James of the Glen

Die Geschichte von James Stuart  erzählt von Macht, Politik, Betrug und Ungerechtigkeit. Sie ist so grausam wie wahr und einige Aspekte werden wohl  nie ans Licht kommen. Viele glauben, dass der Appin-Mord einer der größten, wenn nicht der größte Justizfehler in der Geschichte Schottlands war. Das Gesetz machte James of the Glen zu einem Mörder, die Legende machte ihn zum Opfer. Seine Knochen ruhen auf dem alten Friedhof von Keil in Appin. Er starb in Ballachulish am Ufer des Loch Leven am 8. November 1752.

 

Auf dem kleinen Hügel über dem Pier der ehemaligen Fähre (heute verbindet eine Brücke die beiden Ufer) wurde ein Galgen errichtet. Der 50-jährige James Stewart, auch bekannt als Seaumas a ‚Ghlinne, James of the Glen, wurde hier hingerichtet. Er wurde wegen Mordes gehängt, den er höchstwahrscheinlich nie begangen hat. Der mutmaßliche Mörder wurde nicht nicht gerichtet wer wurde ermordet. Auf dem Hügel, auf dem der Galgen stand, ist eine Gedenkstädte aber man muss danach suchen, um sie oberhalb der Brücke zu finden. Parken ist schwierig.

James of the Glen war ein ruhiger und beliebter Mann, er war gebildet, konnte in beiden schottischen Sprachen lesen und schreiben. Er war mit seiner Cousine Margaret verheiratet, die beiden hatten drei Kinder und lebten auf einer Farm in Glen Duror, ein paar Meilen südlich von Ballachulish. Er hatte auf dem Feld von Culloden gekämpft und den Kampf überlebt, um schließlich zu Hause getötet zu werden.

James of the Glen war ein Stewart of Appin und damit natürlich auch ein Anhänger von Charles Edward Stuart. Die Campbells waren Anhänger des englischen Königs und taten sich besonders damit hervor, so viele Stewarts wie möglich von ihrem Land zu vertreiben.  James of the Glen und Colin Campbell, den sie „den roten Fuchs“ nannten, hatten sich in einer Kneipe wegen dieser Vertreibungen geprügelt. Dafür gab es jede Menge Zeugen.

Colin Campbell hatte Räumungsbefehle bei sich, als man ihn am 14. Mai 1752, wenige Tage nach der Kneipenschlägerei, auf dem Weg nach Duror erschossen fand. Ein Mann mit einer Muskete war im Wald verschwunden hatten Augenzeugen behauptet. Wer war dieser Mann? Und wo war er?

Alan Breck, der Pflegesohn von James Stewart, war der offensichtlichste Verdächtige, und sein Pflegevater wurde beschuldigt, an dem Mord beteiligt gewesen zu sein. Breck floh nach Frankreich,  James Stewart wurde  gefangen genommen. Einen Rechtsbeistand gestand man ich erst 36 Stunden vor dem Prozess zu. Richter war der Duke of Argyll, Chef des Clans Campbell. Elf der fünfzehn Geschworenen waren ebenfalls Campbells. Von einer unabhängigen Einschätzung war dieses Gericht weit entfernt. Justitia war nicht blind und James Stewart hatte keine Chance. Er hat sich nie wirklich verteidigt, wahrscheinlich nicht, weil er schuldig war, sondern weil er keinen seiner Verwandten gefährden wollte.

Sie hängten ihn auf, legten ihm dann Eisenketten um seinen Körper und ließen ihn drei Jahre am Galgen hängen. Als der Leichnam abfiel, sammelte seine Frau Margaret ein, was von ihm übrig war und beerdigte die Knochen in der Ruine der Kirche von Keil. Eine kleine Gedenktafel erinnert  daran.

Der ermordete Colin Campbell wurde im Kloster Ardchattan beigesetzt. Dessen Geschichte folgt am nächsten Sonntag.

Mord am Hochzeitstag

Ich finde bei meinen Recherchen zu Schottland immer wieder Gruseliges und Grausames, der Mord in Appin ist wie ich finde dennoch ein ganz besonderer. Überhaupt scheint Appin eine ganz besondere Anziehungskraft für Mörder zu haben. Hier also nun ein wahrer Krimi aus dem 15. Jahrhundert. 

Castle Stalker

Dies ist die Geschichte der Ermordung von John Stewart, Lord of Lorn an seinem Hochzeitstag und die der Ermordung seines Mörders Alan MacDougall und es ist gleichzeitig die Geschichte der dramatischen Geburt der Stewarts of Appin.

Appin

Die Anfänge des Clans Stewart von Appin waren bestimmt von Lust, vielleicht sogar von Liebe. Es war das Jahr 1445 und Sir John Stewart war auf dem Weg nach Hause zu seiner Burg Dunstaffnage, als er auf eine junge Frau traf, in die er sich sofort verliebte. Sir John war ein verheirateter Mann, was ihn keineswegs davon abhielt, mit dieser Frau einen Sohn zu zeugen. Sie war eine Tochter des MacLaren von Ardvech, deren Name nirgendwo überliefert wurde. Ein Schicksal, das sie mit vielen Frauen teilte, die Geschichte ist voller namenloser Frauen, auch die schottische.

Diese Geliebte wollte Sir John schließlich fünf Jahre nach dem Tod seiner rechtmäßigen Frau heiraten. Seine Frau hatte ihm drei Töchter geboren aber keinen männlichen Erben. Er war gezwungen, die Linie mit einem Erben zu sichern und mit der Geliebten hatte er bereits einen Sohn und möglichen Erben. Er musste also nur die Mutter heiraten und den Sohn anerkennen. Die Vermutung liebt nahe, dass die geplante Ehe wenig mit Liebe zu tun hatte.

Die Hochzeit der beiden fand am 20. Dezember 1463 statt, die Zeremonie fiel kürzer aus als erwartet denn Männer drangen plötzlich in die Kirche ein, die Waffen wurden gezogen. Sir John wurde von einem Dolch tödlich verwundet. Sie zerrten den sterbende Bräutigam aus der Kirche, die Zeremonie war beendet. Doch noch bevor Sir John den letzten Atemzug tat, streifte ihm der geistesgegenwärtige Priester den Ring über den Finger und besiegelte so die Ehe der beiden.

Die namenlose Frau war Braut war Witwe an einem Tag, ihr achtzehnjähriger Sohn Dugald der rechtmäßige Erbe des Vermögens eines Vaters, dessen Sohn er offiziell gerade geworden war.

Es war dieser ehemalige Bastard und nun rechtmäßige Erbe von Sir John Stewart, Lord of Lorn, der die Linie der Stewarts of Appin begründete. Der Mörder am Hochzeitstag war Alan MacDougall und er hatte seine Gründe für seine grausame Tat.

Die MacDougalls hatten früher das Castle Stalker besessen, Sir John hatte es ihnen genommen. Jetzt übernahm Dugald seinen Platz ein als Stewart von Appin und plante seine Rache mit Ruhe und kalter Besonnenheit. Fünf Jahre kamen und gingen, die Differenzen mündeten 1468 schließlich in die blutige Schlacht von Stalc, in der viele Hundert fielen als die MacLarens den Stewarts of Appin und Dugald, ihrem Chief halfen, die MacDougalls und deren Verbündete die MacFarlanes, vernichtend zu schlagen. Alan MacDougall, der Mörder von Dugals Vater, wurde ebenfalls getötet.

Dugal regierte Appin für mehr als dreißig Jahre. Was aus seiner Mutter wurde, ist nicht überliefert.

Mütter und Söhne

Wenn man die kleine A938 Richtung Osten fährt, dann kommt man ganz im Süden von Inverness-shire irgendwann einmal nach Duthil. Man könnte es aber auch einfach völlig verpassen, denn mehr als ein paar Häuser sind es nicht, was man aber ganz und gar nicht verpassen sollte, das sind die beiden Seafield Mausoleen. Auch wenn sie verschlossen und nicht zugänglich sind. Sie sind beeindruckend, etwas gruselig und irgendwie genau so, wie sich das leidenschaftliche Leser der Shelleys oder Edgar Allan Poe immer vorgestellt haben: grau, gotisch und gruselig.

Wer waren diese Seafields, die hier bestattet wurden und warum bauten sie gleich zwei fast identischen Mausoleen nebeneinander?

Die Lairds of Grant waren die Chiefs des Clan Grant, es gelang ihnen, das Earldom of Seafield und die ausgedehnten Gebiete der Ogilvies, Earls of Findlater und Seafield zu erobern. Das Wappen der Ogilvie Grants und Earls of Seafield befindet sich auf dem Mausoleum, das am nächsten an der Kirche von Duthil liegt, nicht jedoch auf dem zweiten.

Das Symbol des Clan Grant ist die lange und uralte schottische Kiefer, einige ragen hoch hinter den Mausoleen empor. Die Kirche steht hier seit dem 17. Jahrhundert, aber die erste Kirche in Duthil stammt aus dem Jahr 1400. Das Clan Grant Center bietet Informationen und Hilfe hauptsächlich für Clanmitglieder aus der ganzen Welt, viele Grants aus Amerika oder Kanada suchen in Schottland nach ihren Ursprüngen. Das Clan Grant Center ist eine der Anlaufstellen für Namenstouristen aus Übersee.

Die Geschichte der Seafield Mausoleen ist tragisch, in ihrem Zentrum stehen Mütter und ihre Söhne, es geht um Trauer und individuellen Verlust, über das Weiterleben und den Versuch, damit fertig zu werden.

Die Grants bauten im 19. Jahrhundert das erste Mausoleum, das mit dem Familienwappen. Mary Ann Dunn, die Frau des 6. Earl of Seafield, starb 1840 im Alter von 45 Jahren. Sie sollte die erste sein, die im neuen Familienmausoleum beigesetzt wird. Sie hatte geheiratet, als sie erst 16 Jahre alt war, und dem Earl sechs Söhne und eine Tochter geboren. Der erste Sohn war in sehr jungen Jahren gestorben, der zweite, wurde dann Erbe und trug damit den Titel Master of Grant. Sein Name war Francis William, er war Kirchenältester und Abgeordneter im Parlament in Inverness.

Als seine Mutter starb, machte er sich auf den Weg nach Cullen House. Francis William war in London gewesen und kehrte nun gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder John Charles nach Hause zurück. Er fühlte sich nicht gut und ging ins Bett. Francis William Grant wurde am nächsten Tag tot in seinem Bett aufgefunden. Er war nur 25 Jahre alt geworden.

Der Sohn stand bei der Beerdigung nicht am Grab seiner Mutter, er wurde mit seiner Mutter beigesetzt, in dem Mausoleum, das die Familie frisch gebaut hatte. Nicht ein Tod wurde von der Familie betrauert, sondern zwei. Der Schmerz der Angehörigen muss immens gewesen sein.

Die Beerdigung war groß und machte einen ebenso großen Eindruck, nicht nur regional. Die Zeitungen berichteten über die Tragödie, die Arbeit in der Gegend ruhte, die Kirchenglocken läuteten und der Trauerzug war fast eine Meile lang. Der Kutsche mit der Leiche von Lady Grant war schwarz dekoriert, die ihres Sohnes ganz weiß. Es war Frühling 1840 und das Mausoleum war neu und leer. Jetzt nahm es gleich zwei Leichen auf einmal auf. Es sollten noch mehr kommen.

Der trauernde Vater und Ehemann heiratete drei Jahre nach der doppelten Beerdigung erneut, bekam aber keine Kinder mehr. Seine zweite Frau ging nach seinem Tod zwei weitere Ehen ein. Und John Charles trat die Nachfolge seines Vaters als 7. Earl of Seafield an.

Die Frau von John Charles beschloss ein paar Jahre darauf, die letzte Seafield zu sein, die in dem Mausoleum ruhen würde. Es war Herbst 1911 und Caroline Stuart, die Witwe des Earls führte die Geschäfte. Sie hatte dieses Recht von ihrem Sohn, dem 8. Earl of Seafield, geerbt, der vor ihr gestorben war. Er war der einzige Sohn des Paares gewesen.

Die Frau und die Mutter des Earls war die Letzte, die sich im Familienmausoleum bestatten ließ. Für die kommenden Generationen ließ sie ein neues bauen, das aber genauso aussah, wie das, in dem sie bestattet werden wollte. Mit ihr würde eine Linie zu Ende gehen.

Die Beerdigung der Witwe von Seafield war ein düsteres Ereignis, der Geistliche hielt die Ansprache im Mausoleum selbst, die Menschen standen im Friedhof und hörten zu. Dann trat Duncan MacDonald aus dem Schatten der Bäume. Er war der Dudelsackspieler der Mackintoshs und er verabschiedete Lady Caroline Stuart mit all den Ehren, die einer Gutsherrin ihrer Klasse zustand. Er spielte The Lament for the Only Son, die Klage um den einzigen Sohn.

Dann wurden die Türen des Mausoleums für immer verschlossen.

 

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mörderische Dänen und die Kirche auf den Klippen

Es war zu Beginn der letzten Jahrtausendwende, die Dänen machten noch immer die schottischen Küsten unsicher und die Clanchiefs hatten alle Hände voll zu tun, die Eindringlinge abzuwehren. Im Jahr 1004 fielen die Dänen in Banffshire ein und wurden von den Einheimischen mit aller Härte empfangen.

Es gab nicht viele Stellen an der Küste, wo mehrere Boote problemlos anlegen konnten, hier war eine und die Einwohner hatten die Eindringlinge erwartete. Sie hatten sich mit allem bewaffnet, was ihr bescheidenes Leben hergab. Selbst die Frauen füllten ihre Strümpfe mit Steinen und schleuderten diese auf die heranstürmenden Männer, die eigentlich weiter nach Caithness wollten aber Wasser und etwas zu essen brauchten. Sie hatten nicht die Absicht, freundlich darum zu bitten. Es waren weit über 500 hungrige und wilde Männer, die da auf Gamrie und seine Einwohner zustürmten.

Die Schlacht der Bleedy Pits von Gamrie war eine Schlacht, die viel mit schlachten zu tun hatte. Das Schlachtfeld oben auf dem Moor soll vom Blut der Dänen so durchtränkt gewesen sein, dass sich in den Senken blutige Seen bildeten. Wie viele es genau waren ist nicht überliefert aber die Zahl der Toten muss groß gewesen sein. Man hatte die Leichen zur Massenbestattung in die Senken geworfen. Aber es war noch nicht vorbei.

Diese für die Schotten so siegreiche Schlacht war der Grund, warum heute eine Kirche in Gamrie steht, denn der Clanchef, der Than von Buchan, hatte geschworen, an der Stelle wo die Dänen ihr Lager aufgeschlagen hatten eine Kirche zu bauen und sie dem Heiligen Johannes zu weihen, wenn der Herr ihm den Sieg über einen zweiten Angriff gewähren würde.

Die Dänen hatten sich auf den Klippen so gut verschanzt, dass es schier unmöglich schien, sie zu bezwingen. Nach Monaten der Belagerung gewährte der Herr (so glaubte der Than) ihm den Sieg und nun blickt die Kirchenruine grau und mahnend hinaus aufs Meer über die rostbraunen Klippen als wolle sie noch immer einfallenden Dänen entgegenstehen. Die heutige Kirche ist natürlich späteren Datums, der erste Bau stammt aus dem 12 Jahrhundert, die heutige Ruine geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Der Name Gamrie ist Gälisch (Ghaemerie) und bedeutet die laufende Schlacht. Heute heißt der Ort Gardenstown.

Allein drei große dänische Herrscher waren unter den Toten auf dem Moor. Ihre abgetrennten Schädel wurden in die Kirchenfassade gemauert so heißt es, um dort ganze 800 Jahre mit grausigem Grinsen an die Schlacht zu erinnern, in der sie ihren Tod erblickten. Davon ist nichts mehr zu sehen, doch der Standort der Kirche ist einzigartig, der Blick atemberaubend.

Der Weg dorthin ein kleines Abenteuer auf der steilen Single Track Road. Am Ende geht es nur noch zu Fuß. St John’s war über viele Jahre die Gemeindekirche und was das an einem Sonntag bedeutet hat für die gläubigen Familien, im Anzug und dem besten Kleid den langen Weg von Gamrie oder Macduff bis zur Kirche auf den Klippen, das ist heute nur schwer vorstellbar.

Banff-tastisch

Mit quietschenden Schuhen verließ der adrette Ober den Raum. Ich sah mich um im Speisesaal des County Hotel. Das konnte ich ganz ungeniert tun, ich war der einzige Gast. Ein beeindruckendes Gebäude, elegant auf zwei Ebenen, gebaut für den Provost (Bürgermeister) George Robinson im Jahre 1770. Später gehörte es wohl einer reichen Bürgerin, die mit Leinen viel Geld gemacht hatte und ich bin mir sicher, dass sie den Blick aus dem ersten Stock genauso genossen hat wie ich.

Das Ambiente nobel und ein bisschen in die Jahre gekommen, Dekor schottisch mit einem französischen Touch, das muss am Chef liegen, der Franzose ist und auch kocht. Das war für mich der Grund, mich für ein Abendessen im Hotel zu entscheiden.  Den meisten Besuchern von Banff geht das wohl anders, der unglaublich großen Zahl von Fast Food Läden aller Nationen nach zu urteilen.

Nun saß ich also alleine beim Abendessen, vermisste den Mann ein wenig, hatte aber prinzipiell kein Problem damit. Ich hatte ja einen Ober, der mich unterhielt. Der quietschte gerade wieder herein.

„Was darf ich Ihnen zu trinken bringen?“ fragt er.

„Ich nehme ein Glas Rosé von dem Hauswein als Aperitif.“

Er schaut leicht verwirrt in die Karte und dann zu mir. „Was für ein Glas wollen sie?“

Ich überlege, derweil geht er zur Anrichte und bringt mir zwei leere Gläser.  „So eins, oder so eins?“ fragt er und hält je eins in der Hand.

Ich deute auf das kleinere der beiden und er quietscht mit seinen wohl neuen Schuhen und beiden Gläsern aus dem Speisesaal, kommt aber kurz darauf mit dem gefüllten kleineren Glas wieder zurück und stellt es vor mich hin. Es ist eiskalt und der Rosé sehr trocken, genau, wie man es von einem Franzosen in der Küche erwarten würde. Trés bien!

Der Ober kämpft jetzt mit drei Karten, dem Weihnachtsmenu, das noch Gültigkeit hat, der eigentlichen Karte und der Weinkarte und versucht mir alles aufgeschlagen gleichzeitig zu reichen. Wir jonglieren das gemeinsam irgendwie hin. Ich bestelle ein großes Glas Merlot und ein Rindersteak. Die Karte ist ein sehr guter französisch-schottischer Mix und es fällt mir sehr schwer, mich zu entscheiden.

„Wollen Sie eine Vorspeise?“ fragt der Ober und zappelt dabei unruhig.

„Nein.“ danke sage ich und knabbere an den Chips aus dem kleinen Schälchen, das es zum Aperitif gab.

„Wollen sie vielleicht noch mehr Chips?“ fragt er dann, fast schon erfreut. Das edle französische Ambiente ist eher nicht seins und er macht den Job noch nicht lange aber er ist mit vollem Engagement dabei.

Ich verneine mit einem strahlenden Lächeln und beantworte die nächste Frage, wie ich denn das Steak will, mit medium, aber schottisches medium, nicht französisches. Das ist mir zu blutig und bei einem französischen Koch…

Nun ist aber der Ober ganz verwirrt, trägt die Order aber wohl ganz genauso in der Küche vor, denn das Steak kommt perfekt so wie ich den Garpunkt gerne mag und es ist darüber hinaus unfassbar lecker. Die Röstzwiebeln leicht und knusprig, das Ratatouille würzig, die Pommes aus frischen Kartoffeln, die Pilze ein Genuß. Ich esse beglückt vor mich hin, da quietscht der Ober auf schnellen Schuhen wieder herein.

„Ich habe ihr Steakmesser vergessen.“ ruft er mir aus ein quer durch den Saal entgegen, ganz besorgt, wegen seines Versäumnisses. Der Chef hat in der Küche wohl nachgefragt, ob er auch daran gedacht hat. Nun steht dem jungen Mann schon der Schweiß auf der Stirn.

„Sagen sie den Chef es schmeckt wunderbar.“ sage ich ihm. „Das muss ganz schön schwer sein, das großartige Essen zu servieren und nichts davon essen zu dürfen.“ sage ich. Er sieht irgendwie hungrig aus.

„Ich darf nur servieren.“ sagt er mit Trauer in der Stimme, „nicht essen. Aber der Duft….!“ Diesen letzten Satz lässt er wie den Rauch einer guten Zigarre durch den Raum schweben.

Ich bin mir nicht sicher, ob er für den Job wirklich gemacht ist, aber wahrscheinlich gibt es in Banff nicht wahnsinnig viel Jobs zur Auswahl. Zum Nachtisch serviert er mir Vanilleeis mit Toffee und ich frage, ob sie Espresso haben. Dann wäre mein Glück wahrlich perfekt.

Er kommt wieder aus der Küche zurück, offensichtlich kann er keine meiner Fragen selbst beantworten, weil sehr wahrscheinlich nicht viele Gäste diese Fragen stellen in Banff. In Frankreich wohl aber das weiß der Ober ja nicht. Er schaut mahnend auf die Uhr, sagt aber nicht wie spät es ist.

„Sie können auch entkoffeinierten Kaffee haben.“

Es ist also spät. Ich versuche mein Lächeln zu verstecken. „Das schaffe ich schon, ist ja erst acht Uhr.“Dann genieße ich und nehme eine Flasche des hervorragenden französischen Weißweins mit aufs Zimmer. Endlich mal kein Chardonnay, den sie in Schottland sonst überall anbieten, warum wird sich mir nie erschließen.

„Mit einem großen Glas.“ sage ich gleich, damit er Bescheid weiß. Er kommt mit einem normalen Weißweinglas zurück, nix mit langem Stil und großem Kelch aber egal. Es kommt auf den Wein an und der ist klasse.

Es war ein ausgesprochen leckeres und auch amüsantes Essen im County Hotel in Banff. Ein Besuch lohnt sich, aus vielerlei Gründen.

Die Reise nach Banff

Ich hatte diese Kurzreise schon länger geplant und nun ging es also los: Recherche für das neue Buch, ein paar Friedhöfe und ein leckeres Abendessen so war der Plan und so ist es meist mit unseren Kurztrips. Nur dieses Mal konnte der Mann leider nicht mitkommen. Wir hatten es mehrfach hin und her geschoben aber keine Luft an den wenigen Wochenenden, an denen ich in den Highlands bin. Also bin ich unter der Woche alleine los. Das Ziel: Banff und Banffshire.

Das alte Banffshire treibt einen Keil zwischen Inverness-shire und Elginshire im Westen und Aberdeenshire im Osten, bis tief hinein in die Cairngorms. Die Region umfasste damit sowohl flaches Küstengebiet im Norden als auch hohe Berge an der südlichsten Spitze. Dazwischen breiten sich im Wechsel dunkelbraune die Farmerde und flachsfarbene Getreidefelder aus. Die Küste Banffshires, mal flach mal steil, war trotz ihrer bescheidenen Länge im frühen 20. Jahrhundert eine der wichtigsten für die schottische Schifffahrt.

Ich habe ein paar Punkte auf Google Maps gesetzt und mache mich auf den Weg. Der Winter in diesem Jahr ist seltsam, kein Eis, so gut wie kein Schnee aber dauerhaft Wind und Regen. Auf dem Weg nach Banff aber Sturm mit Böen von bis zu 80 km/h. Eine ganz schön wacklige Angelegenheit. Eine Stunde brauche ich bis zum Laden mit der ersten Costa Kaffeemaschine und frischen Brötchen, hier gibt es sogar Baguette. Aber leider ist die Maschine außer Betrieb und ich muss nochmal eine halbe Stunde bis zum Frühstück draufpacken. Dann bin ich schon hinter Inverness und das Banff Abenteuer kann beginnen.

Ich stoppe an den Seafield Mausoleen in Duthill, schlage mich durch den Sturm und das Hinterland und zwischendurch kommt sogar mal die Sonne raus. Die Bilder muss man aber vom Auto aus machen, weil der Sturm so stark ist, dass man nicht geradestehen kann. In Banff angekommen mache ich eine kleine Tour durch das sehr hübsche Städtchen und natürlich an den Hafen, wunderschön in der Abendstimmung. Es ist zwar erst gegen 15:30 Uhr aber im Januar wird es ja schnell dunkel.

Das Auto habe ich am Hotel abgestellt und weil ich ja nun nicht mehr fahren muss, beschließe ich, mir einen kleinen pre-dinner Drink zu gönnen. Wo also ist in Banff das Pub? Ich wandere durch die Straßen, bewundere das Marktkreuz, den schmalen Turm, das Gerichtsgebäude und alles, was es sonst noch an edlen Gebäuden aus vergangenen Jahrhunderten zu bewundern gilt.

Und die Einheimischen, die ihre letzten Besorgungen mit den Hausschuhen erledigen.

Ein Pub finde ich lange Zeit nicht, doch dann steht es vor mir, das Ship Inn. Drinnen ist es genauso, wie man sich ein Pub der Fischer vorstellt, etwas heruntergekommen, sehr klein und in Anbetracht der Tatsache, dass es Januar ist und damit so gut wie kein Fischer unterwegs auch ziemlich leer. Dafür brennt ein kleines Kaminfeuer. An einem Tisch sitzen zwei Frauen, die beide aufstehen, als ich hereinkomme.

„Heute Frauenabend?“ frage ich und die beiden lachen.

„Sieht so aus.“ sagt die Blonde und tritt hinter den Tresen. Sie ist offensichtlich die Barfrau und sieht auch genauso aus, wie man es sich vorstellt, schlank, blond und ein Raucherinnengesicht wie frisch aus Coronation Street.

„Mir wird heute einfach nicht warm.“ sagt die andere, die einen pinkfarbenen Plüschmorgenmantel über ihren normalen Klamotten trägt. Ich schaue sie wohl etwas verwundert an. Das Outfit passt nun nicht gerade in meine Vorstellung vom Pub der Fischer.

Die Blonde hinter meinem Tresen hat meinen Blick wohl bemerkt und fügt mit einem Blick auf den Morgenmantel an: „Sie darf das, sie ist die Chefin.“

Ich nicke und setze mich an den Tresen. Ich bin also allein im Pub der Fischer mit einer Frau im Morgenmantel und einer, die mir das Bier zapft. Die Unterhaltung kreist um Donald Trump australische Buschfeuer und Enkelkinder. Wenig später geht die Tür auf und ein Mann kommt rein. Auch kein Fischer wie sich herausstellt. Das ist nun der Chef. Als letztes trottet ein zutraulicher Collie herein. Der Haushund.

„Muss eine ganz schöne Arbeit sein bei dem Fell, wenn der Hund im Meer war.“ sage ich zum Chef. Schließlich ist das Pub nur einen Steinwurf vom Strand entfernt.

„Oh, der geht nie ins Wasser.“ winkt der Chef des Ship Inn ab. „Wasser mag er nicht.“

Ich schon denke, ich und genieße den Rest der blauen Stunde draußen am Strand. Dann wartet das Abendessen im Hotel auf mich und das ist natürlich ein weiteres Abenteuer Highlands.

nächsten Sonntag: Banff-tastisch!

Schottland und der Nikolaus

Es gibt nicht viele Dinge, die mir an Deutschland besser gefallen, als an Schottland. Wirklich nicht viele. Aber gerade jetzt, wo in den Geschäften in Deutschland die Lebkuchen verkauft werden – Adventsgebäck und Nikolaus. Die gibt es in Schottland in dem Sinne einfach nicht. Klar, inzwischen kann man auch Marzipanstollen überall in den Geschäften kaufen, sogar in den Highlands. Aber am 6. Dezember passiert in Schottland ganz einfach NICHTS. Keine Rute, kein Obst, kein Mandelkern, kein Knecht Ruprecht und vor allem: kein Nikolaus.

Aber wenn man genau hinschaut, dann gibt es ihn doch, in Peebles nämlich. So haben wir das im Sommer auf unserem Kurztrip in Schottlands Süden festgestellt.

©AbenteuerHighlands Peebles Nikolaus Nellie Merthe Erkenbach

Die Cross Kirk spielte in der Vergangenheit eine wichtige Rolle für die Menschen in Peebles. Davon ist nicht mehr viel übrig, die Kirche ist nicht mehr als ein steinernes Skelett. Die Ruine weist auf eine massive und Burg ähnliche Konstruktion hin, die an Krieg als an Gebet erinnert. Hier war einst ein Kloster, eines von vielen, das im Mittelalter florierte und nach der Reformation aufgegeben wurde. Es sind nicht mehr als ein paar Mauern übrig, aber die Geschichte dieses Ortes ist spannender, als es diese kahlen grauen Mauern vermuten lassen.

©AbenteuerHighlands Peebles und der Nikolaus Nellie Merthe Erkenbach

Im 13. Jahrhundert wurde fast überall in Europa das Kreuz und die Reliquien des hl. Nikolaus von Myrna (in der heutigen Türkei) als Heiligtümer verehrt. Diese historische Person gilt als der geschichtliche Ursprung der Nikolaustradition, wie sie in Deutschland und anderen Ländern gepflegt wird.

Es ist nicht bekannt, wie die Reliquien des Hl. Nikolaus nach Peebles gelangten, doch sollen sie hier in Gegenwart von König Alexander III entdeckt worden sein. Sobald die Reliquien gefunden worden waren, geschahen in Peebles einige Wunder, die den König veranlassten, 1296 vor Ort ein Kloster zu gründen.

©AbenteuerHighlands Peebles und der Nikolaus Nellie Merthe Erkenbach

Die Cross Kirk war ein einfaches Gebäude ohne Trennung zwischen Kirchenschiff und Chor, die Kammern des Priors befanden sich am nördlichen Ende der Kirche, was eher ungewöhnlich war, da der Prior normalerweise die sonnigeren und damit wärmeren Bereiche im Süden nutzte. 1474 wurde Peebles ein unabhängiges Kloster und bekam einen Glockenturm. Die Reformation von 1560 beendete die Existenz der Cross Kirk als Kloster. Die Kirche wurde später als Pfarrkirche genutzt und 1548 von den Engländern niedergebrannt.

Heiligenverehrung ist im weitestgehend protestantischen Schottland unüblich und wohl der Hauptgrund, warum sich die Nikolaustradition in Ländern wie Deutschland oder auch Italien ausbreitete aber in Schottland nie wirklich Fuß fasste.

Wie gut, dass ich in der Adventszeit fast immer in Deutschland und bei der Arbeit bin. Ich habe Nikolaus und dem Mann schicke ich dann einfach Carepakete in die Highlands. Mit Schokolade kann er ja durchaus was anfangen, mit Knecht Ruprecht eher weniger.

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Herbstlächeln

Ich liebe den Herbst, wenn alles langsamer und stiller wird, die Farben aus den Grüntönen ins gelb-rot-braune Herbstbunt und wechseln und die Schneekappen der Berge einen Hauch von Winter verbreiten.

Zwei Wochen Auszeit habe ich mir genommen, um den Herbst in den Highlands zu genießen und es hat sich so sehr gelohnt. Die Wälder haben mich mit einem letzten Farbspektakel empfangen und die Sonne wärmte mit letzten guten Stunden bevor die kalten, weißen Wintertage Einzug halten.

Plockton

Fast drei Monate war ich weg gewesen von Schottland, nun habe ich wieder Kraft getankt und innere Freude in dem wunderbaren Land des Lichts und der Weite. Waren die Tage trüb und regnerisch, dann habe ich in meiner kleinen Schreibhüte gesessen mit dem Öfchen an und weiter an meinem nächsten Buch geschrieben, den Fischreiher beobachtet, wie er stundenlang aufs Wasser starrte und die kleinen Köpfe der Seehunde in den Wellen gesucht.

Invergarry

An den sonnigen Tagen sind der Mann und ich raus in die Natur, in die Wälder, der Farben wegen. Eine unserer Wanderungen ging über 9 Kilometer, naja, wahrscheinlich waren es eher 12, weil ich zwei Mal die falsche Abzweigung genommen habe. Aber es hat sich gelohnt, als wir endlich am Gipfel angekommen waren. Ein wunderbarer Blick zur Insel Skye und den Torridon Mountains waren die Belohnung, sobald wir beide wieder Luft zum normal atmen hatten. Ganz schön steil der letzte Anstieg.

Aber dann schwelgten wir in einem wunderbaren 360° Panorama und schossen Fotos. Und nur so als kleiner Beweis, dass Männer und Frauen am gleichen Ort sein können und die gleichen Dinge tun und doch nicht das Gleich sehen die Bilder, die ich geschossen habe..

..und hier eines, das der Mann geschossen hat.

Und mit diesem Blick fürs Wesentliche wünsche ich euch noch einen fröhlichen Sonntag.

 

Die Douglas aus Douglas

Wer in einer bestimmten gegen in Schottland in der Vergangenheit (und manchmal noch immer) das Sagen hat, ist oft und ganz einfach am Ortsnamen abzulesen. In Douglas, im Süden von Lanarkshire, war das die gleichnamige Familie, die in vielerlei Hinsicht großen Einfluss auf die Geschichte Schottlands hatte. Ursprünglich kamen die Douglas entweder aus Frankreich oder Holland bevor sie in Schottland zu Macht und Reichtum gelangten.

Sir James Douglas (auch Black Douglas, der schwarze Douglas genannt) war einer von zwei Befehlshabern der Armee von König Robert Bruce und später auch der Mann, der das Herz des Königs ins Heilige Land trug, wo er allerdings auch starb. Unter Robert Bruce waren die Douglas zu großer Macht gekommen. Aber sie waren auch religiös und der Bau der St Bride’s Church in Douglas war ein äußeres Zeichen dieser inneren Überzeugung. Die Douglas waren im frühen 14. Jahrhundert, als die Kirche gebaut wurde, sehr einflussreich, ihr Besitz lag in Selkirkshire, Ayrshire, Roxburgshire und Lanarkshire sowie weiter nördlich in Banffshire, Moray und Ross-shire. Der 5. Earl of Douglas war schließlich sogar Regent  Schottlands als James II noch minderjährig war. Der 8. Earl wurde allerdings vom König erstochen und der 9. verlor als Verräter allen Besitz, seine Burg wurde dem Erdboden gleich gemacht.

In der St. Bride’s Kirche befindet sich das Mausoleum der Douglas. Die Uhr war ein Geschenk der legendären Mary Queen of Scots, sie ist damit die älteste Kirchenuhr Schottlands und sie geht traditionell drei Minuten vor. Das liegt am Moto der Douglas: never behind, niemals zurück oder niemals zu spät.

Die „Douglas Tafel“ ist nicht nur in Lanarkshire ein gängiger Begriff für eine historische Begebenheit, die wie so oft nichts an grausamen Details zu wünschen übrig lässt. Eine zentrale Rolle spielte dabei das nicht mehr existente Castle Douglas.

Es war 1307 und die Burg war mit englischen Truppen besetzt. James Douglas aber wollte sie wiederhaben und bat den König um Erlaubnis, seine eigene Burg anzugreifen. Der König nickte und Sir James machte sich mit zwei ausgewählten Männern auf den Weg nach Hause. Dort sammelte er Männer um sich, was auf den eigenen Ländereien naturgemäß nicht sehr schwierig war, der Earl war ja der Lehnsherr der Bauern.

Als der Palmsonntag kam und die gesamte Burg zum Gottesdienst ging, mischte sich Douglas mit den Männern unter die Gemeinde und griff dann von innen heraus die Burg an. Sie töteten alle Engländer und setzten sich anschließend an die große Tafel, die bereits für die Engländer gedeckt worden war, und schlemmten ausgiebig. Dann steckten sie alles ein, was sie mitnehmen konnten, vergifteten die Brunnen, köpften die letzten Engländer, die noch in den Gefängnissen saßen und stapelten ihre Körper, Köpfe und die Essensreste auf der Tafel übereinander. Das nannte man dann die „Douglas Tafel“ (Douglas Larder) denn so hatte noch keiner vor ihm getafelt.

Douglas war bewusst, dass er seine Burg nicht dauerhaft gegen die Engländer würde halten können, deshalb hatte er auch nicht vor, zu bleiben. Er wollte lediglich seine Macht demonstrieren und dem englischen König Edward I mehr als deutlich vor Augen führen: Keiner reizt mich ungestraft! Alle auszulöschen half auch den beteiligten Männern, die er aus den umliegenden Dörfern akquiriert hatte. Ohne Zeugen würde keiner sie mehr identifizieren können, denn die Männer kehrten nach der Tat ja wieder in ihre Häuser zurück. Es war eine barbarische Tat aber es war auch die Antwort auf die mindestens ebenso barbarischen Taten des englischen Königs.

Der Douglas aber hatte noch nicht genug. Die Engländer schickten neue Truppen und besetzten die Burg, Douglas kam zurück und ließ das Vieh vertreiben, das die Engländer außerhalb der Burg weiden ließen. Die Engländer versuchten es wieder einzufangen und liefen geradewegs in den Hinterhalt, den Douglas sich für sie ausgedacht hatte. Er ließ die Toten liegen, zog sich zurück und plante einen dritten Angriff.

Diesmal war es eine Gruppe Frauen, die die Engländer ins Verderben stürzen sollten. Sie transportierten Heu und Nahrungsmittel und waren gerade dabei, mit Packpferden in der Nähe der Burg vorbei zu ziehen. Die Engländer witterten leichte Beute und Nahrung, Pferde konnten sie ohnehin immer gebrauchen. Also griffen sie an, doch die Frauen waren keine Frauen sondern verkleidete Schotten. Die Beteiligten lieferten sich ein heftiges Gefecht, inzwischen griff Douglas seine eigene Burg ein drittes Mal an. Diesmal tötete er die Gefangenen nicht, sondern erlaubte ihnen freie Passage nach England, dann machte der die Burg dem Erdboden gleich. Das war die Politik von König Robert Bruce, immer verbrannte Erde hinterlassen, damit der Gegner keine der Ressourcen nutzen kann.

Für die Engländer war James Douglas nun der Schlächter schlechthin und war und blieb für sie der schwarze Douglas. Diese Art der Kriegsführung war das, was Guerillataktik genannt wird. König Robert Bruce und Sir James Douglas beherrschten sie in Perfektion.

 

Hab ich schon mal gesagt, was ich für wunderbare Leser hier auf „Abenteuer Highlands“ habe?

Vielen lieben Dank Britta für die tollen Fotos. Ich hatte keine, weil ich auf den anderen Friedhöfen in der Nähe zu viel Zeit verbracht hatte. So blieb es bei der Recherche und der Geschichte ohne Bilder, bis Britta ihre anbot.  

Ich freu mich sehr darüber. 

Liebe Grüße,

Nellie

Der Untote von Selkirk

Wohin ich auch gehe, ich stolpere derzeit ständig über schottische Gruselgeschichten. Zuletzt war es noch Sanquhar, nun ist es nach einem Ausflug in Schottlands Süden Selkirk. Geneuer gesagt, der Schuhmacher von Selkirk.

starirs to Selkirk cemetery

Schumacher ist gemeinhin kein Handwerker, bei dem es besonders aufregend oder gruselig zugeht, sieht man einmal von den Preisen ab, die man in Deutschland für das besohlen eines guten Schuhs bezahlen muss. In Schottland sind Schuhmacher heute deutlich billiger als in Deutschland aber früher war das auch anders. Da  trugen die Kinder der Landbevölkerung oder die Armen der Slums von Glasgow oft gar keine Schuhe, das war zu teuer. Ein Schuhmacher hatte gehobenes Klientel im Geschäft und war ein angesehener Bürger, zumindest im frühen 19. Jahrhundert, in dem diese Geschichte spielt.

Der Schuhmacher von Selkirk (Sutor of Selkirk) hat es zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Er trug den lustigen Namen Rabbie Heckspeckle und ein Großteil der Bürger von Selkirk trug Schuhe, die er gefertigt hatte. Rabbie begann gerne früh mit der Arbeit und war in seinem Laden oft lange bevor er öffnete. So hatte er tagsüber mehr Zeit zum Tratschen. Eines Morgens nun, es war Winter und noch stockdunkel draußen, betrat ein Fremder den Laden des Schuhmachers. Er sah durchaus wie ein Edelmann aus, wenn auch etwas vernachlässigt, er roch unangenehm, seine Kleidung wirkte fast schon verwahrlost. Er wollte ein Paar Schuhe und Rabbie war nur zu bereit, ihm ein Paar zu verkaufen. Der Fremde zeigte auf ein Paar, das ihm gefiel aber es hatte nicht die richtige Größe.

Rabbi nahm also Maß und versprach dem Fremden, ihm bis zum nächsten Tag neue Schuhe zu fertigen. Der Fremde nickte und bestand darauf, die Schuhe wieder so früh abzuholen, wie er an diesem Tag in den Laden gekommen war, bevor der Hahn krähte. Der Schuhmacher hatte kein Problem damit. Als die Sonne aufging, war er mit den Schuhen des Fremden schon ein gute Stück voran gekommen, doch es dauerte bis in die Nacht, bis Rabbie Heckspeckle endlich fertig war.

Nach wenigen Stunden Schlaf weckte den Schuhmacher ein lautes Klopfen. Es war der Fremde, der seine Schuhe abholen wollte. Heckspeckle rieb sich den Schlaf aus den Augen, ging hinunter in den Laden, öffnete dem Fremden die Tür und gab ihm seine Bestellung. Der war zufrieden, warf ihm ein paar Silbermünzen aus einem schimmligen Geldbeutel zu, drehte sich um und ging.

Rabbie Heckspeckle wollte es nun genau wissen. Wer war der Fremde und wo wohnte er? Etwas war nicht ganz koscher mit dem Mann. In Selkirk kannte er jeden Edelman, der sich Schuhe leisten konnte. Wer aber war dieser Kunde? Rabbie beschloss ihm zu folgen. Es war noch immer dunkel und er konnte leicht ungesehen bleiben. Er folgte dem Fremden bis zum Friedhof, wo der sich auf ein Grab legte und plötzlich verschwunden war. Entsetzt kam der Schuhmacher näher, das Grab schien unberührt, die Erde war nicht aufgeworfen. Hier hatte keiner gegraben, wie also war der Fremde verschwunden?

Gräber Selkirk

Mit dieser unglaublichen Geschichte rannte der Schuhmacher zurück und erzählte sie im Laden und später auf der Straße und in der Kneipe jedem, der sie hören wollte. Keiner wollte ihm natürlich glauben aber schließlich riefen sie doch den Totengräber, der sollte das Grab ausheben, sonst würde der Schuhmacher nie Ruhe geben.  Keiner glaubte auch nur im Traum daran, dass der Fremde in dem Grab verschwunden war. Doch als der Totengräber vor Zeugen den Sarg öffnete, lag ein Man darin, der genauso aussah, wie ihn der Schuhmacher beschrieben hatte. Der Tote trug nagelneue Schuhe.

Man beschloss den Sarg wieder gut zu verschließen und sicher zu begraben. Die neuen Schuhe nahm der Schuhmacher an sich. Schließlich waren sie viel zu schade, um zu verrotten. Die könnte er ohne Probleme noch einmal verkaufen. Es sollte der größte Fehler in Rabbie Heckspeckles Leben werden.

Am nächsten Morgen wurde die Ehefrau des Schuhmachers von einem seltsamen Lärm im Laden ihres Mannes geweckt. Auch den Nachbarn war der Lärm nicht entgangen. War es ein Streit, den sie da hörten? Oder war es ein Kampf? War das ein verzweifelter Schrei? Keiner traute sich auch nur aus dem Fenster zu sehen. Sie alle versteckten sich, bis die Sonne aufging, dann fanden sie sich vor dem Laden von Rabbie Heckspeckle ein. Der war verschwunden, sein Laden verwüstet. Dreckige Fußspuren führten zu Friedhof und dort genau zu dem Grab, das sie am Vortag ausgehoben und wieder versiegelt hatten.

Der Totengräber wurde gerufen und er grub den Sarg ein weiteres Mal aus. Sie öffneten ihn und der Fremde lag darin. Keine Spur vom Schumacher. Doch dann sahen sie das weiße Hemd, das Rabbie Heckspeckle gestern noch getragen hatte. Der Fremde hielt den blutverschmierten zerrissenen Stoff in seinen bleichen, knöchernen Händen. An seinen Füßen glänzte ein neues Paar Schuhe.

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