der Mann in Schottland, ich in Deutschland und im Sommer und Winter wir beide zusammen und über eine längere Zeit in Schottland. So geht Fernbeziehung 2.0.

Deutschlands kulinarische Vorzüge

In den Getrenntphasen lebe ich mein deutsches Leben und genieße die Dinge, die mir Deutschland so bietet: schnelles Internet, dunkles Brot, frisches Obst und Gemüse. Und gelegentliche ärgere ich den Mann mit einem Foto von meinem Wurstsalat. Der Mann liebt Wurstsalat und den gibt es halt in Schottland nicht. Und Mann ärgern darf man, wenn man ihn vermisst.

low carb

Doch nun hat der Mann kulinarisch zurückgeschlagen – mit Toffe Crunch. Das sind ganz wunderbare Dreiecke aus cremigem Toffee mit Crisp. Himmlisch! Ok, sie sind weder low carb noch low cal oder gar low chol aber was soll’s, sie sind hochgradig lecker. Nein mehr: Ich liebe sie. Und der Mann liebt sie auch, fast noch mehr als Wurstsalat. Und ich bin, so stelle ich mit Erstaunen fest, extrem neidisch auf die Möglichkeit, sich welchen zu kaufen.

toffee crunch

Scotmid in Drumnadrochit

Wenn wir uns abends auf Skype unterhalten und der Mann ganz beiläufig erwähnt, dass er am nächsten Morgen dienstlich nach Inverness muss, dann schrillt in meinem Kopf der Toffee Alarm. Wenn er nach Inverness fährt, dann fährt er durch Drumnadrochit und dort (und nur dort) im kleinen, neuen Supermarkt am Kreisverkehr gibt es diese Köstlichkeit zu kaufen. Im Übrigen noch jede Menge anderer lustige Dinge, wie richtige Baguettes frisch belegt und eine Costa Kaffeemaschine, die einen mit Baristalärm beschallt, während die geschäumte Milch langsam in den Becher tropft.

Erwähnt er Inverness erhebe ich meinen Zeigefinger und sage „Aber kein Toffee Crunch!“  Ich bin ja schließlich besorgt um seine Gesundheit.

Toffee Crunch

Er lächelt still und schickt mir am nächsten Tag ein Bild. Er kauft immer zwei. Eines für ihn, eins für mich. Aber weil ich nicht da bin, muss er das am nächsten Tag selbstlos selbst essen. Und ich?? In der Toffee Crunch Diaspora Deutschland??? Ich spare mir zwar die geschätzt tausend Kalorien, aber ich schmecke förmlich das cremige Toffee auf meiner Zunge und höre das knusprige Crunch beim Zubeißen. Naja, ich habe viel Fantasie.

Immer wenn der Mann nach Inverness fährt, dann leide ich. Ich hab nur einen Trost, wir sind nicht die Einzigen, die den Toffe Crunch von Drumnadrochits Scotmid entdeckt haben. Oft ist er schon ausverkauft, wenn der Mann vorbeischaut.

Wurstsalat

Gestern Abend auf Skype hat er mich gefragt, was ich am nächsten Tag so mache. Sport sage ich und ich muss Lebensmittel kaufen, zum Metzger und so. Da blickt er ruhig, fast ausdruckslos in die Kamera und sagt mit einem fast nicht erkennbaren Lächeln: „Aber …“ und hebt den Zeigefinger wie eine Fleisch gewordene Unterlassungsklage in die Höhe. „Kein Wurstsalat!“

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Der Kopf im Koffer

Gorgeous“, sagt der Mann zu mir mit diesem für Glasgow so typischen Overstatement der weiblichen Vorzüge seiner Partnerin, „ich habe dein Weihnachtsgeschenk und ich möchte es dir jetzt schon geben. Es ist Ende November und noch ein ganzer Monat bis Weihnachten, was bei mir zwei Fragen gleichzeitig aufwirft:

  1. Warum hat der Mann schon mein Weihnachtsgeschenk gekauft?
  2. Warum kann er es nicht selbst mitbringen, wenn er mich an Weihnachten besuchen kommt? Dieses Jahr ist das Jahr Weihnachten mit der deutschen Familie.

„Es wäre mir lieber du nimmst das durch den Zoll, bei mir könnte es Probleme geben.“ meint er als Erklärung.“

Werden langhaarige Männer mit Bart strenger kontrolliert als Frauen frage ich mich kurz? Ich vermute allerdings schon. Aber was nur will er nicht durch den Zoll bringen?

Skull

Einen Totenkopf. Fantastisch! So einen habe ich schon immer gewollt für die Bibliothek. So als Sinnbild für die Sterblichkeit. Und weil ich Hamlet liebe, zum großen Monolog gehört einfach ein Schädel. Alas, poor Yorrick!

Totenschädel im Koffer

 

Aber nun sehe ich auch das Problem am Flughafen … ich habe einen Kopf im Koffer und auch wenn es sich um eine Theaterrequisite handelt, sieht sie doch täuschend echt aus.

Am nächsten Morgen beim Einchecken am Flughafen von Inverness wispere ich leise der Schalterdame entgegen: „Ich hab‘ da was Ungewöhnliches im Koffer, nur wegen ihres Scanners, es ist ein….

„Dann bitte zum Sondergepäck da drüben.“ sagt sie bestimmt, ohne auch nur im Ansatz wissen zu wollen, um was es sich handelt.

Totenschädel verpacktAlso rüber zum Sondergepäck, wo sonst nur die mit Skiern oder Kinderwägen anstehen. Nun also ich mit meinem Totenschädel. Ein Schotte Mitte vierzig liegt müde in seinem Stuhl, es ist kurz nach 5 Uhr am Morgen und wir sind alle noch nicht wach. Neben ihm sitzt eine aufrechte, aufgeweckte junge Kollegin, die mit offensichtlichem Eifer dabei ist, ihren Job zu lernen.

„Ich habe da etwas Ungewöhnliches in meinem Koffer.“ sage ich mit leiser Aufregung in der Stimme. Der Mann bleibt auf seinem Stuhl liegen und winkt nur lässig ab.

„Alles schon gesehen!“ sagt er. Seine Kollegin dagegen hat die Wichtigkeit dieser Aussage erkannt und sitzt nun noch aufrechter als eben schon.

„Aber ich hab‘ einen Schädel“ sage ich mit Vorwurf in der Stimme. Ich habe alle 12 Staffeln von Bones – die Knochenjägerin gesehen, ich weiß genau, wie echt mein Schädel aussieht.

Totenkopf

„Alles schon gesehen!“ winkt er wieder ab, rollt aber nun mit dem Bürostuhl vor seinen Monitor und prüft das Gepäckstück, das ich aufs Laufband gelegt habe. Die junge Kollegin prüft leidenschaftlich mit. Wahrscheinlich hat sie noch nicht alles gesehen.

Er nickt und ich frage, ob ich auch mal sehen darf. Er nickt wieder und dreht den Monitor. Mann kann jede Einzelheit erkennen von dem Kopf, den ich im Koffer transportiere. Wäre ich die schottische Flughafenpolizei, ich würde mich wegen Mordes verhaften.

Ich bekomme statt dessen meinen Quittungszettel und kein Mensch fragt mich mehr nach meinem Kofferinhalt. Auch nicht in Heathrow, wo ich meinen zweiten Flug antrete. Ganz so, als ob ständig irgendein Deutscher mit einem Schädel im Gepäck aus Schottland zurückkommt.

Vielleicht bin ich ja nicht die Einzige mit einer Bibliothek…..

Skull and light

 

 

 

 

 

 

 

Regenfluch

Ich bin ein Idiot!

Hab ich wirklich geschrieben: “Ich will Regen!” ???

junge Moewe im Regen

Der Wunsch wurde mir gewährt, großzügig, schnell und im Übermaß.

Es regnet seit Tagen. Die Wolkendecke hängt eine gefühlt Handbreit über dem Erdboden. Windgetriebener Dauerniesel mit gelegentlichen Wolkenbrüchen. Wie Geister, die ich rief, zieht Grau über sattgeregnete Berge.

Isle of Mull

So erfolgreich hab ich noch nie gewünscht.

Die Flipflops sind wieder im Schrank und die Gummistiefel haben Hochkonjunktur. Ich koche heiße Suppen habe aber Sehnsucht nach Sommersalat. Der Mann eher nicht, der mag keinen Salat, egal welches Wetter.

TainDumm ist nur, daß der Regen unsere gemeinsame Urlaubswoche begleitet hat. Ob in Argyll, Sutherland oder Fife, es hat geschüttet als wolle der Wettergott beweisen, wie intensiv er meinen Blog liest.

Das Geräusch von Wassermassen, die aufs Autodach prasseln, hat uns eine Woche lang unterhalten.

Isle of MullNaja, ein bischen was gesehen haben wir trotz der Dauerregenschleier schon. Gemeinsam mit den vielen anderen triefenden Touristen, die derzeit in Funktionskleidung und Fleecepullovern den schottischen Sommer genießen. Wenigstens wissen die nicht, dass das alles meine Schuld ist.

Edinburgh Castle

Ich habe mir Regen gewünscht und habe ihn bekommen. Lieber Wettergott, falls du wieder den Blog liest….

Kann ich bitte wieder Sonne haben???

Erstens kommt es anders…..

Wenn man (oder in diesem Fall wenn Frau) einen Einkaufswagen voller Vorräte bei Starbucks parkt, dann läuft nicht alles rund. So viel ist ohne die genauere Analyse der Tatsachen ersichtlich. Die meisten Menschen nehmen ihren voll gepackten Einkaufswagen aus dem Supermarkt nicht mit auf einen entspannten Kaffee.

StarbucksAber… die meisten leben ja auch nicht in den schottischen Highlands. Da kann einem so was schon mal passieren.

entspannt geniessenAnstatt sich mit einem Krimi samt Café Latte den Tag zu entspannen, sitzt man auf glühenden Kohlen, unfähig sich auch nur auf eine Zeile des Buchs zu konzentrieren. Wäre ich nur wo anders! Gott sei Dank ist es noch so früh am Morgen, daß nur drei Menschen im Café sitzen.

Das Schlimmste ist, dass Starbucks hier auf einer offenen Galerie über einem Modegeschäft thront auf einer Art halbem, offenen Stockwerk. Man muß durch den ganzen Laden durch, um zum Aufzug zu gelangen. Mitsamt dem widerspenstigen Einkaufswagen zwischen Sommerpullies, Lederflipflops und Strandkleidern hindurch.

Nein, ich komme mir natürlich nicht blöd vor. Niemals!! Überhaupt nicht!!!

„Gott sei Dank ist der Laden (New Look) noch einigermaßen leer“, denke ich und „Wo zum Teufel steckt der Mann denn bloß?“ Ich sitze, allein gelassen mit meiner Petersilie, dem Cheddar Käse und der Scheuermilch im Café und warte. Starbucks Highland Style.

Endlich kommt der Mann, um mich zu retten.

Arnold Clark InvernessZwei Stunden nachdem er mich in Inverness am Supermarkt abgesetzt hat, um schnell den Dienstwagen zur Inspektion zu bringen und den Leihwagen abzuholen. Berechnete Fahrtzeit max 15 Minuten. Ergo berechnete Mannabwesenheit 30 Minuten plus 30 Minuten Formulare ausfülllen und Kram. Macht eine Stunde Einkaufszeit im Supermarkt. Nach deutscher Rechnung.

Highland-Rechnung geht so:

  • Der Mann setzt mich ab und raucht erst mal eine      5 Minuten
  • Fahrt durch den Berufsverkehr in Inverness      20 Minuten
  • Die Werkstatt hat den versprochenen Leihwagen nicht, Diskussion     20 Minuten
  • Der Mann denkt nach und raucht erst mal eine     5 Minuten
  • Der Mann versucht anderweitig einen Mietwagen zu organisieren     55 Minuten
  • Fahrt ohne Berufsverkehrs zurück zum Supermarkt     15 Minuten
  • Der Mann steigt aus und raucht erst mal eine     5 Minuten

Ich sitze immer noch mit meinem Einkaufswagen bei Starbucks. Als der Mann dann endlich auftaucht, ist das Autoproblem noch immer nicht gelöst. Der Mietwagen kommt erst in 2 Stunden.

2 Stunden Highland Zeit…..

Zumindest haben wir genug zu Essen in unserem Einkaufswagen, falls es dann doch ein wenig länger dauern sollte….

 

 

 

Mülltrennung

waiting for the bin men

Als Deutsche, Greenpeace-Mitglied und ehemalige Freiburgerin bin ich qua Nation, Überzeugung und früherem Wohnsitz hochgradig qualifizierte Expertin für wichtige Aufgaben im Leben:

Mülltrennung!

Ja, ich kann sie alle: gelbe Tonne, grüne Tonne, braune Tonne, graue Tone, Glasmüll….. ich sortiere, trenne und recycle, spüle Plastikbecher und reiße mit feiner Vorsicht die Plastiksichtfensterchen von den Barilla Nudelkartons bevor ich sie in den Papiermüll gebe. Ich habe ein Müllgewissen.

Und damit ein Problem in den Highlands.

BierdoseSchon vor fast 25 Jahren, als ich in Glasgow studierte, ging ich den weiten Weg zur can bank, um die leeren Bierdosen (Flaschen gab es damals nur Fürstenberg und deutsches Bier wollte man ja nicht rinken) zum Recycling zu geben. Was in wilden Studentenjahren unweigerlich die Gefahr einer Sehnenscheidenentzündung mit sich brachte: Griff in die Tüte, Bierdose locker aus den Handgelenk in die runde Öffnung des Dosencontainers, Griff in die Tüte, Bierdose locker aus den Handgelenk in die runde Öffnung des Dosencontainers, Griff in die Tüte, Bierdose locker aus den Handgelenk in die runde Öffnung des Dosencontainers, Griff in die Tüte ……

Heute ist in Schottland Mülltrennung so normal wie bei uns, nur in den Highlands ist es natürlich nochmal anders. Das Problem liegt darin, dass es in der Wildnis eben keine großen Trenn- und Weiterverarbeitungsmäglichkeiten gibt. Dazu ist das Sammeln zu umständlich und das Aufkommen nicht groß genug. Das bedeutet: in den Highlands gibt es Mülltrennung nur in der light Version.

Die grüne Tonne ist für den Restmüll und die blaue fürs Recycling. Da kommt alles rein außer Glas, Plasikbecher, -dosen, -schalen, -deckel, keine PET Kartons, dafür aber Dosen. Papier und Plastikflaschen, alles zusammen in einen Mülleimer.

blaue TonneBrav konsultiere ich vor jeder Entsorgung die Liste, die der Mann seiner wunderlichen Deutschen ausgedruckt hat.

Den Müllmännern habe ich vorsorglich ein Weihnachtsgeschenk gemacht. Der Mann sagt, sie leeren den Mülleimer nicht, wenn der Müll nicht korrekt getrennt ist. Doch mich beschleicht der leise Verdacht, daß es auch daran liegen könnte, daß der Mann gerne Mittwoch vergisst. Mittwochs wird der Müll abgeholt. Ab Donnerstag fängt er dann an, den auch den Müll der nächsten zwei Wochen in die Tonne zu pressen. Wahrscheinlich kriegen die den Pressmüll gar nicht wieder aus der Tonne, wenn sie denn mal unten an der Straße zum leeren steht. Der Mann ist nämlich Experte für Müllpressung.

MuelleimerIch trenne derweil vor mich hin. Ich weiss meist, wann Mittwoch ist.

Nicht weit von hier gibt es auch eine Sammelstelle für Glas. Da fahre ich regelmäßig hin: vorsichtiger Griff in den Karton, leere Weinflasche locker aus den Handgelenk in die runde Öffnung des Flaschencontainers, vorsichtiger Griff in den Karton, leere Weinflasche locker aus den Handgelenk in die runde Öffnung des Flaschencontainers, vorsichtiger Griff in den Karton, leere Weinflasche locker aus den Handgelenk in die runde Öffnung des Flaschencontainers, vorsichtiger Griff in den Karton, leere Weinflasche locker ….

 

 

Kalender

Kürzlich habe ich im Drogeriemarkt einen Kalender gekauft. Das ist eigentlich nicht weiter berichtenswert, definitiv aber betrachtenswert.

Der Kalenderkauf ist eine im Prinzip völlig unnötige Aktion, denn ich habe ja schon einen. Grundschüler haben ihn gestaltet, sehr süß.

Dennoch, ich will diesen anderen Kalender unbedingt. Ich recherchiere, wo man ihn erwerben kann. Er wird an sämtlichen Tankstellen der Region und in der Drogerie in nächst größeren Ort, der etwa eine halbe Stunde Autofahrt entfernt liegt, verkauft.

Wildziegen Das klingt ungefährlicher, als es ist im Winter. Ich muss nämlich erst einer haarigen Horde Wildziegen ausweichen, die sich zum Lunch im Ort zusammen gerottet haben. Es gibt wohl nicht mehr viel zu fressen oben in den Bergen. Und in dem kleinen Fiat Panda fühlt man sich nicht ganz so unüberwindlich, wie man es zur eigenen Beruhigung gerne möchte.

Ich überstehe den Moment unverletzt und mit der Souveränität eines afrikanischen Wildhüters mit jahrzehntelanger Safarierfahrung und mache mich auf den Weg zu meinem Kalender.

Ein Stapel liegt direkt an der Kasse aus, im Sonderangebot, 50% Rabatt. Das kann doch nur an der Tatsache liegen, daß der Januar fast schon zu Ende ist. Oder sollte etwa der Kalender nicht den gewünschten Absatz gefunden haben?

Ich kann es mir nicht vorstellen, denn was die „Spielerfrauen“ des Shinty Clubs Kinlochshiel da aus der Handtasche gezaubert haben, ist allererste Liga!

Kinlochshiel Shinty Club (1)

Netterweise bakommt man in der Drogerie mit dem Kalender auch einen neutalen, weißen Umschlag, in den er gesteckt wird.  Ganz unauffällig.

Ich fahre stolz mit meinem Sonderangebotsschnäppchen nach Hause, wo der Mann nicht gerade begeistert ist von der Idee, den Kalender in die Küche zu hängen.

Naja, er mag eher Fußball.

Montag, Dienstag, Mittwoch…. Diardaoin, Diahaoine, Disathairne

Ich wusste ja, daß es nicht einfach werden würde aber so schwer hab ich es mir nun doch nicht vorgestellt: als wäre ich mit unheilbarer babylonischer Sprachverwirrung inmitten der schottischen Einsamkeit geschlagen.

Der Mann lernt Gälisch und ich bin mit zum Unterricht: Lektion 73, deren Höhepunkt eine sechszeilige Unterhaltung zum Thema Kürbis ist.

So schwer kann das ja alles gar nicht sein. Schließlich spreche ich mehrere Sprachen und habe Sprachwissenschaften studiert.

Ich kenne mich aus…….

Das schottische Gälisch gehört zu den q-keltischen Sprachen und ist nicht zu verwechseln mit den p-keltischen Sprachen in denen der indogermanische Labiovelar [K] zu [P] gewandelt wurde. Wie im Bretonischen, zum Beispiel. Ja, solche Dinge hab ich gelernt auf der Universität. Sag nochmal einer da lerne man nix fürs Leben.

Ich weiß, daß das schottische Gälisch hauptsächlich auf den Western Isles, in den Highlands und in Glasgow gesprochen wird. Letzteres vor allem wegen der Migration (Arbeit für die Landbevölkerung in der Großstadt unter Beibehaltung der eigenen Identität). Nur 1% der Schotten spricht diese alte Sprache noch.

Hier in den Highlands sind es verhältnismäßig viele. Die Straßenschilder sind zum Beispiel zweisprachig. Die schottische Regierung hat viel getan, um die Sprache zu erhalten. Ganze Schulen oder Klassenzüge haben Gälisch als Unterrichtssprache für alle Fächer. Und in der Erwachsenenbildung werden billige Kurse angeboten.

Wie meiner mit der Kürbislektion.

Und damit fangen die Probleme an. Nichts spricht man aus, wie man es schreibt. Keines der Worte kann man raten, wie ich es im Französischen oder Italienischen gelegentlich mache. Die Grammatik bleibt schleierhaft. Das Verb steht am Satzanfang. Und die Laute sind schön aber fremd. Nach 90 Minuten mitmachen, nachsprechen und rumstottern bin ich nicht viel weiter, als am Anfang. Was keinesfalls an der fröhlichen, geduldigen und humorvollen Lehrerin liegt: Ina, you were great!!

Ich kann sagen: Tha an t-aodann seo gun gruaidhean.

Das heißt auf Deutsch: Das Gesicht hat keine Wangen.

???

Das erinnert mich ein wenig an mein Latinum, von dem nur ein Satz wirklich in meinem Gedächtnis haften geblieben ist: Rana capillos non habet.

Der Frosch hat keine Haare.

Beide Sätze sind ähnlich nutzlos im täglichen Gebrauch. Ganz im Gegensatz zum Kürbisgespräch, das man hier oben unter den Croftern durchaus mal führen könnte, wenn man es richtig hinbrächte…

Es gibt immer mehr Deutsche, die das schottische Gälisch richtig gut sprechen können. Und so gut wie alle Deutschen wissen, daß das Wort Whisky aus dem Gälischen stammt und „Wasser des Lebens“ bedeutet.

Ich scheitere schon an Kürbissen.

‘S fheàrr iad as t-fhgohar. Fàg e an t-àm seo, a luaidh!

Was soviel heißt wie: „Sie sind besser im Herbst als sie es jetzt sind, meine Liebe.“

Ich mache meine Hausaufgaben und hoffe darauf, daß auch ich bald ein echter Kürbis bin – im Herbst viel besser als jetzt.

Das zweite Gesicht

Die gute Nachricht zuerst: wir waren auf dem Elfenhügel und sind vor den befürchteten 200 Jahren wieder zurückgekehrt. Ohne auch nur eine einzige Elfe getroffen zu haben.

fairy hill

fairy hill

Tomnahurich ist dennoch ein geheimnisvoller Ort, dunkel und still.

Tomnahurich graveyard, Inverness

Tomnahurich graveyard, Inverness

Obwohl der Friedhof am Rande von Inverness, der größten Stadt in den Highlands liegt, scheint er sehr verlassen und fern.                                

Zwei erstaunliche Dinge haben meine Recherchen für Tomnahurich ergeben. Neben der Elfen.

Mitte des 17. Jahrunderts lebte (und das taucht in mehreren historischen Quellen auf) ein einsamer Mann im Westen Schottlands, den sie den Brahan Seer, der „Seher von Brahan“ nennen, auf Gälisch Coinneach Odhar. Vermutlich auf der Hebrideninsel Lewis geboren, führte ihn seine Gabe an viele Orte und trieb ihn bald auch wieder weiter, Lewis, Kintail, Black Isle. Der „Seher von Brahan“ sagte zahllose große und kleine Dinge voraus, viele wurden wahr, zum Teil in allen noch so verwunderlichen Details. Ein ungelöstes Rästel bis heute.

Zwei seiner Vorhersagen betrafen Tomnahurich.

So seltsam es dir auch scheinen mag, die Zeit wird kommen, und sie ist nicht weit, wenn hinter Tomnahurich große Schiffe von Ost nach West segeln werden.

Das war Mitte des 17. Jahrhunderts völlig unmöglich, da Tomnahurich sowohl vom Meer als auch von Loch Ness viele Meilen entfernt liegt.

1822 wurde der Caledonian Canal fertig gestellt. Er verbindet die Seen des Great Glen mit dem Meer. Seitdem fahren Schiffe hinter Tomnahurich vorbei, der Kanal liegt direkt am Hügel.

Caledonian Canal

Caledonian Canal

Die zweite Vorhersage war zu der Zeit, in der sie gemacht wurde ähnlich unvorstelbar.

Der Tag wird kommen, wenn der Elfenhügel Tomnahurich verschlossen sein wird und die Geister darin sicher.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde Tomnahurich zu einem großen, umzäumten Friedhof mit Öffnungszeiten. Die Geister der Toten sicher darin.

Tomnahurich graveyard, InvernessWie konnte der „Seher von Brahan“ das sehen? In den Highlands zweifeln sie nicht an ihm, dem schottischen Nostradamus. Das zweite Gesicht ist für viele heute noch eine ganz selbstverständliche Gabe.

Hier, in dieser unglaublich grandiosen, gefährlichen und gnadenlosen Einsamkeit, lebt das Übersinnliche von Generation zu Generation fort, wird verebt und angenommen wie Sonnenaufgang und Regen.

Die Sehnsucht nach übersinnlichen Fähigkeiten scheint gerade in der modernen Gesellschaft unverändert groß.

Ich wünschte ich hätte diese Fähigkeit auch: das zweite Gesicht, das es mir ermöglicht, in die Zukunft zu blicken.

Dann hätte ich nämlich gewusst, dass gestern der Postmann zwei Stunden früher in der Tür stehen würde als gewöhnlich.

Und wäre ich nicht nackig durch die Wohnung gelaufen……

 

 

 

Kaffee oder Tee?

Kaffee oder Tee? Die vielleicht meist gestellte Frage auf der Insel, ob tief unten im englischen Süden und hoch oben im schottischen Hochland.

Mit dieser Frage beginnt ein Ritual, dessen Regeln ein wenig diffus sind, dennoch aber eingehalten werden wollen. Schwierig für jemanden wie mich, der den lieben langen Tag mit einer Tasse Kaffee durch die Gegend läuft. Die Tasse ist sozusagen schon ein Teil meiner Person geworden und wird transportiert nicht zelebriert. Ich musste mich umstellen.

Die Frage Kaffee oder Tee? ist nicht zuletzt ein Signal der Gastfreundschaft, ein Ausdruck von Zeit und Wertschätzung für denjenigen, der den Kaffee oder Tee bekommt. Es geht weniger um die Flüssigkeitsaufnahme.

Der lose Tee in der vorgewärmte Porzellankanne  wird nur in Filmen oder Fünf-Sterne-Hotels serviert. Im normalen Leben gibt es den Tee als Beutel mit einem, zwei oder drei Zucker, weiß oder ohne Milch. Selbiges gilt für den Kaffee, der immer Instant ist. Ein Löffel oder zwei?

Dann werden die mugs verteilt, Unterteller sind für die Kekse, die aber nicht zu jeder Zeit serviert werden müssen. Mitten am Morgen ist keine Keksezeit. Mitten am Mittag schon.

Zu jeder Zeit und in jedem Fall ist die Zubereitung von Kaffee oder Tee aber nötig, um ein Gespräch zu beginnen. Oder anders herum, ein Gespräch ist nötig, wenn man Kaffe oder Tee gemacht hat. Ganz und gar unbeiläufig.

Wird man gefragt, ob man zum Tee vorbei kommen möchte, dann ist das aber eine Einladung zum Abendessen. In der Regel gegen 17 Uhr. Auch wenn die wenigsten heute noch Tee dazu trinken, die Hauptmahlzeit des Tages heißt immer noch so. Man geht hier nach Hause zu seinem Tee. Auch wenn man ausschließlich Kaffee trinkt

Das sind die Hausregeln. Die Auswärtsregeln sind ein wenig anders.

Mitunter treffe ich Fremde, die von mir wissen wollen, wo man hier Kaffee oder Tee trinken kann. Im Reisefall ist das Getränk ein Moment des Innehaltens, eine Pause. Je nach dem wo man ist, ist die Strecke zur nächsten Pause recht umfangreich und zeitintensiv. Ist man einmal dort, dann trifft man all jene, die man unterwegs schon mal getroffen hat. Alle wollen irgend wann Kaffee oder Tee. Das ist geschlechter- und herkunftsunspezifisch.

Letztes Jahr, ich war gerade joggen, graues Sweatshirt und dunkelblaues Basecap mit der gelben Stickerei FBI vorne drauf. So eine Art Jodie Foster Imitat aus Schweigen der Lämmer. Ein großer, schwarzer SUV schloß von hinten zu mir auf, die dunkel getönte Fensterscheibe der Beifahrerseite ging mit einem leisen Surren herunter und ich erblickte zwei massige Männerkörper in dunklen Anzügen, Glatze, Sonnenbrille und Kabel im Ohr. Das volle FBI-Programm. Dann ging die Scheibe der Hintertür des schwarzen Ungetüms herunter.

„Kann man hier irgendwo Kaffee trinken?“ fragte eine weiche und sehr melodische Stimme die zu einem gut aussehenden Mann arabischen Ursprungs gehörte. Im edelsten Englisch, das ich je hier oben gehört hatte. Ich schickte ihn zum nächsten Kaffee, etwas 30 Minuten auf der anderen Seite des Lochs. Er würde dabei am Ferienhaus seines Vaters vorbei fahren, denn er war ohne jeden Zweifel seine königliche Hoheit Scheich Hamdan bin Rashid Al Maktoum, Stellvertretender Herrscher von Dubai and Finanzminister eben da.

Der brauchte ganz offensichtlich auch mal ne Pause.