Sind sie die Friedhofs Frau? Teil 2 Abenteuer in Achncacarry

Letzten Sonntag habe ich von meinem Versuch berichtet, in Lochaber zwei Friedhöfe zu finden, die ganz offensichtlich nicht gefunden werden wollen. Ich habe einen ganzen Tag damit verbracht. Der Weg zur Lösung war wie immer eine typisch schottische Angelegenheit.

Telefonjoker am Cameron Museum

Auf der Suche nach Hilfe erreiche ich das Museum, ein altes, wunderbar weiß gekalktes ehemaliges Postgebäude mit Kanone. Leider wegen COVID geschlossen, aber an der Tür ein Schild. Catriona schreibt, sie wohne in der Nähe und könne das Museum jederzeit aufschließen. Einfach anrufen steht da und eine Telefonnummer. Ich rufe an.

„Hallo, mein Name ist Nellie. Ich bin Journalistin aus Deutschland und suche ihren Friedhof.“

„Welchen Friedhof?“ fragt die Stimme im Telefon „Wir haben hier mehrere!“

„Ich suche eigentlich zwei, aber jetzt dachte ich erstmal an den von Achnacarry.“

„Es gibt auch noch einen in Clunes“, sagt die Stimme.

„Richtig, den suche ich auch, aber ich bin bei beiden gescheitert“ antworte ich.

Warum sucht denn eine deutsche Journalistin hier bei uns Friedhöfe?

„Ich habe einen Blog, der heißt Graveyards of Scotland, für den recherchiere ich Geschichte und Geschichten zu schottischen Friedhöfen, das mache ich schon seit vielen Jahren. Ich habe an der Uni in Glasgow Schottische Geschichte und Literatur studiert.“

Überreste des alten Schlosses von Achnacarry

Die Cameron Clan Chiefs sind schwer zu finden

Das versteht sie und weist mir den Weg telefonisch. In Ermangelung eines Stück Papiers kritzle ich ihre Wegbeschreibung auf die Innenseite meiner Straßenkarte, die im Auto vor sich hinvegetiert, weil ich keinen Zettel zur Hand habe. Dann laufe ich mit der unhandlichen DIN A 4 Karte ihre Anweisungen befolgend durch Kuhfelder und Schafweiden, gehe zwischen Wassertanks, Kuhfladen und Satellitenschüsseln verloren und rufe schließlich nochmal an.

„Hallo, hier ist nochmal Nellie“, sage ich „Wir haben eben telefoniert.“

„Das dachte ich mir“, kontert Catriona. „Sie sind die einzige Deutsche, die mich anruft, zurzeit.“

Wahrscheinlich bin ich auch die einzige Deutsche, die derzeit auf Achnacarrys Kuhweiden verlorengeht.

Stellt sich raus, ich habe das falsche Gatter genommen, finde umgehend das richtige und damit auch den Friedhof der Cameron Clan Chiefs – kein Schild, keine angelegte Vegetation, kein Parkplatz, nichts, was in irgendeiner Form auf einen Friedhof hindeutet. Man muss wirklich wissen, wo die Clan Chiefs begraben sind. Für einen derart elitären Friedhof fehlt jeglicher Pomp. Gefällt mir.

Aber noch bin ich nicht am Ende meiner Recherchereise. Jetzt will ich unbedingt auch den Friedhof von Clunes finden.

Nächsten Sonntag: Clans in Clunes – der letzte Teil der Sind-sie-die-Friedhofsfrau-Geschichte.

Sind sie die Friedhofsfrau?

Teil 1/3

Es war mal wieder einer jener Tage, an dem ich unterwegs auf der Suche nach Friedhöfen war. Das Wetter war so lala, ein bisschen Sonne, ein bisschen Regen, dazu viel Wolken, ideal für eine Autofahrt also. Ich war auf Erkundungstour und hatte zwei Friedhöfe auf der Liste, die ich erkunden wollte, ich hatte auch so eine ungefähre Ahnung, wo sie waren. Zwei kleine Weiler, die ich auf der Karte gefunden hatte, der Rest konnte ja nicht so schwer sein. Dachte ich!

Ben Nevis ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau
towards Ben Nevis

Loch Arkaigs Angler

Loch Arkaig ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau
Loch Arkaig

Ich fuhr fröhlich vor mich hin und erkundete zunächst die Gegend rund um mein Ziel, die ich en Detail so nicht kannte. Loch Arkaig ist eine etwas kuriose Ansammlung einzelner kleiner Angelparzellen, garniert mit ausrangierten Wohnmobilen samt zerschlissener Vorzelte, rostiger Barbecues und seltsamer willkürlich zusammengeschusterter Holzmöbel für den Gartengebrauch.

„Aha“, denke ich, „Scheint mir eine Art Männer-Angel-Enklave zu sein.“

Das ist umso erstaunlicher, als auf der Zufahrt zum Loch Arkaig jede Menge stattlicher Villen stehen. Aber wen wundert’s wirklich in Schottland, dem Land der Gegensätze?

Murlaggans Einsamkeit

Ich fahre also auf der Singletrack Road entlang des Lochs die sich anfühlt wie eine Achterbahnfahrt im Trips Drill im ständigen auf und ab der Straßenführung und entdecke einen weiteren Friedhof, von dem nichts mehr übrig ist als ein Schild und ein Gedenkstein. Murlaggan ist nicht mehr als ein einziges unbewohntes Haus. Einsam hier.

Die lange Straße entlang des Lochs ist eine Sackgasse und ich muss wieder zurück. Auf dem hierher hatte ich bereits alle Augen offen, aber vergeblich nach den Friedhöfen Ausschau gehalten. Plötzlich muss ich voll in die Bremsen. Vor mir hat ein Tourist sein Auto mitten auf der Straße abgestellt. Direkt neben der Straße ist eine geschotterte Fläche, auf der mindestens 20 Autos Platz hätten. Er hat trotzdem mitten auf der Straße geparkt und ist los ein Foto machen. Fast hätte er auch ein Foto von dem Schaden an seinem Auto machen können.

parking at Loch Arkaig ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau

Es geht entlang der dunklen Meile, der Mìle Dorcha, die nach dem Abholzen des Waldes nicht mehr ganz so dunkel aber noch immer ziemlich verwunschen daherkommt. Im Zweiten Weltkrieg wurden hier Soldaten trainiert.

Mìle Dorcha ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau
The Dark Mile

Frau Erkenbachs Gespür für Grabsteine

Jetzt mache ich mich auf die ernsthafte Suche nach dem Friedhof von Clunes. Doch der ist nirgends zu finden. Drei dunkle Holzhäuser der Forstkommission, ein weißgekalktes mittelgroßes Anwesen, ansonsten nur Weiden weit und breit. Das ist es auch schon in Clunes. Der Friedhof von Clunes bleibt ein Rätsel. Komisch! Nach rund 300 Friedhöfen, über die ich für meine Blogs geschrieben und fotografiert habe, habe ich eigentlich ein Gespür fürs Finden von Grabsteinen.

Ich konzentriere mich auf Plan B und mache mich auf nach Achnacarry. Das ist gleich um die Ecke (naja eine schottische Ecke, dauert also ein wenig). Nach einigen hin- und herfahren und wiederholtem Wenden wird mir klar: Um nach Achnacarry zu kommen, muss man ein Stück Privatstraße befahren. Die führt aber auch zum Cameron Museum, weshalb ich keine großen Bedenken habe, die Privatstraße zu nehmen. Ich will im Museum fragen, wo der Friedhof ist. Die müssen es ja wissen. Denn auch den Friedhof von Achnacarry finde ich beim besten Willen nicht. Auch auf Google Maps ist nichts zu erkennen.

Cameron Museum Achnacarry ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau
Cameron Museum Achnacarry

Nächsten Sonntag: Sind sie die Friedhofsfrau? Teil 2/3 – Abenteuer in Achnacarry

Abenteuerlustig?

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Nach Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland ist Nellie Merthe Erkenbach mit Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland ein weiteres wahres, humorvolles und herzerwärmendes Buch gelungen, in dem zwischen den Zeilen ihre tiefe Liebe für das Land ihrer Liebe durchscheint – Schottland.

Auf in neue Abenteuer Highlands, wo buchende Baroninnen und denkwürdige Dudelsackspieler den Alltag beherrschen, Poeten und tapfere Schneiderlein mit Monstern kämpfen, Moorleichen gar nicht so gruselig sind und Hexen und Geister ganz selbstverständlich. Von Extrawürsten und gefährlichen Frühstücken und der Kunst, trotz Corona und Brexit ein glückliches Leben in der Fernbeziehung hinzubekommen

Nellie, The Kid

Cowboys habe ich immer schon gemocht und ich sitze auch nie auf die Harley ohne meine Cowboystiefel. Mit Pferden hab‘ ich es jetzt eher nicht so, aber das Gefühl, ein echter Cowboy zu sein, kann sich schließlich auch auf zwei Rädern einstellen. Zu Fuß ist das dann schon deutlich seltener schwieriger, hey, in Schottland geht das auch. Natürlich. Hier geht alles.

Vor kurzem war ich Cowboy wider Willen. Ich habe es auch extra für euch dokumentiert. Und hier ist die Geschichte.

Ich war mal wieder zum Wandern unterwegs, im monatelangen schottischen Lockdown die einzig mögliche Freizeitbeschäftigung. Nachdem ich unbeschadet mehrere Herden Schafe und Rotwild durchschritten hatte, näherte ich mich langsam dem Müdigkeitspunkt, an dem ich eigentlich hätte umdrehen wollen. Doch ich war im Januar schon einmal hier gewesen und nach sieben Kilometern wieder umgedreht und das Tal wieder zurück gegangen, um später auf Google Maps festzustellen, dass ich einen recht großen See (Loch) knapp verpasst hatte. Das Loch wollte ich dieses Mal unbedingt sehen.

Eine Frau, ein Ziel.  Tapfer weiter, sage ich mir und schwinge die Nordic Walking Stöcke. Vor mir springt ein Reh über den gut ausgebauten Feldweg, der zu einem straff und proper geführten Estate gehört, also auf dem Gelände eines Großgrundbesitzers mit Vieh- und Waldwirtschaft. Hinter mir höre ich den Kuckuck rufen, sonst ist es still.

Hinter der nächsten Biegung steht unvermutet eine Herde Hochlandrinder, vielleicht 15 Kühe, die größte blickt mir angespannt entgegen. Es gibt hier weit und breit keinen Zaun und ich muss mitten durch diese zotteligen Schwergewichte mit Hörnern, die hinter einem Zaun deutlich süßer anmuten. Ohne Zaun kommen die spitzen, langen Hörner bedrohlich zur Geltung. Ich bleibe stehen und hadere: weitergehen bis zum See oder umkehren, wie ein Feigling?

Mein Cowboy-Gefühl ist plötzlich gänzlich abhandengekommen. Mag an den Wanderschuhen liegen, oder an der Horde Ungetüme, die mich unter langen Fellfransen anstarren, ohne sich zu bewegen. Die Sekunden ziehen sich in unwirkliche Längen. Das ist der Showdown. Nicht Cowboy gegen Cowboy, sondern Frau (und Möchtegern-Cowboy) gegen Kuh. Ein wahrhaft episches Duell um Leben und Tod. Naja, zumindest fühlt es sich so an. Ich kann fast die Musik hören…

Die größte Kuh schaut mir direkt in die Augen und …. ergreift die Flucht und alle anderen folgen ihr in wilder Panik. Und da bin ich, Nellie the Kid, und treibe die wilden Hochlandrinder vor mir her wie einst John Wayne am Rio Grande.  

Nur leider ist die Herde ziemlich einfältig und flieht auf dem Weg, auf dem ich gehe. Einmal brechen sie seitlich ins Moor aus und ich versuche an ihnen vorbei zu laufen. Doch die Panik treibt sie wieder zurück auf den Weg und hinauf, den nun immer steiler werdenden Pfad Richtung Bergsee. Ich treibe sie unfreiwillig immer weiter das Tal hinauf. Ihre Leiber dampfen nach der heißen Jagd in der schottischen Frühlingskälte.

Was wohl die estate worker dazu sagen, wenn sie Morgen ihre Kühe nicht mehr wieder finden? Ich beschließe, umzudrehen. Nicht dass sie noch wie die Lemminge ins Wasser springen, wenn die „wilde Posse“ den See erreicht.

Zurück wandere ich dann doch etwas aufrechter als auf dem Hinweg. Nellie, The Kid eben. Ein echter Cowboy treibt sein Vieh auch ohne Pferd oder Hund durch die Berge, ganz allein nur mit lässiger Willensstärke.

Ich glaube, heute Nachmittag koche ich im Garten in einer großen blauen Kanne Kaffee auf dem Lagerfeuer und denke zurück an meine Abenteuer in der gnadenlosen Prärie des schottischen Hochlands. Dann ziehe ich mir meinen Cowboyhut tiefer ins Gesicht und gehe zufrieden zurück ins Haus.

Im schottischen Abendregen können andere Cowboys unter freiem Himmel schlafen. Nellie, The Kid zieht Zentralheizungen vor.

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Es ist schon ein Weilchen her, dass ich Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland geschrieben und nach dem Rückzieher des Verlags wegen Einstellung der Reihe, in der das Buch erscheinen sollte, schließlich im Selbstverlag veröffentlicht habe. Seither habe ich zwei weitere Bücher geschrieben, eigentlich drei: Riding Towards Shadows, das 2018 erschienen ist und Schottland für stille Stunden, das 2020 veröffentlicht wird. Das gibt es 2021 auch auf Englisch und wird Scotland for Quiet Moments heißen.  Wer also gedacht hat, ich sitze in meiner wunderbaren Schreibhütte, schaue aufs Meer und tue nichts, der liegt völlig falsch. Allen Stromausfällen und Sturmschäden zum Trotz: Ich habe weitergeschrieben und hier ist er nun, der zweite Teil von Abenteuer Highlands: Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland.

Abenteuer Highlands Teil 2 ist da!!!

book cover

Kann eine Seele mehr als nur eine Heimat haben? Sie kann! Und wie.

Nellie Merthe Erkenbach geht in ihr zehntes Jahr Fernbeziehung mit einem Highlander – ein Leben zwischen Schwarzwald und Schottland.

Dem anfängliche Bedürfnis des entscheiden Müssens hat sie widerstanden und ist nun erfolgreich in zwei Welten zu Hause:  dem Schwarzwald, wo sie gerne lebt, gerne isst und ihre Arbeit hat und in den Highlands, wo sie schreibt, fotografiert und Zeit mit dem Mann in der großen Weite der Westküste Schottlands genießt. Das eine schließt das andere nicht aus, im Gegenteil, in zwei Welten zu leben macht die Dinge klarer und bewusster.

Der besondere Charme dieses Lebensentwurfs: die beiden Leben sind gänzlich unterschiedlich. Das deutsche ist hektisch und aufregend, ihre Arbeit beim Fernsehen abwechslungsreich, auch durch die Reisen nach Russland, China, Japan oder Brasilien.

Die Vorzüge des Mondänen hat sie in Deutschland und dem Rest der Welt, In den Highlands dagegen wird es still und ruhig. Nellie Merthe Erkenbach lebt dann zurückgezogen, liest viel, wandert und schreibt über das Land, das sie so gut kennt. Diese Seite ihres Lebens gibt ihr die Kraft, das Hochgeschwindigkeitsleben in Deutschland mit Freude und Energie anzupacken.

Nach Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland ist Nellie Merthe Erkenbach mit Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland ein weiteres wahres, humorvolles und herzerwärmendes Buch gelungen, in dem zwischen den Zeilen ihre tiefe Liebe für das Land ihrer Liebe durchscheint – Schottland.

Auf in neue Abenteuer Highlands, wo buchende Baroninnen und denkwürdige Dudelsackspieler den Alltag beherrschen, Poeten und tapfere Schneiderlein mit Monstern kämpfen, Moorleichen gar nicht so gruselig sind und Hexen und Geister ganz selbstverständlich. Von Extrawürsten und gefährlichen Frühstücken und der Kunst, trotz Corona und Brexit ein glückliches Leben in der Fernbeziehung hinzubekommen.

3d mock up

Das neue Abenteuer Highlands gibt es als Ebook oder Taschenbuch beim Amazon. Ich hoffe es gefällt euch und freue mich auf euer Feedback!

Liebe Grüße,

eure Nellie

Schilderwald und Mutterkühe

Es war einer dieser Momente, der Mut erfordert. Ich stand an einem cattle grid, diesem großen Rost im Straßenboden, über den das Vieh nicht läuft und das ein Gatter ersetzt, und lese auf dem Schild, dass es nicht sicher ist, dieses Feld zu betreten, weil hier Kühe kalben.

Three Lochs Walk

Hat der Bauer das nur für nervige Wanderer aufgehängt, die er nicht auf seiner Weide haben will?

In Schottland gibt es das Recht, sich frei zu bewegen, auch auf dem Privateigentum eines anderen, der Bauer kann also rechtlich nicht viel machen, wenn er keine Lust auf Wanderer hat.

Oder stimmt es wirklich, was das Schild sagt, das unter anderem noch „zu ihrer eigenen Sicherheit“ hinzufügt?  Das wiederum klingt gefährlich und ich frage mich, wann denn Kühe gemeinhin kalben. Dann könnte ich abschätzen, wie ernst ich das Schild zu nehmen gedenke.

Mein Recherche-Problem ist, mein Handy hat sich mit einem leeren Akku verabschiedet, gerade als es mit mitgeteilt hat, dass ich nun schon knapp zehn Kilometer gelaufen bin. Das knallrote Kuhschild schlägt vor, eine Alternativroute zu nehmen aber wie finden, ohne Telefon, die Karten nutzen nichts, ich bin auf einem neu angelegten Waldweg verloren gegangen, mit dem die Forstverwaltung beim Abholzen wohl den alten ersetzt hat. Mir bleibt nur die Alternative zurück, dann bin ich stolze 20 Kilometer unterwegs oder tapfer durch das Feld mit dem Mutterkühen.

Ich überlege, hinter dem cattle grid ist nur abgeholzte Fläche und von Kühen weit und breit keine Spur. Ich werde es versuchen. Mir war schon am Anfang meines Ausflugs aufgefallen, dass die Menschen hier im Südosten von Loch Ness überall Schilder hatten, die „privat“ und „kein Durchgang“ und „kein Zugang zum Wanderweg“ proklamierten. Hätten sie mal ein Schild aufgestellt, wo der Weg wirklich lang geht, hätte das wohl gereicht. Diesem Gedankengang folgend war ich geneigt, das Mutterkuh-Schild als überflüssige Warnung zu betrachten. Ein Schild aufzustellen, nur um Leute zu veräppeln, wäre hier durchaus vorstellbar, in Deutschland eher nicht.

Ich setzte also meinen Weg fort, der mich zuerst durch eine große abgeholzte Fläche führt, Baumstämme liegen rechts und links gestapelt. Ein weiteres Schild warnt davor, auf die aufgeschichteten Baumstämme zu klettern.

„Ach neh!“ denke ich. „Die mögen einfach Schilder hier.“

Kühe auf Weide

Der Weg macht eine Kurve und das Feld mit den Kühen liegt in einer Senke vor mir. Eine riesige mit gefährlich aussehenden Hörnern blickt auf und schaut mir direkt in die Augen. Neben ihr liegen friedlich drei Kälber. Ich zögere, gehe aber weiter. Ich sehe einen Zaun, da wo das Muttertier steht, es geht sogar direkt auf den Zaun zu, sieht aber immer wieder zu mir hin. Die Kälber folgen der Mutter. Und dann sehe ich, dass ein Stück von Zaun fehlt, durch das die Kuh, die aussieht als wäre mit ihr nicht zu spaßen, gerade forschen Schrittes durch schreitet während sie mich unablässig beobachtet.

da lagen sie noch friedlich rum

„Okay. Ich nehme das Schild jetzt ernst.“ sage ich halblaut und drehe wieder um. Dann eben die zehn Kilometer wieder zurück. Richtig sicher fühle ich mich erst, als ich wieder hinter dem cattle grid bin. Wer hätte gedacht, dass Wandern in den Highlands so gefährlich sein kann.

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Abenteuer Highlands 2.0 ist bald da!

Es ist schon ein Weilchen her, dass ich Abenteuer den Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland geschrieben und nach dem Rückzieher des Verlags wegen Einstellung der Reihe, in der das Buch erscheinen sollte, das Werk schließlich im Selbstverlag veröffentlicht habe. Seither habe ich zwei weitere Bücher geschrieben, eigentlich drei: Riding Towards Shadows, das 2018 erschienen ist und Schottland für stille Stunden, das zum Jahresende 2020 rauskam. Das gibt es 2021 auch auf Englisch und wird Scotland for Quiet Moments heißen. Wer also gedacht hat, ich sitze in meiner wunderbaren Schreibhütte, schaue aufs Meer und tue nichts, der liegt völlig falsch. Allen Stromausfällen und Sturmschäden zum Trotz: ich habe weitergeschrieben und hier ist er nun, der zweite Teil von Abenteuer Highlands. Der ein oder andere von euch hat schon darauf gewartet.

Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland

Abenteuer Highlands 2.0 zwischen Schwarzwald und Schottland

Inzwischen lebe ich seit 10 Jahren in meiner schottischen Fernbeziehung und habe nach dem anfänglichen Gefühl des entscheiden Müssens sehr bald gemerkt, dass eine Seele mehr als nur eine Heimat haben kann. Ich habe zwei zu Hause: eines im Schwarzwald, wo ich gerne lebe, gerne esse und meine Arbeit habe und eines in den Highlands, wo ich schreibe, und meine Zeit mit dem Mann an der großen Weite der Westküste Schottlands genieße. Das eine schließt das andere nicht aus, im Gegenteil, es lässt Dinge klarer werden und man macht sich bewusster, was man will und womit man seine Zeit verbringen möchte.

Der besondere Charme an diesem Lebensentwurf: beide Leben sind gänzlich unterschiedlich. Das deutsche ist hektisch und aufregend, meine Arbeit beim Fernsehen abwechslungsreich, ich reise viel, nach Russland, China, Japan, Brasilien und genieße die Vorzüge des Stadtlebens. In den Highlands dagegen wird es still und ruhig, zurückgezogen. Ich lese viel, wandere und schreibe. Diese Seite meines Lebens gibt mir die Kraft, das Hochgeschwindigkeitsleben in Deutschland mit Freude und Energie anzupacken.

Die Zeit, in der wir getrennt sind, überbrücken wir durch Social Media und ein tägliches Skype-Gespräch von einer Stunde. Und mal ehrlich, in wie vielen Beziehungen spricht man täglich mindestens eine Stunde miteinander? Ein solch intensiver Austausch wird im Alltag oft vernachlässigt. Ich liebe dieses Leben, das ich führe und was als Abenteuer in der Fremde begann, ist nun ein Leben in zwei Welten geworden. Aber auch das kann abenteuerlich sein. Ihr werdet schon sehen!

In Abenteuer Highlands habe ich euch durch ein Jahr in Schottland geführt. Dies sind die wahren Geschichten, die ich in den Jahren seither in meiner Fernbeziehung mit einem Schotten erlebt habe. Nicht in der zeitlichen Reihenfolge, in der sie passiert sind, die bekäme ich gar nicht mehr richtig auf die Reihe, der Mann und ich sind schon so lange ein Paar. Die Struktur ist nicht die Zeit, sondern das Wort, von A – Z: A wie Aberglaube, B wie Banff, C wie Corona usw.

Amüsiert euch über buchende Baroninnen und denkwürdige Dudelsackspieler, lernt Poeten und tapfere Schneiderlein kennen, gruselt euch über Moorleichen, Hexen und Geister, lacht über Extrawürste und gefährliche Frühstücke und findet heraus, wie man trotz Corona und Brexit ein glückliches Leben in der Fernbeziehung hinbekommt.

Taschenbuch und Ebook erscheinen demnächst auf Amazon. Ihr erfahrt natürlich hier, wann es soweit ist.

 

drei gefährliche Frauen

Der Glaube an Hexerei war wahrscheinlich einer der häufigsten Aberglauben in Schottland und im Rest der christlichen Welt. Hexen waren nicht unbedingt böse, aber dort, wo sie die Mächte der Dunkelheit befehligten, waren sie wie nichts anderes zu fürchten, denn sie konnten eine tödliche Spur der Zerstörung hinterlassen. So geschehen auf der Isle of Mull, vor langer, langer Zeit.

Dies ist eine romantische und grausame Geschichte in deren Zentrum gleich drei gefährliche Frauen stehen: einer einheimische Hexe, eine heißblütige spanische Prinzessin und eine betrogene Ehefrau. Und so hat es sich zugetragen…..

Eines Tages hatte die Tochter des spanischen Königs einen lebhaften Traum, in dem sie einen außerordentlich gut aussehenden Mann sah, in den sie sich sofort verliebte. Sie befahl ihren Männern, ein Schiff fertig zu machen und segelte nach Schottland, um diesen Mann zu finden. Das tat sie auf der Isle of Mull, aber leider war der hübsche MacLean of Dowart bereits verheiratet und seine Frau nicht besonders erfreut darüber, ihren Ehemann im Bett dieser ausländischen Prinzessin zu finden. Deshalb ließ sie einen ihrer Männer, ein Mann namens Smollet, das Schiff der Prinzessin in die Luft jagen. Die Explosion war so gewaltig, dass der Schiffskoch bis nach Tobermory geblasen wurde und Prinzessin Viola im Sound von Mull starb. Ihr Körper wurde den Hügel hinauf zum Friedhof auf Lochaline getragen und bestattet.

Als ihr Vater, der spanische König, von dem Mord an seiner Tochter hörte, schickte er ein weiteres Schiff Richtung Norden, um die Tat zu rächen. Als das Schiff entdeckt wurde, rief die Ehefrau die örtliche Hexe namens Doideag herbei, die mit Hilfe einiger weiterer Hexen und vielerlei weiterer Beschwörungsformeln das zweite spanische Schiff in einem riesigen Sturm versenkte, den sie während der Nacht heraufbeschworen hatten.

Anscheinend hatte der spanische Kapitän vergeblich versucht, die Hexen mit Gegenzauber zu bekämpfen – es waren einfach zu viele gefährliche Frauen, als dass ein einzelner Mann hätte Erfolg haben können.

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Schottland für stille Stunden

Der Reise-Inspirationsführer Schottland ist in allen Formaten bei Amazon erhältlich!

Schottland ist ein Land voller Geschichte, Geschichten und Geheimnisse. Oft sind die drei nicht exakt voneinander zu trennen. Das macht dieses Land so wunderbar und einzigartig. Diese Geschichten wurden für den WordPress Blog Graveyards of Scotland über viele Jahre zusammengetragen, ausgegraben und entdeckt. Quellen waren meist historische Reiseführer aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die Funde oft schaurig, schön, lustige oder grausam. Eine ungewöhnliche Annäherung an die Geschichte eines Landes, die erstaunliche Ergebnisse hervorbrachte. Man muss aber die Leidenschaft der Autorin für Friedhöfe nicht teilen, um diese Buch genießen zu können. Die meisten Geschichten spielen ja nicht auf einem Friedhof, sie enden lediglich da.

Der Feenhügel in Inverness, ein Salpetermord auf Shetland, eine Familie von Linkshändern, Wölfe gestern und heute, Robert the Bruce und William Wallace einmal ganz anders, die geheime Bucht des Schriftstellers Gavin Maxwell, ein mordender Dichter und alles, was Schottland außer Whisky, Schafe und Tartan noch ausmacht. Schottland für Experten, nicht für Anfänger.

Machen sie es sich in ihrem Lieblingslesesessel gemütlich und genießen sie Schottland für stille Stunden.

Zitate

Das Meer ist ein gefährlicher Freund, eine verlockende Schönheit und ein brutaler Mörder zugleich. Selbst an ruhigen Tagen sind hier Menschen in den Gewässern rund um die Inseln ertrunken. Wenn die Herbststürme einsetzten, hatten die gewaltigen Wellen in der Vergangenheit oft ein tödliches Fest. Auf Shetland spülte am Sumburgh Head, wo der Atlantik auf die Nordsee trifft, so mancher Körper an Land.

Als William Soutar klar wurde, dass die Krankheit nicht nur sein Leben begleiten, sondern es sogar beenden würde, soll er einen Moment innegehalten haben. Dies war der Moment der Erkenntnis: Nun konnte, nun musste er Dichter werden. Er wurde einer der besten seines Landes.

Anders die Abendstimmung, blaue Stunde und eine ähnlich milde Stimmung wie am Morgen aber viel dramatischer, wenn die Nacht hereinbricht und die letzten Sonnenstrahlen noch ein paar Sekunden über den Wolken verweilen, bevor der Tag zu Ende geht. Das Blau scheint direkt vom Meer zu kommen, mit einem schwachen Duft nach Sommertag wie die Erinnerung gelebter Stunden.

Schottland Foto Challenge – Andys Liebe zu Schottland

Liebe Leser,

hier kommt Andys zweiter Teil, ihr habt bestimmt schon darauf gewartet. Viel Spaß damit!

LGN

Die folgenden Jahre bin ich dann auf verschiedene Art und Weise nach – und durch Schottland gereist, mal mit Wohnmobil (9 m lang und 4,20 hoch ist definitv nichts für die Highlands, mal mit Wohnwagen (auch zu groß mit 10 m Länge zzgl. 5 m Auto – da findet man ja zum Teil keinen Campingplatz – „Oh my god, what is this?? Are you kidding me?“) und dann lieber mit gemieteten Ferienhäusern, von wo ich aus die jeweilige Gegend erforscht habe.

Eine Reihe dieser Bilder sind hier sehen, oft natürlich bekannte Plätze, aber trotzdem immer wieder wunderschön.

Ich habe Schottland die folgenden Jahre zu allen Monaten und Jahreszeiten bereist und  sogar das schottische Wetter lieben gelernt. Das Essen in den Restaurants und Pubs hat sich über die Jahre deutlich verbessert, man hat gelernt, dass man mit erstklassigen Lebensmitteln auch gutes Essen machen kann.

Sogar das Bier hat sich verbessert, aus dem faden, spülwasser-ähnlichen Gebräu – sowohl vom Geschmack als auch vom Alkoholgehalt her – haben sich wahre Kunstwerke entwickelt.

Und vor 6 Jahren habe ich sogar meine Leidenschaft für Whisky entdeckt.

Mit Spontanität nach Schottland – von April bis September – zu schönen Plätzen war allerdings die letzten Jahre nicht mehr möglich, man musste zum Teil ein Jahr im Voraus buchen, was allerdings nicht immer so einfach ist. Immer mehr Menschen haben dieses Land für sich entdeckt und alles belegt…

Vor zwei Jahre habe ich – nachdem ein gemietetes Feriencottage mal wieder fototechnisch zwar sehr gut angeboten wurde, aber in der Realität blanker Horror war – spontan ein älteres Cottage zwischen Lochgilphead und Oban fest angemietet. Ich war eh 2-3 mal im Jahr dort und durch das gemietete Haus war ich jederzeit in der Lage mit Handgepäck (voll mit deutschem Brot – da hat sich nichts verbessert) ein paar Tage zu verschwinden.

Auch wenn es – trotz Ofen und Heizlüfter – draussen wärmer als drinnen war und ich dank eines undichten Daches im Bad auch ohne den Wasserhahn abzudrehen duschen konnte – so hatte ich endlich meinen eigenen Platz in meiner Herzensheimat.

Letztes Jahr hat mir dann mein damaliger Vermieter mitgeteilt, dass er das Cottage und seine Wohnung in Glasgow verkaufen würde um nach Irland zu ziehen (Wie kann man nur? Mal dort Urlaub zu machen ist ja ok, aber von Schottland weg??).

Da ich nicht wusste, ob ich dort dann weiter wohnen können würde, war das der Anlass mir etwas neues zu suchen. Und – nach anfänglichen Problemen – fand ich dann tatsächlich meinen Traum in dieser Gegend, nur 8 km weit weg bei Crinan, modern, warm und mit Blick aufs Meer. Und mit Glasfaserinternet!!!  in der Nähe eines Dorfes mit 74 Einwohnern  (75 – wenn ich dort bin).

Die Pandemie der letzten Wochen hat ja gezeigt, dass man – wenn man Glück hat – auch vom Homeoffice gut arbeiten kann und das ist halt dann 2000 km weit weg vom Büro….