Lust und Verlust

Diese Geschichte reicht bis ins 7. Jahrhundert zurück, was sie um die 1400 Jahre alt macht. Sie könnte sogar noch älter sein. Niemand kann wirklich sagen, wann genau sie tatsächlich passiert ist. Sie beginnt nicht in Schottland, sondern in Kolossai in Südanatolien. Dort wurde ein Mädchen geboren, das zu einer schönen Frau heranwuchs. Sie hatte die dunklen Augen ihres Volkes und den Geist einer Heiligen. Sie muss aber auch ein Gefühl von Abenteuer in sich gehabt haben, denn sie reiste den ganzen Weg nach Schottland, gute 4000 Kilometer. Eine echte Herausforderung im 7. Jahrhundert.

Abenteuer Highlands Schottland mit dem Wohnmobil

Sie hieß Triduana und ließ sich nach ihrer Ankunft in Schottland in Rescobie in Forfar nieder. Anscheinend hatte sie dem Heilige Rude geholfen, die Knochen des Heiligen Andreas nach Schottland zu bringen. Die Kapelle von Rescobie gehörte zum Priorat von St. Andrews.

Die hübsche, aber fromme Frau aus dem Süden, erregte bald das Interesse der Männer im Norden, und Nectan, der König der Picten, wollte die ausländische Jungfrau haben. Viele Quellen sprechen über die Liebe, die dieser Mann für sie empfand, vielleicht war es Liebe, vielleicht war es nichts als Lust. Was auch immer es war, es war Triduana nicht willkommen. Sie verließ Rescobie, um sich in Dunfallandy zu verstecken.

Der König schickte seine Männer nach ihr, um sie von seiner Liebe zu ihr und besonders von ihren schönen dunklen Augen zu überzeugen. Man kann annehmen, dass Gewalt Teil der Überzeugungskraft war. Triduana war jedoch nicht zu überzeugen und ergriff verzweifelte Maßnahmen. Sie nahm ein Messer und kratzte sich beide Augen aus. Dann gab sie den Männern des Königs die blutigen Augäpfel. Möge er ihre Augen haben, sie aber würde sie nicht bekommen.

Sie hätte seine lustvollen Augen herauskratzen sollen und nicht ihre eigenen, es hätte sie zu einer Kämpferin statt zu einer Heiligen gemacht. Sie starb in Restalrig (Edinburgh) und wurde dort begraben. In Recobie gibt es nichts mehr, was darauf hindeutet, dass Triduana einst hier lebte und die Aufmerksamkeit eines mächtigen Mannes auf sich zog, dennoch wurde sie zur Legende. Die Menschen glaubten, die Heilige Triduana könne Augenkrankheiten heilen, und das soll sie im Laufe der Jahrhunderte auch mehrfach getan haben.

Nur weil der König der Pikten ein Auge auf sie geworfen hatte.

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Lochcarrons blutige Fehde

Donald MacDonald war der 8. Glengarry und seine Regierungszeit war aus vielen Gründen unvergesslich, vor allem wegen der Gewalt, die seinen Weg als Chief seines Clans begleitete.

Zwischen seiner Familie und den MacKenzies tobte eine Fehde, die aus einem Streit um Eigentum in Lochcarron entstanden war. Blut wurde vergossen, Vieh wurde überfallen, Eigentum zerstört. Mord und Rache beherrschten das Gebiet Ende des 16. Jahrhunderts über 20 Jahre lang.

Duncan war einer der Glengarry MacDonalds, er war ein Stalker und schoss hauptsächlich Hirsche in der Gegend von Glasletter, dem Wald der Mackenzies von Gairloch. An einem schönen Tag im Wald trafen er und ein anderer Mann zwei Mackenzies. Die Mackenzies verdächtigten sie der Wilderei, beide Männer waren bewaffnet und es war bekannt, dass sie in der Vergangenheit gewildert hatten.

Ein Streit entbrannte, der außer Kontrolle geriet und die beiden Männer wurden getötet und direkt am Tatort  begraben, damit die Tat unbemerkt blieb. Aber das Verschwinden von Duncan und dem anderen Mann blieb offensichtlich nicht unbemerkt. Die beiden Mackenzies kamen vor Gericht, wurden aber nie für schuldig befunden.

Jahre später wurden Duncans Knochen von einem Freund geborgen, der nie aufgehört hatte, nach ihm zu suchen. Jetzt hatten die MacDonalds den Beweis, dass Duncan ermordet worden war. Der Beweis lag bleich und kalt in der Erde vom Glasletter Wald.  Der Mord konnte nicht ungesühnt bleiben.

Bald darauf töteten die MacDonalds einen der Brüder des Mörders, als der seine Felder in Glenstrathfarrar pflügte. Das wiederum musste von Rory Mor gerächt werden, einem Mackenzie, dem das Land gehörte auf der der Bruder des Mörders ermordet worden war. Rory Mor wollte die MacDonalds nicht mit Mord in seinem Gebiet davonkommen lassen. Er bat Dugall MacKenzie von Applecross um Hilfe, die beiden waren Freunde und heckten einen Plan aus.  Ihr Ziel: der MacDonald, der zu dieser Zeit in Strome Castle in Lochcarron lebte.

Also arrangierten sie in Kishorn ein Treffen zwischen Dugall und dem MacDonald, die beiden waren Nachbarn und hatten ohnehin verschiedene Dinge zu besprechen.  Dugall überzeugte dann den Glengarry, den Rückweg auf dem Landweg zu nehmen und seine Frau mit ein paar Männern zum Schutz alleine per Boot nach Hause zu schicken. So hätte sie es doch viel bequemer. Und so tat es der MacDonald, ohne zu ahnen, dass er im Begriff war, überfallen zu werden.

Rory Mor und weitere Mackenzies warteten auf den MacDonald und seine Männer. Sie nahmen ihm nicht das Leben, aber sie nahmen das Leben von allen, die bei ihm waren. Die Fehde war aber immer noch nicht zu Ende. Lochcarron würde in den kommenden Jahren mehr Gewalt zwischen den MacDonalds und den Mackenzies erleben.

Quelle und weiterführende Literatur:

Alexander Mackenzie: History of the Macdonalds and Lords of the Isles. With genealogies of the principal families of the name. Inverness, Mackenzie; 1881

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Der Dichter und sein Freund

Robert Burns hat viele denkwürdige Gedichte und Lieder geschrieben, einige lustig, einige witzig, viele frech und einige sehr berührend. John Anderson. Mein Jo ist eines der letzteren, ein Lied über das Zusammenwachsen, über die Liebe und Kameradschaft gegen Ende eines Lebens. Es ist ein sanftes und rücksichtsvolles Werk, obwohl es auf einer Ballade basiert, die war weitaus expliziter, fast schon anrüchig ist. Aber nicht „Mein Jo!“

John Anderson, my jo, John,

We clamb the hill thegither;

And mony a cantie day, John,

We’ve had wi‘ ane anither:

Now we maun totter down, John,

And hand in hand we’ll go,

And sleep thegither at the foot,

John Anderson, my jo.

John Anderson, mein Jo, John,
Wir kraxeln den Hügel hinunter;
Und viele lustige Tage, John,
Die hatten wir miteinander:
Jetzt taumeln wir runter, John,
Und Hand in Hand gehen wir,
Und schlafen beide am Fuß des Hügels,
John Anderson, mein Jo.

Burns schrieb das Gedicht für John Anderson, seinen Freund John Anderson. Sein Jo. Ein Mann, der 84 Jahre alt wurde und 1832 starb. Der Barde sollte nie wissen, wie es wäre, zusammen alt zu werden. Er starb ziemlich jung und fast 40 Jahre vor seinem Freund John Anderson, der Zimmermann war. Einige sagen, er habe sogar den Sarg für Burns Beerdigung gemacht.

John Anderson wurde in Kilchuiman (manchmal Kilchuimen) in der Nähe von Fort Augustus begraben. Er stammte ursprünglich aus Ayrshire und hatte sich auf die Westseite von Loch Ness zurückgezogen, wo seine Tochter einen Gastwirt geheiratet hatte. Das Inn wurde später in das Glengarry Hotel umgewandelt. Hier wohnte Burns, als er John Anderson besuchte, und es heißt, er sei bei seinem Besuch inspiriert worden, das Gedicht zu schreiben.

Andersons Tochter Catherine starb einige Monate später im selben Jahr wie ihr Vater. Sein Schwiegersohn starb in der Seekatastrophe von 1825, als die PS Comet II vor Kempock Point mit dem Dampfer Ayr kollidierte. 62 Männer ertranken. Die Besatzung der Ayr bot keine Hilfe an und drehte ab. Angeblich waren allen am Tanzen gewesen, als das Unglück geschah. Es muss sich ein wenig wie auf der Titanic angefühlt haben.

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Der etwas andere Reiseführer ist da!

Schottland für stille Stunden ist kein klassischer Reiseführer, hier finden sich keine Touristenziele oder Öffnungszeiten. Schottland für stille Stunden führt vielmehr an weitgehend unbekannte Orte und erzählt historische, abgründige, romantische oder lustige Geschichten durch die Jahrhunderte. Entdecken sie die Seele statt der Sehenswürdigkeiten Schottlands, Tipps aus dem wahren schottischen Leben und Orte, die es möglich machen ein Land so zu erleben, wie es wirklich ist. Mit dem Reiseinspirationsbuch kann man dieses wunderbare Land vor Ort ohne Trubel ganz anders erfahren oder sich einfach zu Hause auf dem Sofa hinein träumen. Der Reiseführer in die Seele Schottlands beschreibt Schottland für Fortgeschrittene, die aufregende Geschichte, die atemberaubende Natur und die fast vergessenen Orte abseits der Touristenströme von Arthur’s Seat, Loch Ness oder Glencoe und dennoch mitten im Herzen Schottlands.

35 Kapitel entsprechen den alten und klangvollen Shires, Burghs und Sheriffdoms, die traditionellen Regionen statt der modernen Verwaltungsbezirke, weil sie zum einen für viele Schotten noch immer das Maß der geographischen Dinge sind und weil Geschichte eine ganz große Rolle spielt in dem etwas anderen Reiseführer von Nellie Merthe Erkenbach. Kleine Änderungen wurden aus logischen und logistischen Gründen vorgenommen. So wurde Berwick berücksichtigt, obwohl es heute in England liegt und einige der Inseln getrennt behandelt, Lewis gehörte zum Beispiel zu Rosshire, Harris zu Argyll und sind nicht zwei, sondern eine Insel der Äußere Hebriden.

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Die Autorin

Nellie Merthe Erkenbach ist Fernseh-Journalistin und Autorin und teilt sich ihr Leben zwischen Deutschland und Schottland auf. Sie bereist Schottland seit nunmehr über 35 Jahren, hat schottische Geschichte und schottische Literatur an der Universität Glasgow studiert und lernt derzeit schottisches Gälisch in Sabhal Mòr Ostaig auf der Isle Skye. Dieses wunderbare Land, ohne die gängigen Klischees zu zeigen, war ihr schon viele Jahre ein Anliegen, nun ist es ein Buch geworden. Weitere Bücher von Nellie Merthe Erkenbach sind Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland (Amazon 2018) und Riding Towards Shadows (Amazon 2018).

Fotos

Ewan Roy MacGregor fotografiert seine Heimat Schottland seit vielen Jahrzehnten. Nach einer erfolgreichen Karriere als Musiker in Glasgow lebt er nun in den schottischen Highlands, die ihn immer wieder aufs Neue zu herausragenden Bildern inspirieren. Leider stellten sich die Produktionskosten beim Taschenbuch als zu hoch heraus, um die Bilder darin zu veröffentlichen. In der eBook Version sind sie aber enthalten.

Ab sofort als eBook und Taschenbuch bei Amazon erhältlich!

eBook

Taschenbuch

Schottland für stille Stunden

Der Reise-Inspirationsführer Schottland ist in allen Formaten bei Amazon erhältlich!

Schottland ist ein Land voller Geschichte, Geschichten und Geheimnisse. Oft sind die drei nicht exakt voneinander zu trennen. Das macht dieses Land so wunderbar und einzigartig. Diese Geschichten wurden für den WordPress Blog Graveyards of Scotland über viele Jahre zusammengetragen, ausgegraben und entdeckt. Quellen waren meist historische Reiseführer aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die Funde oft schaurig, schön, lustige oder grausam. Eine ungewöhnliche Annäherung an die Geschichte eines Landes, die erstaunliche Ergebnisse hervorbrachte. Man muss aber die Leidenschaft der Autorin für Friedhöfe nicht teilen, um diese Buch genießen zu können. Die meisten Geschichten spielen ja nicht auf einem Friedhof, sie enden lediglich da.

Der Feenhügel in Inverness, ein Salpetermord auf Shetland, eine Familie von Linkshändern, Wölfe gestern und heute, Robert the Bruce und William Wallace einmal ganz anders, die geheime Bucht des Schriftstellers Gavin Maxwell, ein mordender Dichter und alles, was Schottland außer Whisky, Schafe und Tartan noch ausmacht. Schottland für Experten, nicht für Anfänger.

Machen sie es sich in ihrem Lieblingslesesessel gemütlich und genießen sie Schottland für stille Stunden.

Zitate

Das Meer ist ein gefährlicher Freund, eine verlockende Schönheit und ein brutaler Mörder zugleich. Selbst an ruhigen Tagen sind hier Menschen in den Gewässern rund um die Inseln ertrunken. Wenn die Herbststürme einsetzten, hatten die gewaltigen Wellen in der Vergangenheit oft ein tödliches Fest. Auf Shetland spülte am Sumburgh Head, wo der Atlantik auf die Nordsee trifft, so mancher Körper an Land.

Als William Soutar klar wurde, dass die Krankheit nicht nur sein Leben begleiten, sondern es sogar beenden würde, soll er einen Moment innegehalten haben. Dies war der Moment der Erkenntnis: Nun konnte, nun musste er Dichter werden. Er wurde einer der besten seines Landes.

Anders die Abendstimmung, blaue Stunde und eine ähnlich milde Stimmung wie am Morgen aber viel dramatischer, wenn die Nacht hereinbricht und die letzten Sonnenstrahlen noch ein paar Sekunden über den Wolken verweilen, bevor der Tag zu Ende geht. Das Blau scheint direkt vom Meer zu kommen, mit einem schwachen Duft nach Sommertag wie die Erinnerung gelebter Stunden.

Schottland Foto Challenge – Isle of Skye von Antje Babendererde

Hier ist Antjes Textbeitrag zur Foto-Challenge:
Halbinsel Waternish. Im Jahr 1578 wurde die kleine Trumpan Church Schauplatz eines fürchterlichen Verbrechens, als die MacDonalds von Uist bei Nacht und Nebel von ihrer Insel herüberkamen, um ihrerseits für ein Massaker Rache zu nehmen, dass die MacLeods in einer Höhle auf der Insel Eigg an ihrem Clan verübt hatten.
Während eines Gottesdienstes verriegelten die MacDonalds die Tür der Kirche und verbrannten alle Kirchgänger bei lebendigem Leib. Man sagt, ein junges Mädchen schnitt sich eine Brust ab, um durch eines der schmalen Kirchenfenster zu gelangen und ihre Leute auf Dunvegan Castle um Hilfe zu holen. Die Krieger der McLeods töteten alle MacDonalds, bevor sie Skye wieder verlassen konnten.
Drei MacLeods errichteten später die St. Clements Church in Rodel auf der Insel Harris, um Buße zu tun für ihre Taten. Steinern ruhen die einstigen Inselherren in Kettenhemd und Spitzhelm auf ihren Gräbern in der Kirche.

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Wer mehr wissen möchte zu der Geschichte in der Kirche von Trumpan oder über St Clement’s in Harris findet das auf Graveyards of Scotland

Burn the church!

an ax wound, mass murder and lust

 

Das war der letzte Beitrag zur Schottland Foto Challenge. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird am 8.11.2020 bekannt gegeben. Abstimmen könnt ihr noch bis zum 31.10.2020. Und denkt daran, es zählen die Likes, nicht die Votes. 😉 Viel Glück!

Schottland Foto Challenge – Äußere Hebriden von Antje Babendererde

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Die Äußeren Hebriden. Auf dem Flughafen von Barra, der größten Insel im Süden der Äußeren Hebriden, landen ein bis dreimal täglich kleine Flugzeuge aus Glasgow auf dem Strand. Es ist der einzige reguläre gezeitenabhängige Flughafen der Welt. Die Piste besteht aus Millionen von Herzmuschelschalen und bei Flut kann ihr nicht gelandet oder gestartet werden.
Vielen Dank liebe Antje für deinen Beitrag. Auch diese Fotos sind wieder klasse!
Antje wäre in diesem Jahr gern nach Schottland gereist aber… lest mehr zu ihr unten.
Ich bin in Thüringen geboren und aufgewachsen und lebe jetzt in Liebengrün, einem 300 Seelen Dorf, immer noch Thüringen.
Gelernt habe ich Töpferin, schreibe aber seit fast 30 Jahren. Thema bisher: die Indianer Nordamerikas. Vor ein paar Jahren kam dann die Leidenschaft für Schottland dazu. Eigentlich wollte ich meine Romane nie in einem weiteren fremden Land ansiedeln, denn es ist immer so ein Ding, über fremde Kulturen zu schreiben. Aber dann war ich bei meiner letzten Recherche in Moosonee an der Hudson Bay, und fand auf einem Indianerfriedhof keltische Kreuze und etliche Cree hießen Macdonald, MacLeod, Sutherland … und weil ich mich bei unserer letzten Schottlandreise in Durness und Umgebung verliebt habe, ist es dann doch dazu gekommen.
Allerdings quäle ich mich mit dem Schottland-Manuskript wie noch nie mit einem zuvor. Weil vom Verlag aus die Seitenzahl begrenzt ist, weil es eine leichte Liebesgeschichte sein soll und ich finstere Seelenqualen und Dramen mag …
Und habe gemerkt, dass dreimal dort gewesen sein nicht reicht.
Dieses Jahr sollte es die erste richtige Recherchereise allein sein. Mit Linksverkehr und Drum und Dran. Tja …

Schottland Foto Challenge – Isle of Skye von Britta Dicken

Schottland und das Wetter

Jeder, der sich länger als fünf Minuten mit Schottland beschäftigt hört oder liest den Spruch: Gefällt Dir das Wetter nicht, warte ein paar Minuten. Oder alternativ:  Nur in Schottland gibt es alle vier Jahreszeiten an einem Tag!

Bisher haben wir immer darüber gelächelt. Ja, ab und an hat uns auch mal ein Regenschauer überrascht, sogar Hagel haben wir schon abbekommen und danach direkt wieder Sonnenschein. Aber nichts, wirklich nichts hat uns auf die paar Tage im April 2017 auf der Isle of Skye vorbereitet. Ja, ich weiß auch, April ist jetzt nicht die bevorzugte Reisezeit für Schottland. Aber wir hatten ein Ziel vor Augen: Eine Woche auf der Isle of Skye und zwei Tage davon mit einem Fotoworkshop zur Langzeitbelichtung mit einem preisgekrönten Fotografen. Der Workshop war toll, das Wetter war halt typisch schottisch durchwachsen. Angenehme 10 Grad, konstant ein leicht eisiger Wind und ab und an Sonne. Es hätte schlimmer kommen können, haben wir uns gedacht! An den Fairy Pools hingen die Wolken schön tief und gaben eine grandiose Kulisse für unsere Versuche der Langzeitbelichtung. Die Ergebnisse sind nicht perfekt, aber ich bin damit sehr zufrieden!

 

Nach dem Workshop wollten wir die Insel auf eigene Faust erkunden. Der Himmel war bedeckt (wann ist er das mal nicht auf Skye), aber bis auf ein paar verirrte Regentropfen, war alles in bester Ordnung. Ein leichter Graupelschauer überraschte uns auf der Columba’s Isle, einer kleinen Friedhofsinsel mit einigen außergewöhnlichen Grabsteinen. Mehr im Gedächtnis geblieben sind uns allerdings eher die Wachgänse auf der Straße zur Insel, die lautstark jeden unserer Schritte kommentiert haben und versucht haben, uns durch den Zaun zu beißen. Wer braucht Hunde, wenn er Gänse hat!

Von dort aus sind wir ins wunderschöne Fairy Glen gefahren. Eine verwunschene Landschaft … schöner, als sie jedes Bild wiedergeben kann! Überrascht hat uns allerdings die Schneekuppe auf der Trotternish Ridge. Unser Host hatte uns zwar erzählt, dass es in der vergangenen Nacht geschneit hätte, aber bisher hatten wir davon nichts gesehen. Uns erwartete ein ausgedehnter Spaziergang bei strahlendem Sonnenschein und einem eisigen und starken Wind! Aber der Kampf gegen die Sturmböen hat sich gelohnt. Ich weiß nun auf jeden Fall, warum dies das Tal der Feen ist!

Doch wir wollten an diesem Tag noch weiter. Duntulm Castle, die Ruine auf dem Felsen ganz am nördlichen Ende der Insel ist nicht so sehenswert. Aber die kleine Bucht ist ein Traum. Wir waren bereits vor Jahren dort und wollten uns unbedingt nochmals in Ruhe umschauen. Doch je weiter wir nach Norden fuhren, auf der einzigen Straße dort oben im Nirgendwo, desto kälter wurde es. Gefühlt mit jedem Kilometer sank die Temperatur um ein weiteres Grad und plötzlich wurde aus dem leichten Nieselregel ein leichter Graupelschauer und aus dem Graupelschauer wurde Schnee. Erst nur kleine Flöckchen, dann immer größere und im Nu war die Straße kaum mehr zu erkennen. Ohne Begrenzungen, wofür auch, fahren hier wahrscheinlich am Tag keine drei Autos lang, war das gar nicht so ungefährlich. Schlimmer jedoch waren die Schafe. Schafe? Schlimm? Ja, spätestens dann, wenn sie so zugeschneit sind, das man sie kaum sehen kann, was sie natürlich dennoch nicht davon abhält mal eben über die Straße zu laufen.

Gesehen haben wir Duntulm Castle im dichten Schneetreiben nicht und sind gaaaaaanz langsam weitergefahren. Ab Portree war der Spuk übrigens wieder zu Ende. Der Schnee hielt sich noch ungefähr eine Stunde auf der Straße, dann war auch schon wieder geschmolzen und die Temperatur pendelte sich wieder auf schnuckelige 10 Grad ein. So im Nachhinein hört sich das ganz witzig an, aber selbst mit Winterreifen haben wir Blut und Wasser geschwitzt! Wenn wir es nicht selbst erlebt hätten, würden wir es wahrscheinlich heute noch nicht glauben.

Doch schon der nächste Morgen war außergewöhnlich! Strahlend blauer Himmel, Sonne satt und schneebedeckte Bergkuppen! Ein Traum-Wetter zum Fotografieren. Ich glaube, an keinem anderen Tag haben wir so schnell gefrühstückt wie an diesem Morgen! Wir wollten einfach nur raus und es war einfach gigantisch. Wir sind den ganzen Tag über die Insel gefahren. Haben mal hier gehalten, mal dort eine Pause gemacht und uns so langsam unserem Wunsch-Ziel des Tages genähert: Elgol.

Elgol ist ein verschlafenes Nest an einem kleinen Hafen. Alleine die Anfahrt ist schon außergewöhnlich. Die Straße ist so eng und so steil, dass selbst mein Alpenerfahrener Mann mit sehr viel Bedacht gefahren ist. Die Aussicht vom Hafen lohnt die Mühe aber auf jeden Fall! Ein Traum! In einer leichten Jacke haben wir den Strand erkundet und einen Adler verfolgt. Leider ist der so hoch geflogen, dass selbst mit dem großen Tele auf dem Bild nur ein Umriss zu sehen ist. Erst als wir ihn aus den Augen verloren haben, haben wir entdeckt, was da plötzlich auf uns zukommt. Dicke, dunkle, bedrohliche Wolken hatten sich am Sgùrr Alasdair aufgetürmt und kamen in einer rasenden Geschwindigkeit über die Bucht auf uns zu. Wir haben es mit Mühe und Not so gerade ins Auto geschafft, bevor einen kleines Unwetter über uns hereinbrach. Zwischen den beiden Fotos liegen übrigens knapp 30 Minuten! So viel dann zu dem schnell wechselnden Wetter in Schottland. Schneller geht es nirgendwo

Die Woche auf Skye war auf jeden Fall ein echtes Erlebnis und das Wetter zum Fotografieren ein Traum und Albtraum zugleich. Ach ja, das Unwetter war übrigens nach gut 10 Minuten wieder vorbei und die Sonne strahlte wieder vom Himmel. Ganz nach dem Motto: Warte ein paar Minuten, dann gefällt Dir das Wetter wieder.

Einmal mehr wunderbare Fotos. Vielen Dank dafür und dass du dir die Mühe gemacht hast, uns diese Geschichte zu schreiben. Natürlich gebe ich die völlig recht, die Isle of Skye ist auch im Winter wunderschön.  😊  LGN 

Schottland Foto Challenge – Andys Liebe zu Schottland

Liebe Leser,

hier kommt Andys zweiter Teil, ihr habt bestimmt schon darauf gewartet. Viel Spaß damit!

LGN

Die folgenden Jahre bin ich dann auf verschiedene Art und Weise nach – und durch Schottland gereist, mal mit Wohnmobil (9 m lang und 4,20 hoch ist definitv nichts für die Highlands, mal mit Wohnwagen (auch zu groß mit 10 m Länge zzgl. 5 m Auto – da findet man ja zum Teil keinen Campingplatz – „Oh my god, what is this?? Are you kidding me?“) und dann lieber mit gemieteten Ferienhäusern, von wo ich aus die jeweilige Gegend erforscht habe.

Eine Reihe dieser Bilder sind hier sehen, oft natürlich bekannte Plätze, aber trotzdem immer wieder wunderschön.

Ich habe Schottland die folgenden Jahre zu allen Monaten und Jahreszeiten bereist und  sogar das schottische Wetter lieben gelernt. Das Essen in den Restaurants und Pubs hat sich über die Jahre deutlich verbessert, man hat gelernt, dass man mit erstklassigen Lebensmitteln auch gutes Essen machen kann.

Sogar das Bier hat sich verbessert, aus dem faden, spülwasser-ähnlichen Gebräu – sowohl vom Geschmack als auch vom Alkoholgehalt her – haben sich wahre Kunstwerke entwickelt.

Und vor 6 Jahren habe ich sogar meine Leidenschaft für Whisky entdeckt.

Mit Spontanität nach Schottland – von April bis September – zu schönen Plätzen war allerdings die letzten Jahre nicht mehr möglich, man musste zum Teil ein Jahr im Voraus buchen, was allerdings nicht immer so einfach ist. Immer mehr Menschen haben dieses Land für sich entdeckt und alles belegt…

Vor zwei Jahre habe ich – nachdem ein gemietetes Feriencottage mal wieder fototechnisch zwar sehr gut angeboten wurde, aber in der Realität blanker Horror war – spontan ein älteres Cottage zwischen Lochgilphead und Oban fest angemietet. Ich war eh 2-3 mal im Jahr dort und durch das gemietete Haus war ich jederzeit in der Lage mit Handgepäck (voll mit deutschem Brot – da hat sich nichts verbessert) ein paar Tage zu verschwinden.

Auch wenn es – trotz Ofen und Heizlüfter – draussen wärmer als drinnen war und ich dank eines undichten Daches im Bad auch ohne den Wasserhahn abzudrehen duschen konnte – so hatte ich endlich meinen eigenen Platz in meiner Herzensheimat.

Letztes Jahr hat mir dann mein damaliger Vermieter mitgeteilt, dass er das Cottage und seine Wohnung in Glasgow verkaufen würde um nach Irland zu ziehen (Wie kann man nur? Mal dort Urlaub zu machen ist ja ok, aber von Schottland weg??).

Da ich nicht wusste, ob ich dort dann weiter wohnen können würde, war das der Anlass mir etwas neues zu suchen. Und – nach anfänglichen Problemen – fand ich dann tatsächlich meinen Traum in dieser Gegend, nur 8 km weit weg bei Crinan, modern, warm und mit Blick aufs Meer. Und mit Glasfaserinternet!!!  in der Nähe eines Dorfes mit 74 Einwohnern  (75 – wenn ich dort bin).

Die Pandemie der letzten Wochen hat ja gezeigt, dass man – wenn man Glück hat – auch vom Homeoffice gut arbeiten kann und das ist halt dann 2000 km weit weg vom Büro….

gut und böse

Es ist die Zeit der Corona Krise und Schottland zum Zufluchtsort vieler geworden, die Angst haben sich da, wo sie leben, mit dem Virus anzustecken. Nicht jeder lebt so sicher wie wir hier in den Highlands, die jedem die Möglichkeit geben, Raum zu schaffen zwischen sich selbst und anderen Menschen.

Indian Summer scotland

An der Westküste und im Inneren der Highlands empfinde ich die Zahl derer, die sich hierher zurückziehen als sehr groß. Weil die meisten Campingplätze geschlossen haben, campen die Corona-Flüchtlinge wild und hinterlassen manchmal leider auch eine Verwüstung auf den Ausweichbuchten der Single Track Roads und an den anderen Stellplätzen. In Gegenden, in denen man tatsächlich auch auf etwas Grün sein Zelt aufschlagen kann, riecht es inzwischen oft unangenehm. Es gibt so gut wie keine öffentlichen Toiletten und die wilden Camper erledigen offensichtlich ihre Geschäfte direkt vor Ort.

wild campers

 

Ganz besonders ist mir das am Loch Loch Duntelchaig aufgefallen, wo normalerweise viele Angler den Tag verbringen. Nun sind die Camper da und man riecht sie. Ich kam an einem dieser aufgemotzten Opel Corsa mit auswärtigem Kennzeichen vorbei, da räkelte sich gerade ein junger Kerl im Versuch aufzuwachen. Um das Auto herum lagen ein halbes Dutzend Plastiktüten voll mit Müll. Prima dachte ich. Wenigstens nehmen sie ihren Müll mit. Als ich am Nachmittag nochmals vorbei komme sehen ich einen großen verbeulten Camper mit Kanu auf dem Dach an der Stelle parken. Im Cockpit hat der Fahrer eine Reihe knöcherne Tierschädel gelegt, die hat er wohl gefunden. Am Beifahrersitz lehnt eine große Schaufel. Wahrscheinlich seine mobile Toilette. Sieht alles in allem mehr nach Aussteiger als nach Camper aus.

Loch Duntelchaig

 

Ein groß gewachsener Endzwanziger mit langen Rasta Haaren klaubt die Tüten zusammen, die die jugendlichen Engländer zurückgelassen haben. Sie hatten wohl keinen Bock mehr auf Entsorgung.

„Räumst du anderer Leute Müll weg?“ frage ich den Rastamann.

Er nickt: „Dieses Land ist viel zu schön, um es so zu verschandeln. Ich muss sowieso noch zum Supermarkt. Da werfe ich es ein.“

„Du willst gar nicht hier campen?“

„Nein, ich wollte nur sauber machen,“ sagt er und sein australischer Akzent ist unüberhörbar.

Als ich ein paar Minuten später mit dem Auto nochmal an derselben Stelle vorbei komme, spielen drei Kinder da, wo eben noch der Müll lag. Ihre Eltern schauen zufrieden hinaus aufs Wasser.

Loch Duntelchaig

 

 

 

 

 

 

 

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