Schottland Foto Challenge – Edinburgh und Inchcolm von Britta Dicken

Edinburgh und Inchcolm im Herbst

Die bevorzugte Reisezeit für Städtereisen ist sicherlich der Frühling. Aber wir waren von unserem ersten Schottland-Besuch so begeistert, dass wir direkt im gleichen Jahr noch ein verlängertes Wochenende in Edinburgh drangehangen haben.

Im Oktober ist Edinburgh sehr schön. Es ist nicht so voll, das Wetter ist … schottisch und die Leute sind entspannt, denn die Festivalsaison liegt hinter ihnen. Wir haben die drei Tage in vollen Zügen ausgenutzt und haben die Stadt zu Fuß erkundet.

Das absolute Highlight war jedoch ein spontaner Ausflug zur Isle of Inchcolm. Mit dem Bus geht es von Edinburgh aus nach South Queensferry und dann mit einem kleinen Boot weiter. Das Wetter ist für einen Bootsausflug eigentlich nicht geeignet, aber drinnen sieht man so wenig. Also, Kapuze auf, Taschentuch zum Reinigen der Linse griffbereit in die Tasche und Zähne zusammenbeißen.

Die Isle of Inchcolm ist heute unbewohnt und liegt mitten im Firth of Forth, der Meeresarm, der sich bis weit ins Landesinnere erstreckt. Sie soll angeblich schon von den Römern genutzt worden sein, aber das für uns Interessante ist die Ruine des Klosters. Ihr sichtbare Geschichte beginnt um 560 herum, als der irische Mönch Columba von Iona die Insel besuchte. Aus dieser Zeit soll auch das steinerne kleine Gebäude stammen. In dieser Einsiedelei lebte um 1123 ein Mönch, der Alexander I. und seinen Begleitern nach einem Sturm Obdach gewährte. Alexander I. versprach ein Kloster zu gründen, doch erst ein Jahr später konnte sein Bruder und Nachfolger, David I., dieses Versprechen erfüllen.

Erst bestand die Kirche nur aus einem kleinen Schiff mit einem kurzen Chor. Bereits um 1200 wurde der Chor mit einem Turm gekrönt und ein neuer Chor angebaut. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde dann das achteckige Kapitelhaus mit zwei Stockwerken erbaut. Die Abtei wurde immer wieder erweitert, so dass schließlich das gesamte Erdgeschoss als Kreuzgang genutzt werden konnte. Erst zu Zeiten der Reformation wurde die Abtei aufgelöst.

Dank ihrer abgeschiedenen Lage ereilte sie jedoch nicht das Schicksal vieler anderer aufgelöster Abteien. Sie wurde nicht als Steinbruch genutzt, so dass die Ruine in einem sehr guten Erhaltungszustand ist.

Erst zu Zeiten des Ersten und zweiten Weltkrieges wurde die taktische Lage der Insel wiederentdeckt und einige Geschützstände zur Verteidigung der Küste auf ihr montiert. Auch diese Überreste sind heute noch zu sehen, doch für uns waren sie nicht so interessant.

Viel interessanter ist jedoch, dass sich auf der Insel auch Brutkolonien von Möwen und Eissturmvögeln befinden. Daher ist ein Großteil der Insel für Besucher nicht zugänglich, um die Vögel nicht bei der Brut zu stören. Zudem tummeln sich, so wie gefühlt auf jedem Felsen im Firth of Forth, auch einige Robben rund um die Insel. Einige davon haben uns die Wartezeit bis zur Ankunft unseres Bootes versüßt. Leider hatte ich damals nur eine kleine Kompaktkamera ohne nennenswerten Zoom, aber erfreut habe ich mich dennoch an ihnen und ihren Spielen im Wasser!

Wer also in der Ecke ist und einfach mal dem Großstadttrubel entfliehen möchte, der sollte sich überlegen, ob die Isle of Inchcolm nicht ein Besuch wert ist  Ich würde sagen: Auf jeden Fall!

Und wir auch liebe Britta. Vielen Dank für die großartigen Fotos! Auch wenn du viel mehr geschickt hast, als die 5 für den Wettbewerb erforderlichen. 😉 Dafür perfekt mit Text und Recherche. Das gibt von mir ein extra Like. 👍 LG Nellie

Schottland Foto Challenge – Landschaft von Rolf Eckerle

Naturparadies Schottland

In Glen Affric erhascht man eine Ahnung davon, wie der ursprüngliche Wald in Schottland ausgesehen hat. In Inverness-shire gibt es noch ein durchaus beträchtliches Vorkommen, vor allem in den etwas entlegeneren und einsameren Tälern: Glen Cannich, Glen Strathfarrar und natürlich Glen Affric, das wohl berühmteste der drei Täler. Für viele ist Glen Affric sogar das schönste Schottlands. Glen Affric ist nur zu einem kleinen Teil mit dem Auto zugänglich, der Rest geht nur zu Fuß, man ist mitten in einem Naturschutzgebiet. Es ist wild und es ist romantisch, ein Fotomotiv reiht sich bei gutem Wetter an das andere, aber auch bei Regen lassen sich stimmungsvolle Bilder machen.

Vielen Dank lieber Rolf für diese sehr stimmungsvollen Bilder. Man hört förmlich den Klang der Regentropfen auf den wasserdichten Jacken. 😀 LG Nellie

 

Schottland Foto Challenge – Outlander Locations von Antje Babendererde

Und hier ist Antjes Outlander-Geschichte:
2015 waren wir unter anderem auch auf Outlanderspuren. Ich fand es faszinierend, diese Filmkulissen zu sehen, weil es so wenig bedurfte, im Film die Illusion entstehen zu lassen.
In Doune Catle traf ich auf eine Amerikanerin, die mit ihrer schottischen Reiseführerin auf Outlander-Tour war. Damals war “Outlander” in Schottland kaum bekannt, weil die Serie ja nur zu streamen war und man in Großbritannien nicht wollte, dass die Schotten die Serien vor dem Referendum zu sehen bekommen.
Ich hatte einige Schauplätze von zuhause recherchiert, aber “Lallybroch” hatte ich nicht finden können. In Culross begegnete ich den beiden Frauen wieder und erzählte ihnen, wie genervt mein Mann ist, ob meiner Schauplatzsuche. Er fand im engen Culross keinen Parkplatz … Die Reisleiterin lachte und meinte, so wie es “Golfwitwen” gibt, wären nun die “Outlander-Witwer” dazugekommen.
Und sie verriet mir, wie ich Lallybroch finde und dorthin komme. Unweit von Midhope Castle davon gibt es einen Naturkostladen, in dem muss man nachfragen. Dort bekommt man eine Erlaubnis, die muss man unterschreiben, und dann kann sich mit Wegbeschreibung auf den Weg machen.
Als ich im Naturkostladen nach Lallybroch fragte, horchen alle Mitarbeiter auf und grinsten sich an. Ich bekam die Erlaubnis Nr.79 und dann sind wir durch den Wald geirrt, bis wir es gefunden hatten. Midhope Castle steht zwar unter Denkmalschutz, wird aber als Baustofflager genutzt. Im Inneren gibt es keine Fußböden mehr … und dennoch: Ich stand davor und konnte in meiner Vorstellung die Tür öffnen und mit Jenny und Ian eintreten in das gemütliche Haus. Und natürlich konnte ich auch Jamie im Tor sehen, wie er ausgepeitscht wurde …
Von allen Schauplätzen hat mich dieser Ort am meisten berührt. Vielleicht, weil wir ganz allein dort waren.

 

Der Mann korrigiert mein Manuskript

Regelmässige Leser dieses Blogs wissen Bescheid, ich schreibe einen Reiseführer über Schottland. Es wird kein gewöhnlicher Reiseführer, ich nenne ihn ein Reise-Inspirations-Buch und der Mann steuert die Fotos bei. So weit, so gut. Das Manuskript ist bereits fertig und ich bin mitten in der Korrekturphase während der Mann Bilder zusammenstellt zu einem Text, den er nicht lesen kann, weil er auf Deutsch geschrieben ist. Natürlich lernt er gerade Deutsch aber für ein Buch reicht es noch nicht. Er hat noch nicht mal mein Buch über mein Leben bei ihm gelesen. 

Abeteuer Highlands book promo

Also fragt er kürzlich mit unschuldigem Augenaufschlag: Kannst du den Reiseführer nicht auch auf Englisch schreiben?

Puh! Klar kann ich. Gar kein Problem. Sind ja nur 322 Seiten. Ich denke nach. So schlimm wird es nicht werden. Es gibt ja Google translate.

Ich verbringen einen Tag damit, das Manuskript Seite für Seite in Google Translate einzugeben und das Ergebnis dann in ein anderes Dokument einzufügen. Am Ende des eintönigen Tages habe ich dann ein deutsches Manuskript und ein englisches. Naja, eine Google-Englisches. Was auf den Bilder zu sehen ist, ist die unbearbeitete Google Übersetzung. 

Ich schicke es also dem Mann, damit er es durchliest und mich auf die Fehler im Inhalt und gerne auch der Rechtschreibung hinweist. Ich muss es ja auch noch einmal durcharbeiten aber er darf zuerst, dann hat er schon eine Orientierung für die Fotos.

Noch immer im Lockdown und mit wenig Arbeit, um sich abzulenken, legt der Mann in den Highlands los und schickt mir noch am selben Abend das erste Kapitel korrigiert zurück.

Schon bei der ersten Anmerkung muss ich laut lachen. Da steht nur ein eh? was dem deutschen häh? entspricht und fast genauso klingt. Je mehr ich seine Anmerkungen studiere, desto amüsierter bin ich.

A screech owl? What’s a screech owl? Fragt er sich zu Recht. Es ist der Schrei einer Eule, keine Schreieule.

Und ein sea hole ist in Wirklichkeit ein sea Loch. Da stiftet das deutsche Wort Loch Verwirrung. Pech, wenn ein und dasselbe Wort in zwei unterschiedlichen Sprachen zwei unterschiedliche Dinge bedeutet.

„Er trug die Farben des Stuart Clans“ wird auch falsch übersetzt. He wore the Stuart paints??? fragt der Mann nach. Da ist Farbe im Sinne von Wandfarbe, gemeint ist aber Farbe im Sinne von Flagge oder Uniform, also colours nicht paints. Niemand trug Farbeimer durch die Highlands,

Der Mann ist verwirrt. Ich lache.

Und natürlich kann ein Tippfehler die ganze Übersetzung ruinieren. Fehlt auch nur ein y an der entscheidenden Stelle, dann positionierte Alexander einen Arm (arm) statt einer Armee (army) auf dem Hügel und der Mann fragt sich zu recht, warum.

Bildschirmfoto Manuskript

Ein echtes Highlight: His first daughter gave birth to his mother’s maid (Seine erstgeborene Tochter gebar die Dienstmagd seiner Mutter), was den Mann in tiefe Verwirrung stürzte. Hier waren die Possessiv-Pronomen und damit die gesellschaftlichen Beziehungen durch das Verb durcheinander gekommen. Er zeugte vielmehr eine erstgeboren Tochter mit der Dienstmagd seiner Mutter.
Kleiner aber feiner Unterschied.

Was dem Mann ganz besonders gefallen hat ist die Übersetzung von vogelfrei, also einer, der für vogelfrei erklärt wird. Die korrekte Übersetzung wäre outlaw, Google hat es mit bird-free wörtlich übersetzt. Weil der Mann Frauen gerne als birds bezeichnet, hat ihn diese Übersetzung laut lachen lassen. Der arme Rob Roy war frauenfrei.

Und wenn Margaret Forbes dachte, dass ihr Ehemann und seine Männer zurückkehrten, dann waren es nicht her husbands and his husbands es waren her husband and his men. Soo verheiratet war ihr heimkehrender Ehemann dann doch nicht. Auch wenn der Mann husbands, and husbands, and husbands anmerkt. 

Und ja, Cullen Skink ist eines der berühmten Gerichte in Schottland aber die Fischsuppe hat nun ganz und gar nichts mit Justizia zu tun. Ein Suppengericht ist eben kein Amtsgericht, zumindest nach meinem Urteil.

Wir haben noch einige Kapitel durchzuarbeiten und ich freue mich so richtig darauf. Denn wenn’s schon beim Korrigieren Spaß macht, dann kann es doch nur ein Bestseller (Verkaufsschlager) werden!

 

P.S. Keine Sorge, ab nächsten Sonntag geht es wieder weiter mit der Foto Challenge. Eure Bilder sind nicht verloren gegangen! 😊

Ende der Quarantäne

Ich bin wieder frei!

wandern in Schottland

Vierzehn Tage lang habe ich mich streng an die Auflagen gehalten und mich nicht vom Haus wegbewegt. Ich hatte das Pech nach Schottland zu reisen, als die Quarantänepflicht noch bestand. Wer ein paar Tage nach mir eingereist ist, der hatte Glück und konnte tun und lassen, was er wollte.

Aber nun bin auch ich frei zu tun, wonach mir der Sinn steht und der stand mir heute iohone GesundheitsdatenMorgen nach Bewegung und nun, 15 Kilometer später, schone ich meine müden Knochen und schlürfe den Kaffee im Garten. Pünktlich zum Tag der Befreiung aus der Quarantäne ist nämlich das Wetter schön geworden, ein leichter Wind und mitunter Sonnenschein und Zero Regen. Hach! Man könnte sich immer wieder aufs Neue in Schottland verlieben, wenn man dem Land nicht ohnehin schon gänzlich verfallen wäre.

Loch Cluanie

Was mir als erstes aufgefallen ist, als ich mich auf Weg zu meiner Wanderung machte – die Touristen sind zurück und das fast in der alten Anzahl, sie sind auf den Straßen, auf den Wanderwegen, an den Parkplätzen, mit Autos, Wohnmobilen, Zelten. Außer wandern ist ja im Moment auch nicht viel geboten, die meisten Sehenswürdigkeiten machen erst noch auf.

Am Anfang meiner Wanderung fallen mir mehrere Camper auf dem Parkplatz auf, einer zieht sich gerade die Hosen an nachdem er aus seinem Camper gekrochen war. Ich versuche den weiß leuchtenden Hintern zu übersehen. Er sieht mich, steigt in seinen VW Bus und fährt los. Sein Zelt lässt er stehen. Er ist wohl länger hier.

Ich bin nicht die einzige auf meiner kleinen Wanderung. Im Gegenteil. Ich lasse drei Wanderer in SchottlandEngländer an mir vorbeiziehen, die mit Pudelmütze und kurzen Hosen unterwegs sind. Ein Paar und noch eine junge Frau, die ununterbrochen redet. Ich fotografiere sämtliche Blumen und Gräser am Wegrand, bis sie außer Hörweite sind. Manche haben ein Problem mit der großen Weite und der Stille und müssen dieses Unwohlsein mit exzessivem Sprachgebrauch kompensieren. Ich mag Stille.

Orchidee

Wenig später treffe ich auf eine Vierergruppe, zwei Pärchen, die den Berg rauf und runter rennen. Die trainieren offensichtlich für einen Berglauf. Ich stelle mich ins Moor und lasse sie passieren.  Abstand in dieser großartigen Weite zu halten ist nicht weiter schwer, mutet aber etwas seltsam an. Die Schotten haben sich auf 2 Meter geeinigt und ich werde mich als Gast in diesem Land unbedingt daran halten.

Glen Loyne

Später treffe ich einen weiteren Camper, er ist Schotte und wir reden über Gott und die Welt. Ich habe ihm gleich erzählt, dass ich gerade aus meiner Quarantäne komme. Es schien sich durchaus Sorgen zu machen über die Rückkehr der Touristen. Als ich ihn später unten auf dem Parkplatz wiedersehe, reicht er mir einen Zettel mit seiner Telefonnummer. Jederzeit vorbeikommen, wenn ich mal in seiner Gegend bin, sagt er. Er lebt in der Borders. So sind sie eben, die Schotten. Sie können einfach nicht anders als freundlich und offen gegenüber Fremden zu sein. Nicht mal jetzt.

PS: Bald geht es wieder weiter mit der Foto-Challenge und euren Einsendungen. Keine Sorge 😉

Schottland Foto Challenge – ein Mann, eine Idee

Liebe Nellie,

Auch wenn ich es ursprünglich vorgeschlagen hatte, dass wir alle unseren schönsten Bilder einsenden, so war es alles andere als einfach für mich meinen Beitrag zu leisten. Es ist sehr schwer mich zu entscheiden, vor allem da ich die allerschönsten Bilder im Kopf habe und nicht als Foto… Ich kann auch leider nicht so tolle Geschichten zum Besten geben wie meine Vorgängerinnen (wieso eigentlich immer nur Frauen?? Bin ich hier der einzige Vertreter meiner Gattung???)

Ich dachte, ich erzähle einfach mal meine Geschichte wie ich zum Herzensschotten wurde…

Schon als Kind haben mich Geschichte, Burgen, wilde Landschaften und das Meer fasziniert. Bücher wie „Die Schatzinsel“, „Der seltsame Fall von Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ über „William Wallace“, „Maria Stuart“ aber später auch mal Werke von Robert Burns haben mich stundenlang gefesselt. Natürlich aber auch „Outlander“ (als Bücher verschlungen – aber auch als Film sehr genossen) Last but not least – die Geschichte über das Leben unserer Lieblingsautorin mit ihren „Abenteuern Highlands“ hat mich lauthals amüsiert.

2005 habe ich mit meiner damals neu kennengelernten Beziehung spontan meine erste Reise zu Pfingsten mit dem Auto nach Schottland gemacht. Völlig planlos nach Gefühl haben wir in Edinburgh begonnen (eine der schönsten Städte in Europa), dabei jeden Tag wo es uns gefiel quer durch Schottland in einem B & B übernachtet (oder auch mal auf Isle of Skye – wenn nichts zu finden war – im 19,99 € Discounter-Zelt bei strömenden Regen festgestellt, wie besitzergreifend Frauen um jegliche Decke im Schlaf kämpfen können – blutige Nase verursacht durch einen Tritt eines zarten Frauenfusses).

Ich habe auch gelernt, dass die putzigen „Eintagsfliegen“ dann blutsaugende Midges waren, Black Pudding nichts mit einer Süßspeise zu tun hat, Schulenglisch in Schottland – vor allem an der Westküste – soviel bringt wie Polnisch in der Mongolei und dass die Menschen dort eine Gastfreundschaft, einen Humor und eine Herzlichkeit haben, die seinesgleichen sucht.

Über 2500 km später war mir klar, dass ich meinen Herzensplatz gefunden hatte.

 

Danke lieber Andy dass du es noch geschafft hast, wenige Stunden vor Einsendeschluss deine Bilder zu schicken. Ich bin mir sicher, dass nicht nur ich mich darüber freue. Der zweite Teil kommt demnächst. 

Schottlandreise während Corona – Die letzten Meilen

Da war ich nun, endlich auf schottischen Boden. Als erstes verkrümle ich mich in die Toilette und wasche mir gründlich die Hände, was gar nicht so einfach ist in dem Land mit den zwei Wasserhähnen und Waschbecken in Kindergröße.  Das Ritual, das man sich in Deutschland seit Corona am Waschbecken antrainiert hat, muss nun den Bedingungen angepasst werden.

Waschbecken Schottland

Mit dem Mann hatte ich verabredet, dass er mich nicht im Terminal abholt, sondern im Auto draußen wartet. Als ich aus der Zollkontrolle komme, sehe ich, dass er das auch gar nicht gekonnt hätte. Man wird direkt zum Ausgang gelotst, die Halle ist dunkel, nichts hat geöffnet.

Draußen begrüßt mich zuerst der schottische Wind dann der Mann, wie schön, ihn nach fünf Monaten endlich wiederzusehen. Wir fahren gleich los, gemäß der Regularien muss ich unmittelbar zu dem Ort meiner Selbstisolation, darf unterwegs nicht aussteigen oder andere Dinge tun. Deshalb hat der Mann auch eingekauft, bevor er mich abgeholt hat. So gesehen haben die Einschränkungen auch ihr Gutes. Ich lehne mich entspannt zurück.

Kurz bevor wir aus Inverness raus sind, sehen wir, dass der Pizza Laden und das Take-Away aufhaben. Das war bislang nicht so, sagt der Mann, der sicherheitshalber Sandwiches für mich gekauft hat. Es ist schon 19 Uhr und wir haben noch zwei Stunden Fahrt vor uns, deshalb also zwei Pizzen zum Mitnehmen zum stolzen Preis von 19 Pfund. Die Kunden müssen im Freien warten. Wenigstens ist es nur windig aber der Regen kommt schnell.

Highlands

Dann essen wir mit Blick auf Loch Ness im Auto zu Abend und fahren nach Hause. Die Straßen sind sehr leer, aber sie füllen sich langsam wieder sagt der Mann. Ich hätte mehr Camper an den üblichen Touristenstellen erwartete, doch die sind weitgehend leer. Die Behörden haben alles getan, die Menschen vom wilden Campen in Schottland abzuhalten. Das Müllproblem stellt sie in Gebieten mit einem solchen Ausmaß vor große Probleme. Nur zwei Campingbusse sehen wir auf dem Heimweg.

wilde Katze

Dann sind wir zu Hause und die wilde Katze begrüßt mich mit lautem Miau. Von nun ab werde ich ihr viel Gesellschaft leisten können. Weil ich vor dem 10. Juli eingereist bin, muss ich noch 14 Tage in Selbstisolation. Ich darf nicht aus dem Haus und ich darf keinen Besuch empfangen. Auch nicht von der Familie. 14 Tage vollkommene Ruhe und der Blick aufs Meer. Schön!

 

Schottlandreise während Corona – über den Wolken

Die kleine Maschine der KLM ist eine Cityhopper. Ja, vor Corona ist man ganz selbstverständlich von einer großen Stadt zur anderen „gehüpft“. Es fühlt sich anders an und es ist auch anders. Mit dem Virus hat sich‘s ausgehüpft.

Am Gate finden sich wenige Menschen ein, die meisten sind ganz offensichtlich Schotten, ich vermute ein bis zwei Engländer und ein Touristenpaar, zwei Männer, möglicherweise aus Spanien oder Italien, ich kann es nicht abschließend beurteilen, sie reden nicht miteinander.

Spuckschutz Gate Amsterdam Shiphol

Corona Maßnahmen am Flughafen

Die Crew hat sich zum Boarding hinter einem überdimensionalen Spuckschutz verschanzt. Man gibt das Telefon mit dem Ticket auf den Scanner und zeigt seinen Pass, wie sonst auch aber sie überprüfen auch die Mund- und Nasenbedeckung. Vor mir will ein Schotte an Bord, der ein weißes Schlauchtuch trägt.

„Hat das einen Filter?“ fragt ihn ein KLM Mitarbeiter.

„Nein.“ sagt der Schotte, „aber es ist speziell gegen Corona designt und wurde mit einer Chemikalie behandelt, die das Virus abweisen soll“.

Das aber wird nicht akzeptiert, entweder braucht er einen Filter oder eine andere Maske. Er holt eine Stoffmaske aus seinem Gepäck und schreibt seinem Chef eine Textnachricht.

„Die verwenden wir sogar in Hubschraubern.“ sagt er verärgert.

Maske im Flugzeug

Meine Stoffmaske geht problemlos durch die Kontrolle, die hat aber auch keinen Filter. Im Flieger selbst trage ich die FFP2 Maske, mit der ich kaum sehen kann, weil meine Brille darauf nicht sitzt und sich bei meinem Astigmatismus und den sehr schwachen Augen die volle Sehschärfe nur einstellt, wenn die Brille exakt auf der Nase ruht. Wenn nicht, sehe ich schlecht und bekommen heftiges Kopfweh. Ich werde während des Flugs einfach die Augen schließen.

KLM City Hopper

Vielleicht hilft ein Bier, auch wenn es schier unmöglich ist, das mit dieser Maske zu sich zu nehmen. Eine Schwierigkeit, mit der ich mich gar nicht erst auseinandersetzen muss. Im Flieger wird kein Alkohol serviert. Ich kann Saft oder Wasser haben, offen ausgeschenkt, nicht in einer Dose oder Flasche. Ich lehne dankend ab und schließe die Augen.

Einreisebestimmungen im Vereinigten Königreich

Kurz bevor die kleine Maschine zur Landung ansetzt, gibt es eine Durchsage zu den Einreisebestimmungen. Alle müssen online das Formular (Public Health Passenger Location Form) ausgefüllt haben, dass es dem UK Government möglich macht, in einem Corona Fall alle Passagiere, die mit einem eventuellen Infiziertem an Bord waren , zu finden. Man muss seine genaue Adresse angeben, wo man sich 14 Tage in Selbstisolation begeben muss, wenn man vor dem 10. Juli einreist. Sie wollen Telefonnummern in Schottland und Deutschland, Notfallkontakte usw. Man muss das Formular ausdrucken oder auf dem Telefon abspeichern. Ausgedruckt sind es drei Seiten persönlich Informationen. Ich hatte bereits eine Woche vor Abflug begonnen, es auszufüllen. Abschließen kann man es erst 48 Stunden vor Einreise. Das System verlangt die Einreisezeit des Flugs, danach richtet sich die Berechnung. Man bekommt aber einen Link zugemailt, mit dem man an das bereits begonnenen Formular zurückgeführt wird.

public health passenger location form

Passenger Locator Form

Wir landen und laufen die paar Meter zur Einreisekontrolle: zwei Kabinen, abgesperrte Reihen, Markierungen für den korrekten Abstand, sie nehmen es offensichtlich ernst und Einweiser regulieren die Laufwege der Einreisenden.

Vor mir ist ein älteres Ehepaar, beide Schotten, keiner hat das Formular ausgefüllt. Das verursacht einige Aufregung, sie werden belehrt und dann eine wenig hilflos in die Ecke gesetzt, wo sie das Formular nun direkt ausfüllen müssen. Ob sie das mit Einreisenden aus einem anderen Land auch so machen würden? Die Einreise kann verweigert werden, wenn man das Formular nicht ausgefüllt hat.

Inverness Airport Arrivals

Der Spanier/Italiener neben mir radebrecht mit dem Zollbeamten. Er und sein Freund haben das Formular ausgefüllt. Ja, sie wissen, dass sie in Isolation müssen. Und ja, sie sind zum ersten Mal in Schottland. Ich frage mich, was für einen Urlaub diese beiden wohl geplant haben.

Dann bin ich dran und werde nochmal alles gefragt, was ich ohnehin schon in dem Formular ausgefüllt habe. Der Grund meines Kommens scheint ihn aber weniger zu interessieren. Wohl aber die Frage, ob ich auch über die Regelungen zur Selbstisolation informiert bin. Ich bejahe das und er winkt mich durch.

Ich habe es geschafft. Ich bin wieder in Schottland!

Morgen: Die letzten Meilen

Schottland Foto Challenge – Schottlands unbekannter Süden von Steffi Arendt

Liebe Nellie,
normalerweise mache ich nicht mit bei solchen Challenges. Aber wenn es um Schottland geht, da bin ich dabei! 🙂
Für meinen Beitrag habe ich gedacht, dass ich mal eine Region aussuche, die bei deutschen Schottland-Touristen nicht so bekannt ist: Die Lowlands. Also, eigentlich sind die ja gar nicht so flach, vor allem nicht in den Southern Uplands. Aber es sind halt nicht die Highlands und wir haben dort (wenn überhaupt) nur schottische Touristen getroffen. Wir finden, dass sich die Lowlands nicht hinter den Highlands verstecken müssen!
Es hat jedenfalls unendlich Spaß gemacht, mal wieder in den alten Fotos zu stöbern und mich an die 2018er-Tour durch Schottlands Süden zu erinnern. Danke für den schönen Nachmittag!
Und auf dein neues Buch bin ich auch schon sehr gespannt. ich werde es auf jeden Fall lesen, mit oder ohne Hauptgewinn! 🙂

Liebe Grüße

Steffi Arendt

Schottlands unbekannter SüdenMein Mann Friedel und ich sind passionierte Weitwanderer und besonders häufig sind wir in Schottland, Nordengland und Wales unterwegs. So entschlossen wir uns 2015, in neun Etappen ganz Großbritannien zu erwandern, über 2000 Kilometer zu Fuß von Land’s End in Südengland bis zum Cape Wrath im Norden Schottlands.

Von den neun Etappen sind wir bereits acht gelaufen, die nördlichste von Strathcarron nach Cape Wrath steht jedoch noch aus. Erst kamen uns die Brexit-Wirren, dann Corona dazwischen. Auf unserem Weg von der englisch-schottischen Grenze bis hoch in den Norden sind wir dabei auf dem „Scottish National Trail“ unterwegs, einer informellen Route, die mit 864 Kilometern von Kirk Yetholm an der Grenze zu Nordengland bis zur nordwestlichsten Spitze Schottlands führt.

Häufig werden wir gefragt, welche Landschaften uns denn auf unserem langen Weg bisher am meisten gefallen haben. Diese Frage ist für uns schwer zu beantworten, denn wir waren auf vielen spektakulären Wegstrecken unterwegs. Die felsigen Küsten Cornwalls sind natürlich ein besonderes Highlight, aber wir lieben auch die grünen Täler und braungrau-kargen Höhen der Pennines und der schottischen Berge. Unser Weg durch die Cairngorms und Western Highland war dabei unvergesslich – die Landschaft dort ist wirklich grandios, das wisst ihr alle. Allerdings war es Ende September dort eigentlich schon zu kalt zum Campen und im Dauerregen wären wir bei zwei Flussquerungen beinahe abgesoffen. Die Gegend dort ist phänomenal, aber kann auch ein wenig stressen, wenn man bei Wind und Wetter jeden Tag zu Fuß unterwegs ist.

Überhaupt ist das Wetter ein wichtiger Faktor, um sich beim Wandern rundum wohl zu fühlen. Besonders Glück hatten wir auf unserer Tour durch die Southern Upands und die Central Lowlands im Mai 2018. Hier waren wir im Mai und es war durchweg sonnig, aber nicht zu heiß. Noch dazu bietet die Region alles, was das Wandererherz höher schlagen lässt: Weite Ausblicke über sanfte Hügel, alte Burgen, Schlösser, verfallene Abbeys und einen beschaulichen Gang entlang des mäandernden River Tweed. Die Waldböden waren übersäht mit dem blauen atlantischen Hasenglöckchen und auf den Wiesen sprangen übermütig die Lämmer. Wir müssen zugeben: Eigentlich war das unsere Lieblings-Tour!

Wenn ich jetzt nochmal die Bilder für diesen Beitrag sichte, begeistert mich die Tour noch immer und es fällt mir unendlich schwer, nur fünf Bilder auszuwählen. So habe ich mich für fünf besonders repräsentative Fotos aus dem Süden Schottlands entschieden:   Ein Fliegenfischer im River Tweed, Dryburgh Abbey, „The Three Brethren“ und Brown Knowe in den Southern Uplands und Bo’ness Castle am Firth of Forth. 

Auf allen Bildern sind kaum andere Menschen zu sehen. Abgesehen von einigen Top-Touristen-Destinationen wie Linlithgow Palace, Melrose Abbey und Bo’ness Castle waren wir fast immer allein unterwegs. Kaum ein anderer Wanderer verirrt sich unter der Woche in die einsamen Hügel der Southern Uplands und Pentland Hills.

Und das Beste: Fast jeden Abend konnten wir hier noch unsere müden Knochen in einem gemütlichen B&B-Bett ausstrecken und abends im Pub ein Ale schlürfen. Nördlich von Blair Atholl wurden die Distanzen zwischen den Orten immer länger und wir verbrachten zahlreiche Nächte im kalten Zelt. Hier waren wir der Natur besonders nah, aber eigentlich mögen wir es abends eher bequem.

Wenn ihr mehr über unseren langen Fußweg über die britische Hauptinsel lesen wollt: Wir haben auch ein Blog:

lecw.blog

Ganz großen Dank liebe Steffi für die sehr schönen Bilder und diesen tollen und sehr ausführlichen Text. Ich bin mir sicher, du hast nicht nur mich damit inspiriert immer mal wieder auch nach Süden zu schauen. Und allen Lesern sei Steffis Wander-Blog ans Herz gelegt. Liebe Grüße, Nellie