Das Lied vom Abendrot

Rubha Ardnish Isle of Skye

Die Kommentare hier auf dem Blog und anderen Blogs, denen ich folge, haben mich dazu inspiriert, etwas mehr über schottische Literatur zu schreiben. Ich möchte dabei den Blick nicht auf aktuelle Autoren wie Lin Anderson oder Louise Welsh lenken sondern mehr in die Vergangenheit eintauchen. Ich hoffe auch die Klassiker stoßen bei Euch auf Interesse. Schließlich beschreiben sie auf ganz eigene Weise das Land, das wir alle lieben.

Lewis Grassic Gibbon: Sunset Song

book cover Sunset Song

Die Mearns südlich von Aberdeen, sind auch bekannt als Kincardineshire: Sanfte braune Hügel, Weideland und Ackerbau, einer der wenigen fruchtbaren Landstriche in denen die schottische Erde ihren Bewohnern reichlich Nahrung schenkt. Die Küste ist felsig, die Hügel durften nach Wachstum.  Beständigkeit und das tiefe, wurzelgleiche Ruhen der Menschen in der Landschaft bestimmen die Region im Osten Schottlands.

Lanschaft mit Heuballen

Der Schriftsteller Lewis Grassic Gibbon lebte eine tiefe Liebe zu diesem Land seiner Geburt. Sein richtiger Name war James Leslie Mitchell, er war der Sohn eines Bauern in Arbuthnot. Dieses Stück Schottland trug er im Herzen und er trug es in die Herzen der Schotten. Seine Trilogie A Scots Quair zählt zu den zentralen Werken der schottische Literaturgeschichte und nimmt im 20. Jahrhundert eine ganz besondere Stellung ein. Ohne zu romantisieren und mit einem tiefgehenden Verständnis für seine weibliche Hauptfigur Chris Guthrie schildert Gibbons das harte Leben in den Mearns zu Beginn des 20. Jahrhunderts: eine Zeit der Kriege, der harten Arbeit und der Verluste aber er erzählt auch von Liebe, von der zu den Menschen, die man findet und verliert und von der Liebe zum Land, das immer währt und nie vergeht. Althergebrachte Werte trotz aller Sozialkritik, die in seinem Werk steckt.

“The land was forever, it moved and changed below you, but was forever.”

Lewis Grassic Gibbon: Sunset Song. Canongate Classics 12, Edinburgh, 1932

Das Land war für immer, es bewegte sich im steten Wandel unter deinen Füßen und blieb dennoch ewig gleich.

Gibbon nimmt seine Leser durch das Jahr. Mit dem Pflügen lernt Chris die Liebe zum Land und das Verständnis von Beziehungen, die Furchen werden gezogen als die Mutter Selbstmord begeht, der Vater einen Schlag hat und die Familie auseinander bricht. Als die Saat auf die Äcker kommt, heiratet sie Ewan, ihr Vater stirbt. Die Ernte zeigt die Folgen des Ersten Weltkriegs auf die kleine Gemeinschaft. Chris verliert ihren Mann und ihren Freund Rob im Krieg. Nun, vor dem Winter, steht sie vor einem völlig neuen Lebensabschnitt und der neuen Liebe zu Reverend Colquhoun. Dieses neuen Leben beschreibt das zweite Buch der Trilogie.

Gibbon starb jung, er wurde nur 35 Jahre alt aber sein Lied vom Abendrot wird die Zeit überdauern, was vor allem an seiner starken Heldin liegt, die man mitnimmt aus den Mearns und die beim Leser bleibt, sie und die kraftvolle Einfachheit ihres Lebens in den tiefbraunen Hügeln der Mearns.

 

3 Gedanken zu “Das Lied vom Abendrot

  1. Liebe Nellie,

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich bin gerade schon auf der Suche nach der beschriebenen Trilogie von Lewis Gibbon.

    Ich glaube einfach, dass man durch die Werke solcher schottischen Schriftsteller – die mit Ihrem ganzen Herzen mit ihrem Land verbunden sind – dieses Land und seine Menschen besser kennenlernt.
    Und selbstverständlich auch die Zeit, in der der jeweilige Schriftsteller gelebt hat.
    Und dank deines Studiums der schottischen Literatur haben wir natürlich die perfekte Lehrerin auf unserer Seite.
    Vielleicht kannst du uns ja jeweils – falls vorhanden – einen Link zu einer Bezugsquelle der Werke zur Verfügung stellen. Und wenn es sowas zum Beispiel bei Amazon gibt, kannst du dir vielleicht ein bisschen Vermittlungsprovision sicher.
    Im übrigen habe ich mir überlegt, ob Du nicht vielleicht so eine Art Link machst, wo wir dich manchmal als Dankeschön auf einen symbolischen Scotch einladen könnten. (Mit einer Verknüpfung zu Paypal für die Überweisung des Beitrages).
    Schließlich kostet es dich ja auch einigen Aufwand uns solche Beiträge zu schenken . Und somit finde ich es nur fair dich ab und zu für deine Mühen zu belohnen. Deine Bücher zu kaufen macht man in der Regel einmal oder natürlich auch mal als Geschenk für Freunde. Aber natürlich nicht ständig.

    Ach schlimm, gestern war ich so in Sehnsucht verfallen, dass ich Ende November noch mal vier Tage nach Schottland muss. (Briefkasten leeren, es könnte ja sein, dass wichtige Post gekommen ist😜).
    Bis zum 19. Dezember war es mir definitiv zu lange.

    Dir noch einen schönen Sonntag
    Andi

    • Guten Morgen lieber Andi,

      ich beneide dich fast um die Freude, das Buch (oder auch alle drei) zum ersten Mal zu lesen.
      Ich habe es damals klassisch in der Buchhandlung gekauft, da gab es noch kein Amazon. Heute ist es glaube ich sogar bei Kindle unlimited zu bekommen. Ist ja ein Klassiker. Wirst du es auf Englisch lesen?
      Das mit dem symbolischen Scotch ist eine sehr süße Idee. Danke dafür. Aber lieber ist mir, die Leute kaufen meine Bücher und erzählen ihren Freunden davon oder fragen in ihren Buchhandlungen nach, ob die es ins Regal stellen. Oder sie freuen sich einfach, den Blog zu lesen.
      Ich glaube ich muss noch an meinen Marketing Skills feilen 😉
      Nochmal vier Tage nach Schottland? Kann ich so was von verstehen. Ich bin schon fast wieder auf dem Rückweg, hatte weitgehend gutes Herbstwetter und mich wieder einmal aufs Neue in dieses wunderbare Land verliebt.
      Have a good one!
      Nellie

      • Hallo Nellie,

        Ja, das Buch ist tatsächlich bei Amazon erhältlich, entweder als Kindle oder gebunden.
        Nur eines ist auf Deutsch erhältlich, die Triologie insgesamt auf Englisch.
        Tja, nachdem ich zwar bei weitem deine Englischkenntnisse habe😩, war ich zwar jetzt in Versuchung zumindest ein Buch auf Deutsch zu kaufen, allerdings schadet mir ein bisschen Übung nicht und deswegen werde ich mir alle drei gönnen.🧐 Und über Weihnachten und die folgenden Tage habe ich ja dank der langen Nächte mehr als genug Zeit mich den Büchern zu widmen…

        Ja, wenn du natürlich mehr Bücher rausbringen würdest könnte ich natürlich auch mehr Unterstützung leisten.😉
        In meinem Bekanntenkreis habe ich das Buch schon reichlich oft verschenkt und ich weiß natürlich nicht, inwieweit diese das Buch dann auch weiter empfehlen und es dann entsprechend gekauft wird.
        Stimmt, ein bisschen habe ich schon den Eindruck, dass man an deinen kaufmännischen Fähigkeiten noch ein bisschen arbeiten müssen. 🤣

        Ich weiß natürlich auch aus eigener Erfahrung, dass ein Lob und zufriedene Kunden – bzw. Leser in Deinem Fall – oft mehr zählen als Geld, allerdings habe zumindest ich das Gefühl, dass ich dir gar nicht genug für die Freude, die du mir durch deinen Mühen schenkst, danken kann.

        Dann wünsche ich dir demnächst eine stressfreie Rückreise und ich hoffe, dass du aber ganz schnell wieder in deine Herz-Heimat zurückkehrst.

        LG

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