Abenteuer Highlands 2.0 ist bald da!

Es ist schon ein Weilchen her, dass ich Abenteuer den Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland geschrieben und nach dem Rückzieher des Verlags wegen Einstellung der Reihe, in der das Buch erscheinen sollte, das Werk schließlich im Selbstverlag veröffentlicht habe. Seither habe ich zwei weitere Bücher geschrieben, eigentlich drei: Riding Towards Shadows, das 2018 erschienen ist und Schottland für stille Stunden, das zum Jahresende 2020 rauskam. Das gibt es 2021 auch auf Englisch und wird Scotland for Quiet Moments heißen. Wer also gedacht hat, ich sitze in meiner wunderbaren Schreibhütte, schaue aufs Meer und tue nichts, der liegt völlig falsch. Allen Stromausfällen und Sturmschäden zum Trotz: ich habe weitergeschrieben und hier ist er nun, der zweite Teil von Abenteuer Highlands. Der ein oder andere von euch hat schon darauf gewartet.

Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland

Abenteuer Highlands 2.0 zwischen Schwarzwald und Schottland

Inzwischen lebe ich seit 10 Jahren in meiner schottischen Fernbeziehung und habe nach dem anfänglichen Gefühl des entscheiden Müssens sehr bald gemerkt, dass eine Seele mehr als nur eine Heimat haben kann. Ich habe zwei zu Hause: eines im Schwarzwald, wo ich gerne lebe, gerne esse und meine Arbeit habe und eines in den Highlands, wo ich schreibe, und meine Zeit mit dem Mann an der großen Weite der Westküste Schottlands genieße. Das eine schließt das andere nicht aus, im Gegenteil, es lässt Dinge klarer werden und man macht sich bewusster, was man will und womit man seine Zeit verbringen möchte.

Der besondere Charme an diesem Lebensentwurf: beide Leben sind gänzlich unterschiedlich. Das deutsche ist hektisch und aufregend, meine Arbeit beim Fernsehen abwechslungsreich, ich reise viel, nach Russland, China, Japan, Brasilien und genieße die Vorzüge des Stadtlebens. In den Highlands dagegen wird es still und ruhig, zurückgezogen. Ich lese viel, wandere und schreibe. Diese Seite meines Lebens gibt mir die Kraft, das Hochgeschwindigkeitsleben in Deutschland mit Freude und Energie anzupacken.

Die Zeit, in der wir getrennt sind, überbrücken wir durch Social Media und ein tägliches Skype-Gespräch von einer Stunde. Und mal ehrlich, in wie vielen Beziehungen spricht man täglich mindestens eine Stunde miteinander? Ein solch intensiver Austausch wird im Alltag oft vernachlässigt. Ich liebe dieses Leben, das ich führe und was als Abenteuer in der Fremde begann, ist nun ein Leben in zwei Welten geworden. Aber auch das kann abenteuerlich sein. Ihr werdet schon sehen!

In Abenteuer Highlands habe ich euch durch ein Jahr in Schottland geführt. Dies sind die wahren Geschichten, die ich in den Jahren seither in meiner Fernbeziehung mit einem Schotten erlebt habe. Nicht in der zeitlichen Reihenfolge, in der sie passiert sind, die bekäme ich gar nicht mehr richtig auf die Reihe, der Mann und ich sind schon so lange ein Paar. Die Struktur ist nicht die Zeit, sondern das Wort, von A – Z: A wie Aberglaube, B wie Banff, C wie Corona usw.

Amüsiert euch über buchende Baroninnen und denkwürdige Dudelsackspieler, lernt Poeten und tapfere Schneiderlein kennen, gruselt euch über Moorleichen, Hexen und Geister, lacht über Extrawürste und gefährliche Frühstücke und findet heraus, wie man trotz Corona und Brexit ein glückliches Leben in der Fernbeziehung hinbekommt.

Taschenbuch und Ebook erscheinen demnächst auf Amazon. Ihr erfahrt natürlich hier, wann es soweit ist.

 

Brexit – und jetzt?

Für ein schottisch-deutsches Paar beginnt nun eine Zeit, die keiner von uns wollte.
Als ob das Leben in der Fernbeziehung wegen COVID19 nicht schon kompliziert genug wäre!
So richtig kann sich keiner von uns auf das neue Jahr freuen.
Ich wünsche euch allen, die ihr mir auf diesem Blog folgt, ein glückliches und gesundes Neues Jahr. Euch geht es ja ähnlich, die meisten von euch warten darauf, wieder nach Schottland zu reisen. Drücken wir uns gegenseitig die Daumen.
Liebe Grüße,
 
Nellie
󠁧󠁢#GoodBye2020 #GoodbyeEU #BrexitReality #BrexitIsland #Schottland #Deutschland

Schottland für stille Stunden

Der Reise-Inspirationsführer Schottland ist in allen Formaten bei Amazon erhältlich!

Schottland ist ein Land voller Geschichte, Geschichten und Geheimnisse. Oft sind die drei nicht exakt voneinander zu trennen. Das macht dieses Land so wunderbar und einzigartig. Diese Geschichten wurden für den WordPress Blog Graveyards of Scotland über viele Jahre zusammengetragen, ausgegraben und entdeckt. Quellen waren meist historische Reiseführer aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die Funde oft schaurig, schön, lustige oder grausam. Eine ungewöhnliche Annäherung an die Geschichte eines Landes, die erstaunliche Ergebnisse hervorbrachte. Man muss aber die Leidenschaft der Autorin für Friedhöfe nicht teilen, um diese Buch genießen zu können. Die meisten Geschichten spielen ja nicht auf einem Friedhof, sie enden lediglich da.

Der Feenhügel in Inverness, ein Salpetermord auf Shetland, eine Familie von Linkshändern, Wölfe gestern und heute, Robert the Bruce und William Wallace einmal ganz anders, die geheime Bucht des Schriftstellers Gavin Maxwell, ein mordender Dichter und alles, was Schottland außer Whisky, Schafe und Tartan noch ausmacht. Schottland für Experten, nicht für Anfänger.

Machen sie es sich in ihrem Lieblingslesesessel gemütlich und genießen sie Schottland für stille Stunden.

Zitate

Das Meer ist ein gefährlicher Freund, eine verlockende Schönheit und ein brutaler Mörder zugleich. Selbst an ruhigen Tagen sind hier Menschen in den Gewässern rund um die Inseln ertrunken. Wenn die Herbststürme einsetzten, hatten die gewaltigen Wellen in der Vergangenheit oft ein tödliches Fest. Auf Shetland spülte am Sumburgh Head, wo der Atlantik auf die Nordsee trifft, so mancher Körper an Land.

Als William Soutar klar wurde, dass die Krankheit nicht nur sein Leben begleiten, sondern es sogar beenden würde, soll er einen Moment innegehalten haben. Dies war der Moment der Erkenntnis: Nun konnte, nun musste er Dichter werden. Er wurde einer der besten seines Landes.

Anders die Abendstimmung, blaue Stunde und eine ähnlich milde Stimmung wie am Morgen aber viel dramatischer, wenn die Nacht hereinbricht und die letzten Sonnenstrahlen noch ein paar Sekunden über den Wolken verweilen, bevor der Tag zu Ende geht. Das Blau scheint direkt vom Meer zu kommen, mit einem schwachen Duft nach Sommertag wie die Erinnerung gelebter Stunden.

Schottland Foto Challenge – Andys Liebe zu Schottland

Liebe Leser,

hier kommt Andys zweiter Teil, ihr habt bestimmt schon darauf gewartet. Viel Spaß damit!

LGN

Die folgenden Jahre bin ich dann auf verschiedene Art und Weise nach – und durch Schottland gereist, mal mit Wohnmobil (9 m lang und 4,20 hoch ist definitv nichts für die Highlands, mal mit Wohnwagen (auch zu groß mit 10 m Länge zzgl. 5 m Auto – da findet man ja zum Teil keinen Campingplatz – „Oh my god, what is this?? Are you kidding me?“) und dann lieber mit gemieteten Ferienhäusern, von wo ich aus die jeweilige Gegend erforscht habe.

Eine Reihe dieser Bilder sind hier sehen, oft natürlich bekannte Plätze, aber trotzdem immer wieder wunderschön.

Ich habe Schottland die folgenden Jahre zu allen Monaten und Jahreszeiten bereist und  sogar das schottische Wetter lieben gelernt. Das Essen in den Restaurants und Pubs hat sich über die Jahre deutlich verbessert, man hat gelernt, dass man mit erstklassigen Lebensmitteln auch gutes Essen machen kann.

Sogar das Bier hat sich verbessert, aus dem faden, spülwasser-ähnlichen Gebräu – sowohl vom Geschmack als auch vom Alkoholgehalt her – haben sich wahre Kunstwerke entwickelt.

Und vor 6 Jahren habe ich sogar meine Leidenschaft für Whisky entdeckt.

Mit Spontanität nach Schottland – von April bis September – zu schönen Plätzen war allerdings die letzten Jahre nicht mehr möglich, man musste zum Teil ein Jahr im Voraus buchen, was allerdings nicht immer so einfach ist. Immer mehr Menschen haben dieses Land für sich entdeckt und alles belegt…

Vor zwei Jahre habe ich – nachdem ein gemietetes Feriencottage mal wieder fototechnisch zwar sehr gut angeboten wurde, aber in der Realität blanker Horror war – spontan ein älteres Cottage zwischen Lochgilphead und Oban fest angemietet. Ich war eh 2-3 mal im Jahr dort und durch das gemietete Haus war ich jederzeit in der Lage mit Handgepäck (voll mit deutschem Brot – da hat sich nichts verbessert) ein paar Tage zu verschwinden.

Auch wenn es – trotz Ofen und Heizlüfter – draussen wärmer als drinnen war und ich dank eines undichten Daches im Bad auch ohne den Wasserhahn abzudrehen duschen konnte – so hatte ich endlich meinen eigenen Platz in meiner Herzensheimat.

Letztes Jahr hat mir dann mein damaliger Vermieter mitgeteilt, dass er das Cottage und seine Wohnung in Glasgow verkaufen würde um nach Irland zu ziehen (Wie kann man nur? Mal dort Urlaub zu machen ist ja ok, aber von Schottland weg??).

Da ich nicht wusste, ob ich dort dann weiter wohnen können würde, war das der Anlass mir etwas neues zu suchen. Und – nach anfänglichen Problemen – fand ich dann tatsächlich meinen Traum in dieser Gegend, nur 8 km weit weg bei Crinan, modern, warm und mit Blick aufs Meer. Und mit Glasfaserinternet!!!  in der Nähe eines Dorfes mit 74 Einwohnern  (75 – wenn ich dort bin).

Die Pandemie der letzten Wochen hat ja gezeigt, dass man – wenn man Glück hat – auch vom Homeoffice gut arbeiten kann und das ist halt dann 2000 km weit weg vom Büro….

gut und böse

Es ist die Zeit der Corona Krise und Schottland zum Zufluchtsort vieler geworden, die Angst haben sich da, wo sie leben, mit dem Virus anzustecken. Nicht jeder lebt so sicher wie wir hier in den Highlands, die jedem die Möglichkeit geben, Raum zu schaffen zwischen sich selbst und anderen Menschen.

Indian Summer scotland

An der Westküste und im Inneren der Highlands empfinde ich die Zahl derer, die sich hierher zurückziehen als sehr groß. Weil die meisten Campingplätze geschlossen haben, campen die Corona-Flüchtlinge wild und hinterlassen manchmal leider auch eine Verwüstung auf den Ausweichbuchten der Single Track Roads und an den anderen Stellplätzen. In Gegenden, in denen man tatsächlich auch auf etwas Grün sein Zelt aufschlagen kann, riecht es inzwischen oft unangenehm. Es gibt so gut wie keine öffentlichen Toiletten und die wilden Camper erledigen offensichtlich ihre Geschäfte direkt vor Ort.

wild campers

 

Ganz besonders ist mir das am Loch Loch Duntelchaig aufgefallen, wo normalerweise viele Angler den Tag verbringen. Nun sind die Camper da und man riecht sie. Ich kam an einem dieser aufgemotzten Opel Corsa mit auswärtigem Kennzeichen vorbei, da räkelte sich gerade ein junger Kerl im Versuch aufzuwachen. Um das Auto herum lagen ein halbes Dutzend Plastiktüten voll mit Müll. Prima dachte ich. Wenigstens nehmen sie ihren Müll mit. Als ich am Nachmittag nochmals vorbei komme sehen ich einen großen verbeulten Camper mit Kanu auf dem Dach an der Stelle parken. Im Cockpit hat der Fahrer eine Reihe knöcherne Tierschädel gelegt, die hat er wohl gefunden. Am Beifahrersitz lehnt eine große Schaufel. Wahrscheinlich seine mobile Toilette. Sieht alles in allem mehr nach Aussteiger als nach Camper aus.

Loch Duntelchaig

 

Ein groß gewachsener Endzwanziger mit langen Rasta Haaren klaubt die Tüten zusammen, die die jugendlichen Engländer zurückgelassen haben. Sie hatten wohl keinen Bock mehr auf Entsorgung.

„Räumst du anderer Leute Müll weg?“ frage ich den Rastamann.

Er nickt: „Dieses Land ist viel zu schön, um es so zu verschandeln. Ich muss sowieso noch zum Supermarkt. Da werfe ich es ein.“

„Du willst gar nicht hier campen?“

„Nein, ich wollte nur sauber machen,“ sagt er und sein australischer Akzent ist unüberhörbar.

Als ich ein paar Minuten später mit dem Auto nochmal an derselben Stelle vorbei komme, spielen drei Kinder da, wo eben noch der Müll lag. Ihre Eltern schauen zufrieden hinaus aufs Wasser.

Loch Duntelchaig

 

 

 

 

 

 

 

Weiterlesen →

Der Mann korrigiert mein Manuskript

Regelmässige Leser dieses Blogs wissen Bescheid, ich schreibe einen Reiseführer über Schottland. Es wird kein gewöhnlicher Reiseführer, ich nenne ihn ein Reise-Inspirations-Buch und der Mann steuert die Fotos bei. So weit, so gut. Das Manuskript ist bereits fertig und ich bin mitten in der Korrekturphase während der Mann Bilder zusammenstellt zu einem Text, den er nicht lesen kann, weil er auf Deutsch geschrieben ist. Natürlich lernt er gerade Deutsch aber für ein Buch reicht es noch nicht. Er hat noch nicht mal mein Buch über mein Leben bei ihm gelesen. 

Abeteuer Highlands book promo

Also fragt er kürzlich mit unschuldigem Augenaufschlag: Kannst du den Reiseführer nicht auch auf Englisch schreiben?

Puh! Klar kann ich. Gar kein Problem. Sind ja nur 322 Seiten. Ich denke nach. So schlimm wird es nicht werden. Es gibt ja Google translate.

Ich verbringen einen Tag damit, das Manuskript Seite für Seite in Google Translate einzugeben und das Ergebnis dann in ein anderes Dokument einzufügen. Am Ende des eintönigen Tages habe ich dann ein deutsches Manuskript und ein englisches. Naja, eine Google-Englisches. Was auf den Bilder zu sehen ist, ist die unbearbeitete Google Übersetzung. 

Ich schicke es also dem Mann, damit er es durchliest und mich auf die Fehler im Inhalt und gerne auch der Rechtschreibung hinweist. Ich muss es ja auch noch einmal durcharbeiten aber er darf zuerst, dann hat er schon eine Orientierung für die Fotos.

Noch immer im Lockdown und mit wenig Arbeit, um sich abzulenken, legt der Mann in den Highlands los und schickt mir noch am selben Abend das erste Kapitel korrigiert zurück.

Schon bei der ersten Anmerkung muss ich laut lachen. Da steht nur ein eh? was dem deutschen häh? entspricht und fast genauso klingt. Je mehr ich seine Anmerkungen studiere, desto amüsierter bin ich.

A screech owl? What’s a screech owl? Fragt er sich zu Recht. Es ist der Schrei einer Eule, keine Schreieule.

Und ein sea hole ist in Wirklichkeit ein sea Loch. Da stiftet das deutsche Wort Loch Verwirrung. Pech, wenn ein und dasselbe Wort in zwei unterschiedlichen Sprachen zwei unterschiedliche Dinge bedeutet.

„Er trug die Farben des Stuart Clans“ wird auch falsch übersetzt. He wore the Stuart paints??? fragt der Mann nach. Da ist Farbe im Sinne von Wandfarbe, gemeint ist aber Farbe im Sinne von Flagge oder Uniform, also colours nicht paints. Niemand trug Farbeimer durch die Highlands,

Der Mann ist verwirrt. Ich lache.

Und natürlich kann ein Tippfehler die ganze Übersetzung ruinieren. Fehlt auch nur ein y an der entscheidenden Stelle, dann positionierte Alexander einen Arm (arm) statt einer Armee (army) auf dem Hügel und der Mann fragt sich zu recht, warum.

Bildschirmfoto Manuskript

Ein echtes Highlight: His first daughter gave birth to his mother’s maid (Seine erstgeborene Tochter gebar die Dienstmagd seiner Mutter), was den Mann in tiefe Verwirrung stürzte. Hier waren die Possessiv-Pronomen und damit die gesellschaftlichen Beziehungen durch das Verb durcheinander gekommen. Er zeugte vielmehr eine erstgeboren Tochter mit der Dienstmagd seiner Mutter.
Kleiner aber feiner Unterschied.

Was dem Mann ganz besonders gefallen hat ist die Übersetzung von vogelfrei, also einer, der für vogelfrei erklärt wird. Die korrekte Übersetzung wäre outlaw, Google hat es mit bird-free wörtlich übersetzt. Weil der Mann Frauen gerne als birds bezeichnet, hat ihn diese Übersetzung laut lachen lassen. Der arme Rob Roy war frauenfrei.

Und wenn Margaret Forbes dachte, dass ihr Ehemann und seine Männer zurückkehrten, dann waren es nicht her husbands and his husbands es waren her husband and his men. Soo verheiratet war ihr heimkehrender Ehemann dann doch nicht. Auch wenn der Mann husbands, and husbands, and husbands anmerkt. 

Und ja, Cullen Skink ist eines der berühmten Gerichte in Schottland aber die Fischsuppe hat nun ganz und gar nichts mit Justizia zu tun. Ein Suppengericht ist eben kein Amtsgericht, zumindest nach meinem Urteil.

Wir haben noch einige Kapitel durchzuarbeiten und ich freue mich so richtig darauf. Denn wenn’s schon beim Korrigieren Spaß macht, dann kann es doch nur ein Bestseller (Verkaufsschlager) werden!

 

P.S. Keine Sorge, ab nächsten Sonntag geht es wieder weiter mit der Foto Challenge. Eure Bilder sind nicht verloren gegangen! 😊

Schottland Foto Challenge – ein Mann, eine Idee

Liebe Nellie,

Auch wenn ich es ursprünglich vorgeschlagen hatte, dass wir alle unseren schönsten Bilder einsenden, so war es alles andere als einfach für mich meinen Beitrag zu leisten. Es ist sehr schwer mich zu entscheiden, vor allem da ich die allerschönsten Bilder im Kopf habe und nicht als Foto… Ich kann auch leider nicht so tolle Geschichten zum Besten geben wie meine Vorgängerinnen (wieso eigentlich immer nur Frauen?? Bin ich hier der einzige Vertreter meiner Gattung???)

Ich dachte, ich erzähle einfach mal meine Geschichte wie ich zum Herzensschotten wurde…

Schon als Kind haben mich Geschichte, Burgen, wilde Landschaften und das Meer fasziniert. Bücher wie „Die Schatzinsel“, „Der seltsame Fall von Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ über „William Wallace“, „Maria Stuart“ aber später auch mal Werke von Robert Burns haben mich stundenlang gefesselt. Natürlich aber auch „Outlander“ (als Bücher verschlungen – aber auch als Film sehr genossen) Last but not least – die Geschichte über das Leben unserer Lieblingsautorin mit ihren „Abenteuern Highlands“ hat mich lauthals amüsiert.

2005 habe ich mit meiner damals neu kennengelernten Beziehung spontan meine erste Reise zu Pfingsten mit dem Auto nach Schottland gemacht. Völlig planlos nach Gefühl haben wir in Edinburgh begonnen (eine der schönsten Städte in Europa), dabei jeden Tag wo es uns gefiel quer durch Schottland in einem B & B übernachtet (oder auch mal auf Isle of Skye – wenn nichts zu finden war – im 19,99 € Discounter-Zelt bei strömenden Regen festgestellt, wie besitzergreifend Frauen um jegliche Decke im Schlaf kämpfen können – blutige Nase verursacht durch einen Tritt eines zarten Frauenfusses).

Ich habe auch gelernt, dass die putzigen „Eintagsfliegen“ dann blutsaugende Midges waren, Black Pudding nichts mit einer Süßspeise zu tun hat, Schulenglisch in Schottland – vor allem an der Westküste – soviel bringt wie Polnisch in der Mongolei und dass die Menschen dort eine Gastfreundschaft, einen Humor und eine Herzlichkeit haben, die seinesgleichen sucht.

Über 2500 km später war mir klar, dass ich meinen Herzensplatz gefunden hatte.

 

Danke lieber Andy dass du es noch geschafft hast, wenige Stunden vor Einsendeschluss deine Bilder zu schicken. Ich bin mir sicher, dass nicht nur ich mich darüber freue. Der zweite Teil kommt demnächst. 

Schottlandreise während Corona – Die letzten Meilen

Da war ich nun, endlich auf schottischen Boden. Als erstes verkrümle ich mich in die Toilette und wasche mir gründlich die Hände, was gar nicht so einfach ist in dem Land mit den zwei Wasserhähnen und Waschbecken in Kindergröße.  Das Ritual, das man sich in Deutschland seit Corona am Waschbecken antrainiert hat, muss nun den Bedingungen angepasst werden.

Waschbecken Schottland

Mit dem Mann hatte ich verabredet, dass er mich nicht im Terminal abholt, sondern im Auto draußen wartet. Als ich aus der Zollkontrolle komme, sehe ich, dass er das auch gar nicht gekonnt hätte. Man wird direkt zum Ausgang gelotst, die Halle ist dunkel, nichts hat geöffnet.

Draußen begrüßt mich zuerst der schottische Wind dann der Mann, wie schön, ihn nach fünf Monaten endlich wiederzusehen. Wir fahren gleich los, gemäß der Regularien muss ich unmittelbar zu dem Ort meiner Selbstisolation, darf unterwegs nicht aussteigen oder andere Dinge tun. Deshalb hat der Mann auch eingekauft, bevor er mich abgeholt hat. So gesehen haben die Einschränkungen auch ihr Gutes. Ich lehne mich entspannt zurück.

Kurz bevor wir aus Inverness raus sind, sehen wir, dass der Pizza Laden und das Take-Away aufhaben. Das war bislang nicht so, sagt der Mann, der sicherheitshalber Sandwiches für mich gekauft hat. Es ist schon 19 Uhr und wir haben noch zwei Stunden Fahrt vor uns, deshalb also zwei Pizzen zum Mitnehmen zum stolzen Preis von 19 Pfund. Die Kunden müssen im Freien warten. Wenigstens ist es nur windig aber der Regen kommt schnell.

Highlands

Dann essen wir mit Blick auf Loch Ness im Auto zu Abend und fahren nach Hause. Die Straßen sind sehr leer, aber sie füllen sich langsam wieder sagt der Mann. Ich hätte mehr Camper an den üblichen Touristenstellen erwartete, doch die sind weitgehend leer. Die Behörden haben alles getan, die Menschen vom wilden Campen in Schottland abzuhalten. Das Müllproblem stellt sie in Gebieten mit einem solchen Ausmaß vor große Probleme. Nur zwei Campingbusse sehen wir auf dem Heimweg.

wilde Katze

Dann sind wir zu Hause und die wilde Katze begrüßt mich mit lautem Miau. Von nun ab werde ich ihr viel Gesellschaft leisten können. Weil ich vor dem 10. Juli eingereist bin, muss ich noch 14 Tage in Selbstisolation. Ich darf nicht aus dem Haus und ich darf keinen Besuch empfangen. Auch nicht von der Familie. 14 Tage vollkommene Ruhe und der Blick aufs Meer. Schön!

 

Schottlandreise während Corona – über den Wolken

Die kleine Maschine der KLM ist eine Cityhopper. Ja, vor Corona ist man ganz selbstverständlich von einer großen Stadt zur anderen „gehüpft“. Es fühlt sich anders an und es ist auch anders. Mit dem Virus hat sich‘s ausgehüpft.

Am Gate finden sich wenige Menschen ein, die meisten sind ganz offensichtlich Schotten, ich vermute ein bis zwei Engländer und ein Touristenpaar, zwei Männer, möglicherweise aus Spanien oder Italien, ich kann es nicht abschließend beurteilen, sie reden nicht miteinander.

Spuckschutz Gate Amsterdam Shiphol

Corona Maßnahmen am Flughafen

Die Crew hat sich zum Boarding hinter einem überdimensionalen Spuckschutz verschanzt. Man gibt das Telefon mit dem Ticket auf den Scanner und zeigt seinen Pass, wie sonst auch aber sie überprüfen auch die Mund- und Nasenbedeckung. Vor mir will ein Schotte an Bord, der ein weißes Schlauchtuch trägt.

„Hat das einen Filter?“ fragt ihn ein KLM Mitarbeiter.

„Nein.“ sagt der Schotte, „aber es ist speziell gegen Corona designt und wurde mit einer Chemikalie behandelt, die das Virus abweisen soll“.

Das aber wird nicht akzeptiert, entweder braucht er einen Filter oder eine andere Maske. Er holt eine Stoffmaske aus seinem Gepäck und schreibt seinem Chef eine Textnachricht.

„Die verwenden wir sogar in Hubschraubern.“ sagt er verärgert.

Maske im Flugzeug

Meine Stoffmaske geht problemlos durch die Kontrolle, die hat aber auch keinen Filter. Im Flieger selbst trage ich die FFP2 Maske, mit der ich kaum sehen kann, weil meine Brille darauf nicht sitzt und sich bei meinem Astigmatismus und den sehr schwachen Augen die volle Sehschärfe nur einstellt, wenn die Brille exakt auf der Nase ruht. Wenn nicht, sehe ich schlecht und bekommen heftiges Kopfweh. Ich werde während des Flugs einfach die Augen schließen.

KLM City Hopper

Vielleicht hilft ein Bier, auch wenn es schier unmöglich ist, das mit dieser Maske zu sich zu nehmen. Eine Schwierigkeit, mit der ich mich gar nicht erst auseinandersetzen muss. Im Flieger wird kein Alkohol serviert. Ich kann Saft oder Wasser haben, offen ausgeschenkt, nicht in einer Dose oder Flasche. Ich lehne dankend ab und schließe die Augen.

Einreisebestimmungen im Vereinigten Königreich

Kurz bevor die kleine Maschine zur Landung ansetzt, gibt es eine Durchsage zu den Einreisebestimmungen. Alle müssen online das Formular (Public Health Passenger Location Form) ausgefüllt haben, dass es dem UK Government möglich macht, in einem Corona Fall alle Passagiere, die mit einem eventuellen Infiziertem an Bord waren , zu finden. Man muss seine genaue Adresse angeben, wo man sich 14 Tage in Selbstisolation begeben muss, wenn man vor dem 10. Juli einreist. Sie wollen Telefonnummern in Schottland und Deutschland, Notfallkontakte usw. Man muss das Formular ausdrucken oder auf dem Telefon abspeichern. Ausgedruckt sind es drei Seiten persönlich Informationen. Ich hatte bereits eine Woche vor Abflug begonnen, es auszufüllen. Abschließen kann man es erst 48 Stunden vor Einreise. Das System verlangt die Einreisezeit des Flugs, danach richtet sich die Berechnung. Man bekommt aber einen Link zugemailt, mit dem man an das bereits begonnenen Formular zurückgeführt wird.

public health passenger location form

Passenger Locator Form

Wir landen und laufen die paar Meter zur Einreisekontrolle: zwei Kabinen, abgesperrte Reihen, Markierungen für den korrekten Abstand, sie nehmen es offensichtlich ernst und Einweiser regulieren die Laufwege der Einreisenden.

Vor mir ist ein älteres Ehepaar, beide Schotten, keiner hat das Formular ausgefüllt. Das verursacht einige Aufregung, sie werden belehrt und dann eine wenig hilflos in die Ecke gesetzt, wo sie das Formular nun direkt ausfüllen müssen. Ob sie das mit Einreisenden aus einem anderen Land auch so machen würden? Die Einreise kann verweigert werden, wenn man das Formular nicht ausgefüllt hat.

Inverness Airport Arrivals

Der Spanier/Italiener neben mir radebrecht mit dem Zollbeamten. Er und sein Freund haben das Formular ausgefüllt. Ja, sie wissen, dass sie in Isolation müssen. Und ja, sie sind zum ersten Mal in Schottland. Ich frage mich, was für einen Urlaub diese beiden wohl geplant haben.

Dann bin ich dran und werde nochmal alles gefragt, was ich ohnehin schon in dem Formular ausgefüllt habe. Der Grund meines Kommens scheint ihn aber weniger zu interessieren. Wohl aber die Frage, ob ich auch über die Regelungen zur Selbstisolation informiert bin. Ich bejahe das und er winkt mich durch.

Ich habe es geschafft. Ich bin wieder in Schottland!

Morgen: Die letzten Meilen

Schottlandreise während Corona – Ich bin vorbereitet!

Ich zähle die Tage bis ich in Schottland bin. Endlich wieder! Jetzt gibt es schließlich ein Datum. Morgen ist es so weit, wenn alles gut geht und sie mich reinlassen ist wieder Licht am Horizont.

Sonnenuntergang

Ich mache mir viele Gedanken darum, ob ich eventuell den Mann gefährde, wenn ich zu ihm reise und ganz ausschließen lässt sich dieses Risiko nicht. Auf der anderen Seite sind wir in Deutschland soviel besser dran als die Menschen im Vereinigte Königreich. Wobei, in Schottland steht es dank der Umsicht von First Minister Nicola Sturgeon viel besser als in Prime Minister Boris Jonhnsons England. Schottland hat den Lockdown deutlich ernster genommen als die Nation im Süden. Aber die Vorstellung, das Virus vielleicht unwissentlich einzuschleppen ist beunruhigend.

Handgepäck

Ich habe FFP2 Masken bestellt, drei Stück für die Reise liegen schon im Koffer, dazu Reinigungstücher, Alkoholpads, Desinfektionsspray, Ersatzmasken, Einmalhandschuhe, alles was mir einfällt, um eine Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten. So einen seltsamen Koffer habe ich noch nie gepackt in all den Jahren, in denen ich zwischen Schottland und Deutschland hin und her pendle.

Und ich habe begonnen das Formular auszufüllen, ohne das man nicht ins Vereinigte Königreich einreisen kann, die Public Health Passenger Locator Form. Sie dient dazu, die Regierung mit Kontaktdaten (wann reise ich ein, wo wohne ich, wer ist mein Kontakt und unter welchen Telefonnummern bin ich wann zu erreichen) zu versorgen, damit ich informiert werden kann, sollte es auf meinem Flug einen bestätigten Infektionsfall gegeben haben, heißt es im Text zum Formular. Gerne gebe ich der Regierung all diese Daten nicht, aber was will ich machen, ohne darf man nicht einreisen. Ich fülle es so weit es geht aus und speichere es ab. Man bekommt einen Link, mit dem man das Formular dann innerhalb einer Woche vervollständigen und abschicken kann, aber eben erst 48 Stunden vor Einreise. Einchecken bei KLM für den Flug kann ich 30 Stunden zuvor. Bis dahin muss ich in Deutschland aushalten.

Schwarzwald

Der Mann hat derweil in Schottland die Vorbereitungsphase gestartet, die Küche geputzt und alle Zimmer gesaugt. Wir haben über die mögliche Gefahr gesprochen, die meine Reise zu ihm darstellen könnte. Gemeinsam haben wir beschlossen, dass wir dieses Risiko in Kauf zu nehmen bereit sind. Wir haben uns fast ein halbes Jahr nicht mehr gesehen. Wir wollen damit nicht warten, bis es einen Impfstoff gibt.

Der Countdown hat begonnen. Morgen ist der große Tag.

Morgen: Bis zur Grenze